Weber finden alle gut

- Frankfurt - Wenn das kein viel versprechender Anfang ist: Der designierte Bundesbankpräsident Axel Weber ist nach seiner überraschenden Nominierung mit Lob geradezu überschüttet worden. Wirtschaft, Finanzwelt und Politiker von links bis rechts sind sich einig: Der parteilose Wirtschaftsweise, der zuletzt als Professor in Köln lehrte, ist der richtige Mann für den Chefposten in Frankfurt.

<P>Diese breite Unterstützung kann der 47-jährige gebürtige Pfälzer angesichts der Aufgabe, die gleich nach seinem Amtsantritt auf ihn wartet, auch gut gebrauchen: Die durch die Hotelaffäre seines Amtsvorgängers Ernst Welteke entstandenen Kratzer im Image der Bundesbank wieder aufpolieren und das Institut aus den Schlagzeilen herausbringen. Die Notenbank, die ihre wichtigsten Kompetenzen mit der Euro-Einführung an die EZB hat abtreten müssen, ist noch dabei, mit ihrem Apparat von rund 15 000 Mitarbeitern ihre neue Rolle zu finden.<BR><BR>Er kennt die Zentralbanken wie seine Westentasche</P><P>Reformieren und gesundschrumpfen, lautet die Devise, die der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, Weber dabei mit auf den Weg gab. Der Experte für Geld- und Währungspolitik solle die Bundesbank zu einem Zentrum für monetäre Forschung entwickeln. Mit Weber werde das Gewicht Deutschlands in der EZB wachsen. Dieser kenne die europäischen Zentralbanken "wie seine Westentasche". Sein Nachteil: Er verfüge über keinerlei Erfahrungen im Umgang mit größeren Behördenapparaten, so Zimmermann.<BR><BR>Weber selbst betonte nach seiner Berufung dass die Bundesbank vor großen Veränderungen stehe. Mit Vizepräsident Jürgen Stark, der ebenfalls als neuer Bundesbankchef gehandelt worden war, habe er in einem Telefonat vertrauensvolle Zusammenarbeit vereinbart.<BR><BR>Der Wissenschaftler lässt sich bisher keiner wirtschaftspolitischen Richtung zuordnen. Dem Lager der konservativen Ökonomen sei er aber nicht zuzuordnen, schrieb einmal die "Welt" über ihn. Auf seinem Fachgebiet, der Geldpolitik, gilt er als stabilitätsorientiert. Auf die Frage, ob er der SPD nahe stehe, reagierte er an der Seite von Bundesfinanzminister Hans Eichel mit einem Schmunzeln. "Ich bin nicht Parteimitglied, ich bin unabhängig." Für weitere Kommentare zu diesem Thema sehe er keine Notwendigkeit. 2001 nahm er an einer Expertenanhörung des SPD-Bundesvorstandes zur Frage einer Reform des internationalen Finanzsystems teil.<BR><BR>Trotz all der lobenden Worte, die er nach der Nominierung von offiziellen Stellen zu hören bekam, wird sich Weber über ein Kompliment bestimmt ganz besonders freuen. Zwei seiner Studenten in Köln beschrieben "ihren" Prof mit folgenden Worten: "Er hat super Vorlesungen gemacht. Er ist menschlich recht locker und nicht so verbissen. Da kam der Stoff locker rüber. Es war praxisnah und super interessant."</P><P><BR> </P>

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