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Frühstück auf dem Zimmer erwartet Gäste in 4-Sterne-Häusern. Rund um die Uhr werden Speisen und Getränke im Zimmer dagegen nur in 5-Sterne-Hotels serviert.

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Was hinter den Hotelsternen steckt

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München - Der Bayerische Hof hat sie, das Althoff Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern und natürlich Schloss Elmau: fünf Sterne, mit dem Zusatz „Superior“. Mehr geht nicht. Doch was steckt hinter solchen Bewertungen? Mit was haben Gäste zu rechnen, wenn ein Hotel einen, zwei, drei, vier oder fünf Sterne trägt?

Kaiserin Sissi, der Komponist Richard Wagner, Albert Einstein und Michael Jackson haben hier gewohnt: Der Bayerische Hof, anno 1841 auf Wunsch von König Ludwig I. eröffnet, ist die Nobeladresse Münchens. In Hotelkategorien bedeutet das: fünf Sterne und der Zusatz „Superior“. In ganz Bayern gibt es lediglich zehn Hotels, die eine solche Auszeichnung ihr Eigen nennen dürfen. Wie schafft man es in diesen erlauchten Kreis? Sind es die Luxus-Suiten, die im Bayerischen Hof Namen wie „Trauminsel“ oder „5th Avenue“ tragen? Liegt es am livrierten Portier, der den Gästen die Tür aufhält? An den Michelin Sternen, mit denen die Küche ausgezeichnet wurde? Oder am Concierge, der auch den extravagantesten Wunsch erfüllt?

40 Prozent der Hotels klassifiziert

„Es sind verschiedene Kriterien, die ein Hotel erfüllen muss, um mit fünf Sternen ausgezeichnet zu werden“, erklärt Frank Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Aktuell sind in Deutschland gut 8500 der rund 21 000 Hotels nach dem Sterne-System, das es seit 1996 gibt, klassifiziert – also rund 40 Prozent. Der Großteil (mehr als 5000) sind mit drei Sternen ausgezeichnet. Rund 80 Häuser dürfen sich mit einem Stern schmücken, gut 550 mit zwei. 2650 Betriebe führen vier Sterne, 124 fünf. In Bayern liegen besonders viele Sterne-Hotels. 1802 waren es zuletzt im Sommer 2016, 23 davon fallen in die Fünf-Sterne-Kategorie. Das sind so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Die Klassifizierung ist freiwillig. Wer Sterne führen und damit werben möchte, muss sich einer Prüfung unterziehen. Durchgeführt wird sie von der Dehoga Deutsche Hotelklassifizierung GmbH, einer Tochter des Dehoga Bundesverbandes und der Landesverbände. „Ein Hotel muss die Klassifizierung beantragen und einen Erhebungsbogen ausfüllen, dann kommt ein zweiköpfiges Team und prüft den Betrieb vom Keller bis zum Dach“, erklärt John. Rezeption, Service, Zimmer, Gastronomie, Freizeitangebot: Anhand einer Liste mit mehr als 270 Kriterien bestimmen die Prüfer, wie viele Sterne ein Hotel bekommt. Dabei gilt das Prinzip: Je mehr Kriterien erfüllt sind, desto mehr Sterne gibt es.

Neben den Sternen gibt es im Bewertungssystem zusätzlich die Bezeichnung „Garni“ und den Zusatz „Superior“. Letzterer wurde im Jahr 2000 für die Spitzenbetriebe innerhalb einer Kategorie eingeführt, die sich durch besonders guten Service auszeichnen. In der Praxis bedeutet das, dass der Concierge eines Spitzenhauses auch morgens um 3 Uhr Blumen besorgt – und so manche Eintrittskarte für die ausverkaufte Oper. Ein Hotel „Garni“ ist dagegen ein Hotelbetrieb, der Beherbergung, Frühstück, Getränke und höchstens kleine Speisen anbietet. Die Restaurant-Kriterien gelten also nicht.

Die Schummelei mit den Sternen

Sind die Sterne einmal vergeben, behalten sie maximal drei Jahre ihre Gültigkeit. Danach muss das Hotel erneut eine Prüfung beantragen – und bezahlen. In Bayern kostet die Klassifizierung den Hotelier bis zu 680 Euro, dazu kommen Zuschläge für den Fall, dass mit den Sternen geworben werden soll. Der Hotelier erhält eine Urkunde und ein Messingschild mit den Sternen, das er im Außenbereich anbringen darf.

Auf der Internetseite www.hotelsterne.de können Urlauber überprüfen, ob ein Hotel klassifiziert wurde – oder ob das Hotel sich die Sterne selbst verliehen hat. Solche Schummeleien gibt es immer wieder, räumt der Dehoga ein. Nach Angaben des Dehoga waren zuletzt acht Prozent der Sterne, mit denen Hotels warben, abgelaufen oder selbst vergeben. Der Verband hat deshalb ein härteres Durchgreifen gegen Häuser angekündigt, die sich mit unberechtigten Sternen schmücken. Eine Software soll in Kürze regelmäßig die Internetseiten der rund 21 000 Hotels in Deutschland auf unberechtigte Sternewerbung prüfen.

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