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China wird für Webasto immer wichtiger. Hier das jüngste Werk in Wuhan, das erst vor zwei Wochen eröffnet wurde.

Auto-Zulieferer

Webasto: Alle drei Sekunden ein Dach

München - Der Autodach- und Heizungsspezialist Webasto baut seine Angebote weiter aus. Mit neuen Werkstoffen und modularen Dachkonzepten wollen die Stockdorfer weiter wachsen.

Toyota, VW und General Motors wetteifern darum, wer erstmals in einem Jahr 10 Millionen Autos baut. Ein Familienunternehmen vor den Toren Münchens hat diese Schwelle in ihrem Marktsegment bereits genommen. Webasto mit Zentrale in Stockdorf und Standorten auf allen Kontinenten hat im vergangene Jahr rund zehn Millionen Autos mit Dächern ausgestattet. „Alle drei Sekunden eines“ wie Vorstandschef Holger Engelmann betont.

Und es könnten bald noch mehr werden. Bisher liefert Webasto Dächer für Cabrios und solche, die man in den Aufpreislisten der Hersteller findet: Schiebe- oder Panoramadächer zum Beispiel. Das bloße Blechdach machen die Hersteller selbst. Noch. Denn Engelmann stellte gestern vor, was bei Webasto Multi Optional Roof genannt wird. Gewissermaßen ein Dachbaukasten, bei der Hersteller nur noch eine oben offene Rohkarosse liefert. Das Dach, das hier eingebaut werden soll, kann ein Schiebedach sein, ein Panoramadach, ein Faltdach oder der ganz normale „Deckel“ wie Engelmann sagt. Sprich auch das geschlossene Blechdach, wie es immer noch in der überwiegenden Anzahl der weltweit produzierten Autos zum Einsatz kommt.

Dabei ist dieses Dach möglicherweise gar nicht mehr aus Blech. Denn das Stockdorfer Unternehmen hat einen neuen Leichtbau-Werkstoff für Autodachsysteme entwickelt, der als preiswerte Alternative zur Kohlefaser in Frage kommt. Mit einem Kern, der Honeycomb genannt wird. Honeycomb ist das englische Wort für Bienenwabe. Und genauso sieht es auch aus. Die Konstruktion ist aus Papier, sie ist gut verformbar und damit leicht zu bearbeiten. Eine Hülle aus Glasfasern und Kunststoff sorgt für Stabilität. Das fertige Dach fühlt sich nicht weniger stabil an, als ein herkömmliches, ist aber viel leichter. 50 Prozent Gewichtseinsparung gegenüber Stahl.

Leichtbau ist gerade bei Dächern doppelt wichtig. Denn ein leichtes Dach senkt nicht nur das Gesamtgewichts des Autos, es sorgt auch für einen tieferen Schwerpunkt, was die Straßenlage verbessert. Das modulare Dach hat Webasto gerade erst vorgestellt. Noch kann Engelmann nicht sagen, wann es auf breiter Front zum Einsatz kommen kann. Gedacht ist es aber nicht für Bestseller. Für ein VW-Golf- oder Passatmodell kann Volkswagen in genügend großer Stückzahl unterschiedliche Karosserievarianten herstellen. Bei Modellen mit geringeren Verkaufszahlen kann es deutlich wirtschaftlicher sein, nur eine offene Karosserie-Variante vorzusehen. Für das Dach nach Kundenwunsch sorgt dann Webasto, so zumindest wünscht es sich Engelmann, der schon mit Autoherstellern darüber verhandelt.

Für seine künftige Entwicklung setzt Webasto auf Asien. Während das Unternehmen derzeit 20 Prozent seiner Umsätze in Nordamerika und 47 Prozent in Europa macht, werden diese Anteile bis 2018 auf 18 und 41 Prozent schrumpfen. Dafür wächst Asien vor allem wegen der Entwicklung Chinas von 33 auf 41 Prozent. Dort werden heuer zu den bestehenden acht Standorten zwei neue – in Wuhan und Shen-yang – eröffnet.

Der Umsatz, den Webasto allein in China, macht, soll bis 2018 von 590 Millionen auf über eine Milliarde Euro steigen. Das allein trägt das weitere Wachstum des Unternehmens. Wegen negativer Wechselkurseffekte ist das Umsatzwachstum im vergangenen Jahr mit plus zwei Prozent auf 2,5 Milliarden Euro vergleichsweise bescheiden ausgefallen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen stieg moderat von 125 auf 126 Millionen Euro.

Martin Prem

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