Warum der Spritpreis nur langsam sinkt

Der -lpreis ist binnen weniger Wochen drastisch gefallen: Seit dem Höchststand von gut 147 Dollar Mitte Juli sank er um rund 25 Prozent. Die Spritpreise an deutschen Tankstellen schrumpften im selben Zeitraum jedoch weitaus weniger.

Der Preis für Diesel sank laut ADAC von 1,52 Euro je Liter auf 1,38 Euro, Super kostet statt 1,57 jetzt 1,49 Euro. Das sind lediglich rund neun Prozent bzw. sogar nur fünf Prozent weniger. Warum ist der Unterschied beim Preisabschwung so groß? Hier Antworten auf diese und andere Fragen:

Warum ist der Preis für Rohöl in den vergangenen Wochen so drastisch gesunken?

Der Markt besinnt sich wieder auf fundamentale Daten. Vor allem die weltweite Konjunkturschwäche und eine gesunkene Nachfrage nach Öl drücken den Preis. In wichtigen Wirtschaftsnationen wie den USA, Japan und in Europa achten die Bürger mehr auf ihr Geld, viele fahren weniger Auto. In der Folge ging die Nachfrage zurück. Doch auch bedeutende Wachstumsmärkte haben auf den Rekordstand des Ölpreises reagiert. China beispielsweise hat Subventionen gekürzt, sodass auch dort die Nachfrage zurückging. Gleichzeitig hatten Erdölproduzenten ihr Angebot erhöht.

Also ist alles nur eine Frage von Angebot und Nachfrage?

Nein. Der Höhenflug des Ölpreises wurde auch durch die extreme Dollarschwäche im ersten halben Jahr getrieben. Viele Anleger flüchteten aus dem Dollar in wertstabile Rohstoffe. Außerdem spielen weltpolitische Aspekte eine Rolle: Ist irgendwo in der Welt ein Ölfördergebiet von einem militärischen Konflikt oder einer Naturkatastrophe bedroht, steigt der Ölpreis meist. Dass der Tropensturm "Gustav" keine gravierenden Schäden bei Förderinseln und Raffinerien in den USA angerichtet hat, sorgt für eine Entspannung.

Warum ist der Preisrutsch von 25 Prozent beim Öl nicht genauso deutlich an den Tankstellen in Deutschland zu spüren?

Eine wichtige Rolle spielen die Steuern. Zum einen ist da die Mineralölsteuer, die ein fester Betrag ist und daher nicht mit dem Einkaufspreis variiert. Bei Super und Normalbenzin kommen immer 65,5 Cent je Liter drauf, bei Diesel 47 Cent. Dann wird noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent angerechnet, und das ergibt den Verbraucherpreis.

Aber sicher sind nicht nur die Steuern für die hohen Preise verantwortlich zu machen?

Es ist schon richtig, dass die deutschen Tankstellenpreise ohne Steuern in der Regel zu den günstigsten in Europa gehören. Doch auch der Nettopreis ging in den vergangenen Monaten nicht so deutlich zurück wie der Ölpreis: So kostete Diesel laut MWV im Juli im Durchschnitt netto 78,4 Cent je Liter und im August 69,8 Cent. Das ist ein Minus von rund elf Prozent - noch immer keine 25. Der Nettopreis für Super sank im selben Zeitraum sogar nur acht Prozent, von 63 auf 58 Cent.

Spielt dabei auch der geschwächte Euro eine Rolle?

Ja. Ist der Euro schwächer, sind die Einkaufskosten für die Mineralölkonzerne hierzulande höher. Wäre der Euro-Kurs so hoch wie Anfang des Monats, wären die Preise rein rechnerisch rund vier Cent günstiger. Bei einem Euro-Kurs von derzeit rund 1,45 Dollar liegen die Einkaufskosten für einen Liter Benzin nach Angaben des MWV bei knapp 52 Cent je Liter. Vor gut einem Monat kostete er nur 48,5 Cent, weil der Euro bei 1,56 Dollar stand.

Wie hat sich der Preis beim Heizöl entwickelt?

Die Heizölpreise haben eine ähnliche Entwicklung wie der Ölpreis gemacht. In der wöchentlichen Umfrage des Fachblatts "Energie Informationsdienst" war Mitte Juni ein Rekordpreis von 98,23 Euro je Liter zu sehen. Seither ist er konstant gesunken, seit Mitte August aber langsam wieder gestiegen.

Wie teuer wird Öl mittel- und langfristig sein?

Das weiß niemand. Es spielen einfach zu viele unvorhersehbare Faktoren hinein. Manche Experten sehen das gerechtfertigte Niveau bei 80 bis 100 Dollar. Mittel- und langfristig wird die Nachfrage, vor allem in den Schwellenländern, aber massiv zunehmen. So schätzen einige, dass der Ölpreis in fünf Jahren bei etwa 150 Dollar liegt, in zehn Jahren könnten es 200 Dollar sein. Entscheidend dürfte sein, wie lange die Ölförderung noch wirtschaftlich ist.

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