Weber soll neuer Bundesbank-Chef werden

- Berlin - Der Kölner "Wirtschaftsweise" Axel Weber soll neuer Bundesbank-Präsident werden. Auf diesen überraschenden Vorschlag haben sich am Dienstagabend Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel (beide SPD) verständigt.

<P>Das bestätigte das Finanzministerium am Abend in Berlin. Die Ernennung des parteilosen, international ausgewiesenen Geld- und Währungswissenschaftlers stieß bei der Union in einer ersten Reaktion auf grundsätzliche Zustimmung.</P><P>Weber soll Nachfolger des wegen mehrerer Affären zurückgetretenen Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke werden. Als Bundesbankpräsident würde er zugleich auch dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) angehören. Weber, der Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Fünf Weise") ist, soll dem Vernehmen nach bereits zugesagt haben, sich für das Amt nominieren zu lassen. Der dpa sagte Weber, er werde an diesem Mittwoch Gespräche im Bundesfinanzministerium führen. Dann werde er vor die Presse treten. Weitere Angaben wollte Weber zunächst nicht machen.</P><P>Das Bundeskabinett will Weber an diesem Mittwoch offiziell als Kandidaten benennen. Der Bundesbankvorstand soll dann den Kölner Hochschullehrer anhören und danach abstimmen. Die Spitze der Notenbanker kann jedoch gegen den Vorschlag der Bundesregierung keinen Einspruch erheben. Weber steht auch vor der schwierigen Aufgabe, die Bundesbank neu zu organisieren.</P><P>Der 47-jährige Finanzexperte, der von 1998 bis 2002 Direktor am Institut für Finanzstudien an der Goethe-Universität in Frankfurt war, gilt als Kandidat von Eichel. "Wir erwarten, dass ihn auch die Bundesbank akzeptiert", sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Jörg Müller. Die Bundesregierung hatte mit der Nominierung Webers bewusst einen Kandidaten außerhalb der Parteienlandschaft gewählt. Damit solle die Unabhängigkeit der Bundesbank unterstrichen werden, hieß es.</P><P>Zuletzt galt vor allem Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark, der nach dem Rücktritt Weltekes die Amtsgeschäfte führt, als aussichtsreichster Kandidat. Stark, der in der Finanzwelt anerkannt ist, gilt als unionsnah. CDU/CSU hatten sich zuletzt mehrfach für eine Nominierung Starks ausgesprochen. Nach Angaben aus Regierungskreisen wurde Stark über die Entscheidung informiert. Zum engeren Kandidatenkreis gehörten zuletzt auch Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser sowie Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke (SPD).</P><P>CDU/CSU-Fraktionsvize Friedrich Merz sagte der dpa, das Votum für Weber sei eine "fachlich in jeder Hinsicht überzeugende Lösung". Ob er allerdings in schwierigen Umstrukturierungsprozess der Bundesbank als Behördenchef bewältigen könne, müsse sich noch erweisen.</P><P>Der Bankexperte Wolfgang Gerke nannte die Nominierung Webers sehr überraschend. Weber sei ein hoch angesehener Experte und genieße allerhöchste Reputation. "Der Vorschlag der Bundesregierung ist aber offensichtlich der Versuch, an Jürgen Stark vorbeizukommen", sagte der Wirtschaftsprofessor der dpa.</P>

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