Waschmaschinen: Zwei Werke, zwei Wege

- München/Berlin - Fast zeitgleich kündigten die Weiße-Ware-Hersteller Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) und Electrolux im Frühsommer 2005 an, dass je eines ihrer deutschen Werke aus Kostengründen auf der Kippe steht. Doch da hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Denn während das Aus des AEG-Werks in Nürnberg trotz des Widerstands der Belegschaft mittlerweile so gut wie besiegelt ist, sieht es ganz so aus, als ob die wackelnde Berliner BSH-Fabrik doch noch überlebt.

Am 4. Mai hatte die Geschäftsführung des zu gleichen Teilen Bosch und Siemens gehörenden Hausgeräteherstellers mitgeteilt, dass sie eine "grundlegende Neustrukturierung" der Waschmaschinen-Produktion plane. Es sei beabsichtigt, die Fertigung im brandenburgischen Nauen zu konzentrieren und dafür den 50 Jahre alten Standort Berlin-Gartenfeld bis Ende 2006 zu schließen. Davon betroffen: 600 Mitarbeiter, deren Stellen überflüssig würden.

Die Nachricht kam nicht völlig überraschend. Schon in den Jahren zuvor hatte BSH in seinen sieben deutschen Werken mehrere hundert Jobs gestrichen. Wie die gesamte Branche leidet der Konzern an den seit Ende der 90er rückläufigen Branchenumsätzen hierzulande. Der Markt ist gesättigt, in fast allen Haushalten stehen bereits Kühlschrank, Herd und Waschmaschine. Zudem wollen die Verbraucher bei Neuanschaffungen nicht mehr allzu tief in die Tasche greifen, seit asiatische Hersteller die Geschäfte mit Billigware beliefern.

Mit eben diesen Argumenten begründete das BSH-Management trotz insgesamt steigender Gewinne den Schließungsplan für Berlin. Und auch der schwedische Electrolux-Konzern äußerte sich ähnlich, als er im Juni bekanntgab, das Nürnberger Werk mit seinen 1750 Angestellten stehe auf dem Prüfstand. Beide Belegschaften und die IG Metall protestierten und verhandelten - mit unterschiedlichem Erfolg.

Bei Electrolux blieb der Vorstand trotz der angebotenen Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitszeit hart und pochte auf die Schließung. Seit Ende Januar tobt deswegen der Arbeitskampf um die Höhe der Abfindungen. Dabei sind die Fronten so verhärtet, dass weitere Gespräche gerade wieder auf das kommende Wochenende verschoben wurden. Bei BSH hingegen ist die Berlin-Schließung still und leise unwahrscheinlich geworden - wenn auch noch nicht vom Tisch, wie es aus der Münchner Zentrale heißt.

"Das Aus ist noch nicht abgewendet", sagte ein Mitglied des Gesamtbetriebsrats unserer Zeitung. Über den möglichen Erhalt werde mit der Geschäftsführung aber hinter verschlossenen Türen schon seit Monaten gesprochen. Dabei gehe es um Maßnahmen, die Produktivität des Berliner Standorts zu verbessern. Damit gemeint sind flexiblere Arbeitszeiten, zuschlagsfreie Samstagsschichten und Jobabbau im kleinen Rahmen.

Bis Mitte des Jahres rechnet der BSH-Betriebsrat mit einem Ergebnis der Verhandlungen. Sollte das wider Erwarten doch negativ ausfallen und würde die Berliner Fabrik geschlossen, dann wollen es die BSH-Beschäftigten jedoch den Kollegen bei AEG nachtun: "Dann werden wir kämpfen."

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