Der Weg ins Wasserstoff-Zeitalter

- München - Auf der Suche nach Alternativen zu Benzin und Diesel hat die Autoindustrie Wasserstoff als Energiequelle der Zukunft entdeckt. Daimler-Chrysler setzt dabei auf die Brennstoffzelle und BMW ähnlich wie Opel auf mit Wasserstoff betriebene Motoren. Volkswagen hingegen will die klassischen Motoren so weiterentwickeln, dass sie mit Treibstoffen fahren können, die nicht aus Erdöl, sondern aus Biomasse gewonnen werden.

<P>Im vergangenen Jahr haben die deutschen Hersteller nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) insgesamt 14,8 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt, davon floss ein erheblicher Teil der Mittel in den Bereich alternative Antriebe. Der Vorsitzende des Auto Club Europa, Wolfgang Rose, forderte verstärkte Forschungsanstrengungen: Was Sparsamkeit und alternative Antriebe betrifft, werden die Entwicklungsingenieure häufig ausgebremst, weil die Parole aus den automobilen Vorstandsetagen nach wie vor lautet: schneller, schwerer, schicker.</P><P>Daimler-Chrysler baut auf die Brennstoffzelle: Sie ist ein kleines elektrochemisches Kraftwerk, bei dem aus der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff Energie freigesetzt wird. Die Zelle ermöglicht mit Hilfe einer kalten Verbrennung die direkte Umwandlung der chemisch gespeicherten Energie in elektrischen Strom. Die erzeugte Energie treibt den Elektromotor an. Ab dem Jahr 2010, so hofft der Autobauer, sollen die Fahrzeuge im größeren Umfang kommerziell zur Verfügung stehen. </P><P>Die Konkurrenz aus Bayern hingegen hat mit der Serienentwicklung eines Wasserstoff-Autos mit Verbrennungsmotor begonnen. Das Fahrzeug kann automatisch von Wasserstoff auf Benzin umstellen, wie BMW-Sprecher Daniel Kammerer erklärt. Das Auto soll noch vor 2009 auf den Markt kommen. Anders als bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen sei man beim BMW-Modell nicht auf Wasserstofftankstellen angewiesen. "Man kann mit Benzin fahren, bis eine Wasserstofftankstelle kommt", erklärt Kammerer.</P><P>Opel will laut Vorstandschef Carl-Peter Forster bis zum Jahr 2010 ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug auf den Markt bringen. Derzeit testet das Unternehmen den Prototypen Hydro-Gen 3 auf einer Langstreckenfahrt quer durch Europa. Das Fahrzeug basiert auf einem Opel Zafira. Derzeit kostet es noch etwa 80 000 Euro.</P><P>BMW hat vor einem Jahr den X5 Efficient Dynamics, ein Modell mit Hybridantrieb, vorgestellt, der nicht mit einem Batteriesystem, sondern mit Hochleistungskondensatoren ausgerüstet ist. Vorteil davon ist laut Kammerer unter anderem, dass der Strom schnell aufgenommen und abgegeben wird. Das Auto kann extrem sportlich anfahren, dennoch reduziert es den Benzinverbrauch um 15 Prozent. Trotzdem ist der Hybridantrieb für BMW in erster Linie ein Forschungsthema. Der Autobauer geht davon aus, dass der Hybridantrieb Verbrennungsmotoren nicht grundsätzlich ersetzen kann. So sieht es auch Daimler.</P><P>VW setzt nicht auf neuartige Techniken, sondern will die klassischen Motoren so weiterentwickeln, dass sie mit Treibstoffen, die Benzin oder Diesel ähneln, fahren können. Das Geheimnis nennt sich "Synfuel" und "Sunfuel". Synfuel lässt sich zum Beispiel aus Erdgas herstellen, das sehr sauber verbrennt. So würde Synfuel zum Beispiel auch viel weniger Rußpartikel in die Luft schleudern als Diesel. Der nächste Schritt ist für VW das Sunfuel. Dabei wird Sprit aus Biomasse gewonnen: Holz, Laub, Stroh. Auch daraus kann in chemischen Prozessen Sprit erzeugt werden. Ein derart betriebenes Auto soll unter dem Strich sogar völlig CO2-neutral fahren, weil nur so viel Kohlendioxid frei wird, wie die Pflanzen vorher gebunden haben. VW sieht in dieser Technik den Übergang zum Wasserstoff-Zeitalter.</P>

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