Wasserschlösser zu verkaufen

- München - Es geht um Polizeistationen, Ministerien und alte Schlösschen. Die 19 000 Immobilien des Freistaats werden ab Januar 2006 von einer Stelle zentral verwaltet. Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) hat jetzt die Pläne für das Immobilienmanagement vorgestellt.

Bayern hat den größten Immobilienbesitz aller Bundesländer - ein gewaltiges Vermögen. 12 000 dieser Immobilien sind bebaut, viele davon in Top-Lagen. Die Bewirtschaftung läuft dezentral und nicht besonders effizient. Faltlhauser selbst berichtet von Fällen, in denen eine Behörde Gebäude kaufte, während eine andere in der Nähe gegen Leerstand in ihren Räumen kämpft. Andernorts sitzen Bedienstete mit wenig Publikumsverkehr in sündteuren Bestlagen. In München etwa das Statistische Landesamt in einem Gebäude, das angeblich einen dreistelligen Millionenbetrag wert ist.<BR><BR>Faltlhausers Idee einer staatseigenen Agentur - angeschoben von der CSU-Fraktion - soll beim effizienteren Verwalten helfen. Für den Minister hat das Vorteile. Nicht zuletzt könnten die lästigen Rügen vom Rechnungshof mittelfristig enden.<BR><BR>Mit den Verkäufen seinen Haushalt sanieren kann der Minister nicht. Immobilien sind "Grundstockvermögen", das darf nicht geplündert (wohl aber umgeschichtet) werden. "Wir verscherbeln nichts", verspricht er.<BR>Im Kabinett machte sich der Kassenwart mit seinem Plan zunächst wenig Freunde. Die Gebäude zentral zu verwalten, bedeutet einen Eingriff in die Hoheit der Ressorts. Oder, wie es einer der Beteiligten formuliert: Wenn man dem Faltlhauser die Immobilien gebe, "kriegen wir die nie wieder". Trotzdem stimmte das Kabinett zu.<BR><BR>Zu haben sind derzeit 170 Immobilien, die Bayern bestimmt nie brauchen wird: unter anderem eine Eigentumswohnung in einem ziemlich hässlichen Haus in Berlin und ein altes Wasserschloss in Baden-Württemberg (für 590 000 Euro). Niemals zu kaufen gibt es die staatlichen Schlösser, Straßen, Seen, religiöse Bauten und Gefängnisse. "Neuschwanstein", sagt Faltlhauser, "werfen wir mit Sicherheit nicht auf den Markt."

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