Wechsel im BMW-Vorstand: Das große Stühlerücken bleibt aus

- München - Wenn Norbert Reithofer diesen Freitag auf dem Chefsessel des BMWKonzerns Platz nimmt, werden die Mitarbeiter davon wenig spüren. Selbst das engste Umfeld, das von einem hektischen Wechsel betroffen wäre, kann die Sache diesmal entspannt angehen, denn das Büro des neuen Chefs muss nicht erst geräumt werden. Der Wechsel an der Konzernspitze fällt nämlich mit dem Rückzug in den überholten Vierzylinder am Petuelring zusammen.

War früher ein Wechsel durch den raschen Auszug des Vorgängers und dem eiligen Einzug des Nachfolgers samt Entourage verbunden, räumt Panke sein Übergangsbüro im Forschungsund Entwicklungszentrum (FIZ) des Konzerns, während Reithofer das neue Domizil in der 22sten, der Vorstandsetage, im Vierzylinder beziehen kann. Spekulationen über einen neuen Stil und ungeduldige Großaktionäre stoßen bei BMW auf Verwunderung. Denn anders als Politiker, die in den ersten 100 Tagen möglichst viel Wind machen müssen, ist bei BMW für Reithofer in dieser Zeit äußerste Zurückhaltung angesagt.

Keine Einzelinterviews in den ersten 100 Tagen, hieß es gleich nach der Berufung des bisherigen Produktionsvorstands an die Konzernspitze. Eine möglichst geräuschlose und effiziente Arbeit erwarten die Großaktionäre aus der Familie Quandt von ihren Spitzenmanagern -und traditionell auch eine gewisse persönliche Bescheidenheit. So nahmen auch die bisherigen Vorstandschefs im fast unveränderten Mobiliar der Vorgänger Platz. Dass Reithofer neue Möbel bekommt, hängt allein mit der Renovierung zusammen. Die alten Möbel sind mit Panke ins FIZ umgezogen und bleiben vorerst dort.

Auch das Stühlerücken ganzer Berater- und Zuarbeiterstäbe, wie bei Wechseln in Ministerien üblich, wird es an der Spitze des weltweit tätigen Konzerns nicht geben. Wie Panke bringt auch Reithofer nur seine bisherige Sekretärin mit. Ein Strategiewechsel ist auch nicht in Sicht. Allerdings könnten BMW in den nächsten Jahren wichtige Führungskräfte abhanden kommen. Denn nach dem Wechsel an der Spitze, wird die Verjüngungskur auch in anderen Vorstandsressorts fortgesetzt. So erreicht auch Burkhard Göschel heuer noch die Altersgrenze von 60 und geht im November. Damit wird es für Spitzenleute, die noch etwas werden wollen, künftig eng. Es ist nicht absehbar, dass an der Konzernspitze in nächster Zeit Posten frei werden.

Das dürfte Headhunter und deren potenzielle Auftraggeber auf den Plan rufen. Porsche hat bereits zugeschlagen und Klaus Berning (48) als neuen Vertriebsvorstand abgeworben. Berning war bei BMW Bereichsleiter Vertrieb für die Region Asien, Pazifik, Afrika und Osteuropa. Die Chance ganz nach oben zu rücken war bei BMW durch das Alter des Vertriebsvorstands begrenzt: Michael Ganal, der den Posten innehat, wird im Oktober 51 Jahre alt. Solchen Begehrlichkeiten kann BMW kaum begegnen.

So ist man in München lediglich sehr vorsichtig mit Organigrammen, um Abwerbern das Leben nicht leichter zu machen. Und man ist auch ein wenig stolz, dass so viele Führungskräfte aus dem eigenen Haus bei den Konkurrenten ganz an der Spitze stehen. Unter anderem sind das die Chefs von Volkswagen (Bernd Pischetsrieder), Linde (Wolfgang Reitzle) und GM-Europa (Carl-Peter Forster) und Infineon (Wolfgang Ziebart).

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