Seitenwand einer grünen Mülltonne mit dem Aufkleber Bioabfall
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Küchenabfälle wie Reste von Obst und Gemüse, Eierschalen sollen in der Biotonne gesammelt werden. Doch es landen auch immer wieder Fremdstoffe darin, die eine teure Verbrennung des Mülls nach sich ziehen können.

Mülltrennung

Was in die Biotonne darf und was nicht

  • Bernd Kreuels
    vonBernd Kreuels
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Die Deutschen sind zwar im Ausland als Weltmeister beim Mülltrennen bekannt. Aber vor der Biotonne scheitern dann nicht selten selbst die Umweltbewusstesten: Was gehört eigentlich genau rein und was nicht?

Pro Jahr sammeln die Müllabfuhren in Deutschland etwa zehn Millionen Tonnen „biogene Siedlungsabfälle“ ein, die großteils aus Haushalten kommen. In Corona-Zeiten dürfte es noch deutlich mehr sein, denn in den Haushalten wird viel mehr gekocht als sonst – und da fällt auch mehr Biomüll an. Dieser verrottet und wird -- wenn alles gut läuft – Kompost für Gärten und Äcker. Doch nicht selten stottert der Motor der Entsorgungsmaschinerie, weil privat falsch getrennt wurde: Dann liegen zusammengepresst Windeln, Alufolie oder Plastiktütenfetzen zwischen Speiseresten, Kaffee-Filtertüten und Gartenabfällen. Daher enthält der Bioabfall nach Angaben von Bernd Jörg, Vize-Chef des Fachverbands Biogene Abfälle im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), teilweise bis zu 15 Prozent Fremdstoffe. Das ziehe eine teure Verbrennung nach sich.

Obwohl viele Verbraucher besten Willen bei der richtigen Mülltrennung zeigen, wird es ihnen auch dadurch kompliziert gemacht, dass die Regelungen dafür in den Kommunen nicht einheitlich sind. Sie hängen insbesondere von den örtlichen Verwertungsmöglichkeiten und den Behandlungsanlagen ab und werden von den lokalen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern festgelegt. „Nicht so eindeutig ist es beispielsweise mit Fleischabfällen. Da gibt es Unterschiede bei den Kommunen“, erläutert Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Aus dem Bundesumweltministerium heißt es, dass die Abfallwirtschaftsstelle der jeweiligen Kommune (Stadt, Gemeinde, Kreis) die Verbraucher darüber beraten, welche Abfälle in die Biotonne dürfen und welche Abfälle in andere Sammelsysteme und in den Restmüll gehören. Bernd Jörg bemängelt allerdings, dass manche Kommunen ihre Bürger zu wenig darüber informierten, was in der braunen oder manchmal auch grünen Tonne landen darf. Andere Gemeinden setzten hingegen auf sehr gute Infokampagnen, dementsprechend sei das Problem eines hohen Störstoffanteils in den Abfallchargen dort eher gering. „Der Umweltaspekt einer sortenreinen Erfassung von Bioabfällen muss transportiert werden – im positiven Sinne, also über Infokampagnen, aber auch im negativen Sinne, also über eine stehen gelassene Tonne.“

Was darf in die Biotonne?

Im Zweifelsfall sollte sich der Verbraucher zwar immer in seiner Kommune wegen spezieller Regeln erkundigen, aber in vielen Gemeinden erlaubt sind in der Biotonne laut Bundesumweltministerium Abfälle wie Knochen, Fleisch- und Wurstreste (haushaltsübliche Mengen, gegebenenfalls in Küchenpapier/Küchenkrepp oder Zeitungspapier eingewickelt, aber kein Hochglanzpapier wie Zeitschriften, Illustrierte oder Papier aus Alttapeten), Schalen von Obst und Gemüse, Teereste, Teebeutel, Kaffeesatz, Kaffeefilter, Eier und deren Schalen, Brot- und Backwaren, Nussschalen sowie alle Lebensmittel ohne Verpackung, Gartenabfälle und Sägespäne. Sogar Milchprodukte wie Joghurt oder Quark dürfen in den Biomüll, Milch selbst aber nicht. Bei Käse ist darauf zu achten, dass er eine natürliche Rinde hat.

Was darf keinesfalls in die Biotonne?

Tabu sind im Biomüll Blumen- und Pflanztöpfe aus Kunststoff, Keramik, Glas, Metall, Einweggeschirr, Exkremente von Tieren, Gummi oder lackierte Holzreste. Nichts zu suchen haben dort ferner Hygieneartikel, Kerzenreste, Medikamente, Papier, Papiertaschentücher und Servietten. Plastiktüten, Putztücher, nicht biologisch abbaubare Katzenstreu, Staubsaugerbeutel, Textilien, Verbandmaterial, Kunststoffverpackungen, Watte oder Windeln müssen ebenfalls draußen bleiben.

Welche Besonderheiten gibt es für die Biotonne in München?

In den Münchner Biomüll dürfen Gräten und Knochen (roh und gekocht), Kaffeepads, mit der Kastanienminiermotte befallenes Laub, Vertikutierabfälle, Fallobst (auch mit Monilia/Braunfäule befallen), Fango, Hochmoor aus der Naturmoorpackung (kleine Mengen), aber kein Paraffin, ungefärbte und unbehandelte Haare (kleine Mengen) sowie Zeitungs- und Küchenpapier in kleinen Mengen, um Feuchtigkeit aufzusaugen.

Und was ist mit den Tüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen?

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München ruft dazu auf, beim Entsorgen der Bioabfälle weder Tüten aus Plastik noch aus biologisch abbaubaren Kunststoffen zu verwenden. Diese Tüten können in der städtischen Behandlungsanlage nicht vollständig abgebaut werden – dafür ist die Rottezeit von rund zwölf Wochen zu kurz.
 „Die im Supermarkt als biologisch abbaubar angepriesenen, meist grünen Abfallsäckchen zersetzen sich in unserer Anlage nicht schnell genug. Beim Verarbeiten werden sie zerhäckselt, und die kleinen Plastikteilchen verunreinigen den Kompost erheblich“, erklärt Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU). Die Tüten senken damit letztlich die Qualität der Münchner Erden.

Stattdessen sollten die Bioabfälle im handlichen, kleinen Bioeimer für sieben Kilo Inhalt gesammelt werden, die in den Farben Mint, Grün und Braun zu den Öffnungszeiten an den Wertstoffhöfen im Stadtgebiet, im Gebrauchtwarenkaufhaus Halle 2 in Pasing und im Wertstoffmobil kostenlos verteilt werden. „Einfach den Eimer mit altem Zeitungspapier oder Küchenkrepp auslegen oder einen unbeschichteten Papierbeutel verwenden und zum Entleeren in die Biotonne kippen“, empfiehlt Frank. Unbeschichtete Papierbeutel und -tüten sind beispielsweise in Drogeriemärkten erhältlich.

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