Warum BMW plötzlich so viele Probleme hat

München - Die Serie der schlechten Nachrichten reißt für BMW nicht ab: Nun hat der Konzern den lange Jahre sicheren Spitzenplatz als ­ bei Universitätsabgängern ­ beliebtester Arbeitgeber eingebüßt. Warum das einstige deutsche Vorzeigeunternehmen, das bekannt war für großzügige Mitarbeiterbeteiligung, plötzlich so viele Probleme hat.

Die besten Führungskräfte von morgen hat begonnen. Hochschulabgänger werden von den Unternehmen umworben. Und ausgerechnet jetzt hat BMW bei dieser Gruppe ein Problem. Viele Jahre war das Münchner Unternehmen klar die Nummer eins. Nun musste es in einer Umfrage des Beratungsunternehmens Trendence den Titel an Rivalen abgeben. Bei den angehenden Ingenieuren zogen Audi und Porsche vorbei, bei den Wirtschaftswissenschaftlern nur Porsche. Allerdings lauert Audi ­ im letzten Jahr noch auf Platz acht ­ bedrohlich nahe auf Rang drei. Dies berichtet das "Manager Magazin".

Der Konzern tröstet sich damit, bei den Informatikern der beliebteste Autohersteller zu sein. Das Ziel, zu den drei Spitzen-Arbeitgebern zu gehören, sei außerdem erreicht worden. Und das Feld liege nahe beieinander. Dennoch ist unverkennbar: Die Turbulenzen der letzten Monate schlagen sich über das Unternehmen hinaus auf die Stimmung nieder.

Der geplante Personalabbau und die angespannte Stimmung in der Belegschaft wurde noch verschärft durch jüngste Sparankündigungen des Vorstands. So will man laut Manager Magazin mit dem Betriebsrat auch über die Kürzung des Weihnachtsgelds verhandeln und Niederlassungen verkaufen, um sie anschließend zurückzumieten. Das verschönert zwar sofort die Bilanz, ist aber ein Vermögensverlust.

Von einem "sehr hektisch durchgeführten Sparprogramm" spricht Horst Lischka von der IG Metall. Überhaupt knirscht es mittlerweile im bislang sehr gut synchronisierten Getriebe zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretern. "Es ist zur Zeit ziemlich ungemütlich", sagt Lischka.

Gewerkschaft und Betriebsrat stellen sich gegen den geplanten Abbau von 8100 Arbeitsplätzen. Sie haben eine Vereinbarung über Beschäftigungssicherung in der Hand. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit tabu. Weil der Betriebsrat erfolgreich vor Auflösungsverträgen warnt, steigen die Abfindungen fürs freiwillige Ausscheiden. Die Arbeitnehmer wollen den Erhalt der Arbeitsplätze durchsetzen und fordern, unter anderem mit dem Abbau der auf Arbeitszeitkonten angesammelten Überstunden durch die Krise zu kommen. "Warum will man Mitarbeiter loswerden, die man vielleicht nächstes Jahr wieder braucht?", fragt Gewerkschafter Lischka.

Dabei ist den BMW-Belegschaftsvertretern auch sauer aufgestoßen, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Zuerst wurde die Presse informiert, dann der Betriebsrat, ist der Vorwurf. Das wäre tatsächlich eine neue Qualität für den Konzern. Seit der vom damaligen Betriebsratsvorsitzenden Kurt Golda durchgesetzten Rettung von BMW als eigenständiges Unternehmen im Jahr 1959, galt das gute Einvernehmen mit den Arbeitnehmern als besonders hohes Gut.

Was eigentlich hat die Krise verursacht? Dazu zählen auch Faktoren, auf die der Premium-Hersteller besonders stolz war.

Die starke Marktposition in den USA macht BMW besonders anfällig für Währungsschwankungen. Verschärft würde dies, weil BMW zu früh auf einen wiedererstarkenden Dollar setzte und sich bei teuren Absicherungsgeschäften zurückhielt.

Der Premium-Anspruch mit hochwertigen Fahrzeugen in vergleichsweise geringer Stückzahl schwächt BMW als Einkäufer von Rohstoffen und Stahl. Hier haben es Massenhersteller mit großer Einkaufsmacht jetzt leichter.

Der Spitzenplatz bei den Premium-Herstellern am US-Markt war durch zu optimistisch kalkulierte Leasingverträge verteidigt worden. Das rächt sich nun, weil in der US-Krise die Gebrauchtwagenpreise einbrachen. Die Restwertrisiken mussten deshalb auf 700 Millionen Dollar aufgestockt werden.

Das sportliche Image der Marke machte BMW bei steigenden Ölpreisen verwundbar. Obwohl der Konzern schon lange vorher an Energiespar-Technik forschte und diese nach dem starken Ölpreisanstieg schneller als die Konkurrenz in die Serienfertigung brachte, drang dies in der öffentlichen Wahrnehmung fast nicht durch.

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