Wasserfonds: Flüssiges Gold

Trinkwasser ist lebenswichtig. Doch die weltweiten Vorräte sind ungleich verteilt. Die Bereitstellung von Trinkwasser wird damit zunehmend zur Schlüsselaufgabe. Über Fonds können Anleger in diese Branche investieren.

265 Millionen Liter – diese Menge Trinkwasser produziert das weltweit größte Wasser-Recycling-System im kalifornischen Orange County jeden Tag. Eine Menge, mit der eine halbe Million Menschen ein Jahr lang versorgt werden kann. Ein Recycling-System mit Vorbildcharakter. Denn Trinkwasser ist durch nichts zu ersetzen, es ist lebensnotwendig und es ist knapp.

Und wird immer knapper. Nur 2,5 Prozent der globalen Wasservorräte sind Trinkwasser. Und sie sind ungleich verteilt. Eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zugleich steigt die Nachfrage. Es ist zum einen die wachsende Weltbevölkerung – bis zum Jahr 2050 sollen nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern –, die zu einem erhöhten Bedarf an dem kühlen Nass führen dürfte. Zum anderen der steigende Wohlstand gerade in vielen Schwellenländern. „Dieser führt zu veränderten Ernährungsgewohnheiten“, sagt Matthias Priebs, Manager des Sarasin Sustainable Water. „Statt Reis oder Kartoffeln essen dort immer mehr Menschen Fleisch.“

Investitionsbedarf von jährlich bis zu 500 Milliarden Euro

Doch während für die Produktion von einem Kilogramm Kartoffeln nur rund 900 Liter Wasser nötig sind, benötigt die gleiche Menge Fleisch rund 10 000 Liter. Zugleich nimmt das Angebot an Wasser durch vermehrte Dürren infolge des Klimawandels und aufgrund der fortschreitenden Urbanisierung ab.

Es gilt, mit den begrenzt vorhandenen Vorräten effizienter zu wirtschaften, die bestehende Wasserinfrastruktur zu verbessern und dort, wo es keine Infrastruktur gibt, diese aufzubauen. Nach Angaben der Studie „Weltwassermärkte“ von DB Research wird der jährliche Investitionsbedarf weltweit in den kommenden Jahren bei 400 bis 500 Milliarden Euro jährlich liegen. Ein Volumen, von dem Wasserversorger und -entsorger sowie Unternehmen, die die Wasserinfrastruktur aufbauen, profitieren. Dazu zählen etwa Versorgungsunternehmen wie der französische Konzern Suez oder das brasilianische Unternehmen Sabesp, aber auch das deutsche Sanitärunternehmen Geberit oder Firmen, die im Bereich der Wassermesstechnik tätig sind.

Wassermarkt vergleichsweise konjunkturresistent

Sie sollen über steigende Umsätze und Gewinne von der Entwicklung im Wassersektor profitieren. So jedenfalls lautet die Idee von Wasserfonds, die in diese Firmen investieren. Zum Beispiel der Pictet-Water-Fonds, mit einem Volumen von über 2,3 Milliarden Euro das Schwergewicht der Kategorie und der Korb mit der längsten Historie. Auf Sicht von fünf Jahren erzielte dieser ein Plus von 2,85 Prozent pro Jahr.

„Für uns ist der Wassermarkt deshalb interessant, weil er ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis bietet und die dort tätigen Firmen vergleichsweise konjunkturresistent sind“, sagt Fondsmanager Philippe Rohner. In seinem Fonds befinden sich zu einem Viertel Wasserversorger, die zumeist eine recht hohe Marktkapitalisierung von über fünf Milliarden Euro aufweisen. „Diese Aktien sind wichtig für unser Portfolio, da sie liquide sind und zum Teil attraktive Dividendenrenditen bringen“, sagt Rohner. Kleine und mittelgroße Unternehmen machen etwa 70 Prozent des Fondsportfolios aus. „Diese Firmen sind vor allem auf Grund ihres hohen Wachstumspotenzials interessant.“

Wasserfonds stiegen um bis zu 17 Prozent

Allerdings sind Unternehmen, die sich allein auf den Wassermarkt fokussieren, selten. Viele Fonds haben deshalb Vorgaben bezüglich des Umsatzanteils, den eine Firma in diesem Sektor machen muss. Dieser liegt jedoch oft nur bei 15 bis 20 Prozent. Die Folge: Es finden sich auch viele Mischkonzerne in den Portfolios, bei denen ein erheblicher Anteil des Umsatzes aus anderen Geschäftsfeldern stammt. So zählen beim Pictet-Fonds auch Wasserabfüller wie Nestlé oder Danone zum Anlageuniversum, wo das Geschäft mit dem flüssigen Gold nur rund ein Fünftel des Umsatzes ausmacht. Rohner ist mit seinem Fonds dort zwar aktuell nicht investiert. „Als regionale Versorger können solche Konzerne in einem Wasserfonds grundsätzlich aber ihre Berechtigung haben“, so der Fondsmanager.

Eine umstrittene Auffassung. „Flaschenwasser abzufüllen und zu transportieren, benötigt im Vergleich zu Leitungswasser ein Vielfaches an Energie“, sagt Sarasin-Fondsmanager Priebs. „Der Transport von Flaschenwasser ist nicht nachhaltig und löst auch das Problem der ungleichen Verteilung von Wasser nicht.“ Sarasin schließt solche Unternehmen deshalb aus. Priebs ist mit seinem Fonds auf kleinere Firmen aus dem Dienstleistungs- und Technologiesektor fokussiert, die rund 75 Prozent des Portfolios ausmachen. Und er schnitt mit seiner Auswahl auf Sicht von einem Jahr gut ab. Der Wert des Fonds stieg um über 17 Prozent.

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