Webdesign am Küchentisch: Jurastudent trotzdem erfolgreich

- Eichenau - Geschäftsideen werden künftig vor Gewährung des Existenzgründerzuschusses genauer geprüft. Der Webdesigner Andreas Haaf, der vor knapp einem Jahr eine Ich-AG gegründet hat, sieht dies kritisch. "Natürlich ist es wichtig, Missbrauch vorzubeugen", sagt er. "Auf der anderen Seite glaube ich, dass ich selbst mit meiner Gründungsidee durchs Raster hätte fallen können, weil Webdesign momentan wahrscheinlich nicht als zukunftsträchtige, gewinnbringende Branche angesehen wird." Und damit hätte man ihm unrecht getan.

<P>Denn seit der Gründung seiner Firma im Dezember vergangenen Jahres hat er schon für mehr als ein Dutzend Kunden eine kreative Internetseite entworfen und umgesetzt oder ihnen sein "Rundum-Paket" verkauft, das neben dem virtuellen Auftritt die Gestaltung von passenden Briefbögen, Visitenkarten oder auch schon mal Aufkleber fürs Auto einschließt. "Leben kann ich zwar noch nicht davon, aber es läuft sehr gut an", sagt Haaf. Deshalb ist er auch froh über den Zuschuss, der momentan noch 600 Euro monatlich beträgt. "Man muss deutlich darauf hinweisen, dass das Geld von Kranken- und Rentenversicherung fast komplett wieder aufgefressen wird. Oft denken die Leute, man hat das Geld netto zur Verfügung, das stimmt aber nicht." <BR><BR>Dass Andreas Haaf viel zu tun hat und er schon mal 70 Stunden in der Woche arbeitet, könnte an seinem Konzept liegen: "Ich habe mir vorgenommen, erst einmal kleine Brötchen zu backen und mir für nichts zu schade zu sein." Der 31-jährige kreative ehemalige Jurastudent, der über eine Umschulung bei Siemens zum Informationstechnologen Multimedia zu seiner wahren Leidenschaft gefunden hat, ist deshalb zu Beginn seiner Selbstständigkeit auch Klinken putzen gegangen. "Wenn ich gesehen habe, dass ein neues Geschäft eröffnet hat, habe ich gleich angefragt."<BR><BR>Außerdem hat er etablierten Maklern angeboten, eine Homepage für sie zu entwickeln. "Denn gerade in dieser Branche, wo so viel Geld fließt, halte ich einen seriösen kundenfreundlichen Internetauftritt für sehr wichtig." Werbung macht der Ich-AGler neben seiner Homepage momentan nicht für sich, das soll aber noch kommen. Das Wichtigste ist für den Jungunternehmer, dass seine Kunden zufrieden sind. "Sie sollen sich mit dem für sie entworfenen Internetauftritt identifizieren, ich möchte ihre Wünsche so weit es geht umsetzen." Dazu sind ausführliche Gespräche nötig. Deshalb besucht Haaf bei einem ersten Treffen den Kunden und entwickelt anschließend eine Idee. Die stellt er dann vor, verbunden mit einem Angebot. "Wenn es nicht zum Auftrag kommt, habe ich vergeblich Zeit investiert, aber das ist es mir wert."<BR><BR>Während der rund vierwöchigen Erstellungsphase sucht er weiterhin den Austausch mit dem Kunden. "Wenn man Ideen gleich am Telefon bespricht, kann man wesentlich effizienter arbeiten."<BR><BR>Haaf ist glücklich mit seinem Beruf, ihm gefällt die Kombination aus Kreativität und dem technischen Aspekt seiner Tätigkeit, verbunden mit dem Kundenkontakt. Letzteres gerade, weil er - momentan jedenfalls noch - von zu Hause aus arbeitet. Hätte er sich auch ohne Existenzgründerzuschuss selbstständig gemacht? "Vielleicht hätte ich es versucht, aber ich hätte eigentlich nicht gewusst, wie es am Anfang ohne den Zuschuss hätte funktionieren sollen."</P>

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