Webasto: Von der Drahtfabrik zum Autodach-Spezialisten

- Stockdorf - Auf den ersten Blick erinnert nichts an die 1901 gegründete "Esslinger Draht- und Eisenwarenfabrik Wilhelm Baier". Das Unternehmen heißt seit Jahrzehnten Webasto, hat seinen Sitz nach Stockdorf im Würmtal verlegt, und ist Auto-Zulieferer geworden: 1932 entstand dort das erste Auto-Faltdach, 1935 konstruierte Wilhelm Baier seine "Auto-Frischluftheizung". In diesen Bereichen hält Webasto 40 bis 50 % Anteil am Weltmarkt.

<P>Rund 900 der 5200 Mitarbeiter arbeiten in Stockdorf, der Rest in Dependancen von Italien bis Korea. "Der genetische Code, die Webasto-DNA, ist Innovation", sagt der Vorstandsvorsitzende Franz-Josef Kortüm. Das belegen bis zu 500 Patentanmeldungen im Jahr. Damit liege der Konzern nach einem Harvard Innovationsranking an 29. Stelle von weltweit 900 Unternehmen.<BR><BR>Die AG ist Familienunternehmen geblieben: Werner Baier und Gerhard Mey gehören jeweils 50 %. Diese halten den Gewinn im Unternehmen, das schafft Raum für Investitionen und Entwicklung. "Bis 2010 möchten wir unseren Umsatz auf 2,5 Milliarden Euro verdoppeln", sagt Kortüm. "Das bedeutet ein Wachstum von 8 bis 9 % jährlich." Der Westfale hat 1998 die Leitung der Webasto AG übernommen und den Wachstumskurs vorangetrieben.<BR><BR>Ein engagiertes Management ist unerlässlich für die stürmische Entwicklung. Aber ebenso hochmotivierte Mitarbeiter. 2000 arbeiten an den deutschen Standorten Stockdorf, Utting, Schierling bei Regensburg und Neubrandenburg. Sie haben bei einer Befragung ihr Unternehmen auf Platz 13 der Top Arbeitgeber in Deutschland gewählt. "96 % bewerteten Webasto als sehr guten Arbeitgeber" freut sich Detlef May, Leiter der Unternehmenskommunikation. Die Mitarbeiter werden - wie üblich - von den Chefs beurteilt. Aber umgekehrt gibt es auch Noten durch die Untergebenen. Diese wirken sich auf das Gehalt der Vorgesetzten aus.<BR><BR>Die Unternehmenshierarchie, die - wie in Familienbetrieben üblich - überschaubar ist, soll noch flacher werden. Mehrere Geschäftsbereiche sind künftig selbst für ihr Ergebnis verantwortlich und direkt dem Vorstand unterstellt. Unterteilt wird nach Produktbereichen: Thermosysteme, Dach- und Karosseriesysteme sowie Cabriosysteme arbeiten unter eigener Regie. "Engineering Services" bietet Ingenieurdienstleistungen an. Der Bereich Bus und Nutzfahrzeuge kümmert sich allein um die Ausstattung dieser Fahrzeuggattungen.<BR><BR>Stolz ist Kortüm auf die Neugestaltung des Standorts Stockdorf mit Verwaltungssitz und der Zentrale für Forschung- und Entwicklung. Bei der Restaurierung eines Teils der alten Firmengebäude habe man "aus ideellen Gründen" bewusst auf den Abriss eines 1907 von Firmengründer Wilhelm Baier übernommenen Gebäudes verzichtet - trotz der Mehrkosten für dessen Sanierung.<BR></P>

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