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Martin Hüfner, früherer Chefvolkswirt der HypoVereinsbank

Warum sich die Euro-Rettung lohnt

München - Eurobonds, Rettungsschirm und Schuldenschnitt - in der Euro-Krise verliert der Laie schnell den Überblick. Umso erstaunlicher, dass Martin Hüfner, früher Chefvolkswirt bei der HypoVereinsbank (HVB), nicht einmal eine Stunde braucht, um das hochkomplexe Thema auch für Nicht-Experten verständlich zu erklären.

VON STEFFEN HABIT

Seine These: Die Euro-Rettung lohnt sich. Aber ohne eine gemeinsame Wirtschaftsregierung hat der Euro langfristig keine Zukunft.

Hüfner hält sich bei der Veranstaltung des Münchner SPD-Wirtschaftsforums nicht mit Fachbegriffen oder der Historie der Gemeinschaftswährung auf. Seine Ausgangsfrage ist simpel: „Warum sollen wir den Euro retten?“ Und er liefert zunächst eine nicht ganz ernstgemeinte Antwort: Selbst El-Kaida-Terroristen hätten sich auf ihrer Flucht durch Pakistan Euro-Scheine in die Jacke eingenäht. So schlecht könne die Währung also nicht sein, meint Hüfner schmunzelnd.

Schritt für Schritt baut der ehemalige HVB-Chefvolkswirt seine Argumentation auf: „Der Euro ist eine gute Währung.“ Sie werde weltweit akzeptiert, das mühsame Geldwechseln beim Urlaub in Italien oder Frankreich sei Vergangenheit und auch die Inflation falle mit durchschnittlich 1,5 Prozent eher niedriger aus als zu D-Mark-Zeiten.

Auch für die Unternehmen biete der Euro viele Vorteile, betont Hüfner. „Die festen Wechselkurse erleichtern den Handel in Europa.“ Dennoch dürfe man keinesfalls blind den Aussagen der Wirtschaftsverbände folgen. Oft werde behauptet, ohne den Euro drohe die Exportnation Deutschland zusammenzubrechen. „Dagegen spricht: Die Ausfuhren in den Euroraum sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Die Exporte in Schwellenländer wie China haben dagegen massiv zugelegt.“

Währungsunion oder politische Gemeinschaft - für Hüfner liegt hier das Problem: „Es fehlt uns eine Idee für Europa.“ Jahrzehntelang habe die Politik das Zusammenwachsen Europas mit der blutigen Geschichte der beiden Weltkriege begründet. Doch das Friedensargument reiche heute nicht mehr aus, meint Hüfner. Für den renommierten Volkswirt gibt es nur ein überzeugendes Argument für Europa - der rapide Aufstieg der Schwellenländer. „Ohne ein gemeinsames Europa werden wir schon bald von anderen Ländern dominiert. Ich will mir aber nicht Menschenrechte oder Arbeitsstandards von China diktieren lassen.“

Hüfner ist in Fahrt, von der vornehmen Zurückhaltung eines Bankers ist nichts mehr zu spüren. Kürzlich habe Kanzlerin Angela Merkel gesagt, sie liebe Europa. „Doch Liebe ist vergänglich“, stichelt Hüfner. Der 69-Jährige lässt auch kein gutes Haar an den bisherigen Rettungsmaßnahmen für den Euro. „Der zentrale Fehler ist: Wir haben eine europäische Währung, aber eine nationale Währungspolitik.“ Jeder Rettungsversuch sei zum Scheitern verurteilt, so lange nicht gleichzeitig auch die Zusammenarbeit in der Wirtschaftpolitik deutlich verstärkt werde, betont Hüfner. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir bewegen uns in Richtung Vereinigte Staaten von Europa oder wir können den Euro wieder abschaffen.“

Eine „Super-Lösung“ für die Schuldenkrise habe die Regierung für den EU-Gipfel am kommenden Sonntag angekündigt, spottet Hüfner. Er gehe allerdings davon aus, dass keinesfalls die Gefahr gebannt sei. Bisher deuten sich laut Hüfner folgende Rettungsmaßnahmen an: Griechenland soll durch einen harten Schuldenschnitt aus der Krise kommen. Dadurch könnten jedoch einige Banken in Not geraten. Dies soll durch ein Rettungspaket für Banken verhindert werden. Zudem sei ein Schutzschirm für Italien vorgesehen.

Trotz der harschen Kritik am Krisenmanagement bleibt Hüfner optimistisch: „Bis sich die Vereinigten Staaten von Amerika formiert haben, sind auch einige Jahre vergangen.“

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