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Froh um jede Stabilisierung: Die BayernLB kann sich einen Verkauf der LBS wohl vorerst nicht leisten.

Sparkassen liebäugeln mit Übernahme

Die LBS weckt Begehrlichkeiten

München - In der Wirtschaftskrise steigt die Wertschätzung für jene konservativen Geschäfte, die früher mancher Banker belächelt hat. Ein Beispiel dafür ist die Landesbausparkasse (LBS). Sie dient der Bayerischen Landesbank als Stütze, weckt aber zunehmend Begehrlichkeiten bei den Sparkassen.

Während die Börsenkurse einbrachen und viele Banken taumelten, verzeichnete die LBS Bayern 2008 eines der besten Jahre ihrer Geschichte. Viele Anleger suchten in Krisenzeiten die Sicherheit eines Bausparvertrags. So erzielte die LBS über 270 000 Neuabschlüsse mit einer Bausparsumme von insgesamt rund 7,3 Milliarden Euro.
Darüber können sich die Sparkassen im Freistaat freuen. Denn sie verkaufen gegen Provision 80 Prozent der Verträge. Von ihnen stammt eine Million der insgesamt 1,5 Millionen LBS-Kunden in Bayern. Über das Geschäft der Bausparkasse freut sich außerdem die Bayerische Landesbank (BayernLB). Denn ihr gehört die LBS, die 2007 ein Betriebsergebnis von 73,3 Millionen Euro vorweisen konnte und auch im Krisenjahr 2008 zu den stabilen Ertragsbringern im Konzern gehört haben dürfte. Doch auf Dauer möchte sich nicht jeder mit der geteilten Freude begnügen. Im Sparkassenlager würde mancher gerne der BayernLB die LBS abjagen.

Auf einer Verbandsversammlung der Sparkassen plädierten jüngst mehrere Institute für eine Übernahme der "Bausparkasse der Sparkassen" (so die Eigenwerbung). Harald Strötgen, Chef der Stadtsparkasse München, warb bei der Vorlage der Bilanz seines Hauses am vergangenen Donnerstag für einen solchen Schritt. So könnte der Freistaat, der sich im Rahmen eines Rettungskonzeptes mit zehn Milliarden Euro an der BayernLB beteiligen will, einen Teil des eingesetzten Geldes zurückerhalten, sagte der Chef von Bayerns größter Sparkasse. Doch zumindest vorerst kann sich die BayernLB einen Verkauf der LBS wohl nicht leisten.

Angesichts ihrer Schieflage ist die Landesbank um jede Stabilisierung froh. Und als solche wirkt die LBS. Zudem sieht die Bank, die künftig zu etwa 95 Prozent dem Freistaat gehören soll, im Privatkundengeschäft eine Säule ihres neuen Geschäftsmodells. Die LBS sei - neben der Direktbank DKB und der Förderbank Labo - ein Teil davon, heißt es bei der BayernLB. Doch das muss nicht so bleiben.

Der Freistaat hat als Ziel ausgegeben, die Landesbank zu privatisieren. Weil er noch einige Jahre für frühere Geschäfte der BayernLB haften muss, gilt das erst ab 2015 als realistisch. "Von allen Privatisierungsüberlegungen sind die Labo und die LBS ausgenommen", hatte Ministerpräsident Horst Seehofer bei einer Regierungserklärung im vergangenen Dezember betont. Doch die Sparkassen machen sich Hoffnungen, dass sie die LBS erhalten könnten, spätestens wenn eine Privatisierung der BayernLB ansteht. Ein entsprechendes Vorkaufsrecht soll nach Informationen dieser Zeitung noch heuer zwischen den Instituten und dem Freistaat vereinbart werden.

Von den zehn Landesbausparkassen in Deutschland gehören bereits sieben den Sparkassen. Lediglich in Hessen-Thüringen, Bayern und dem Saarland haben die Landesbanken die Kontrolle. Die bayerischen Sparkassen könnten dem Wunsch nach einer Übernahme ihrer LBS mit der Drohung Nachdruck verleihen, den Vertrieb der Bausparer sonst schleifen zu lassen. Doch Alternativen hätten sie ihren Kunden kaum zu bieten. Andere große Bausparkassen sind mit den Genossenschaftsbanken (Schwäbisch-Hall) oder privaten Instituten wie der Postbank (BHW) und damit direkten Sparkassen-Konkurrenten verbunden. In Sparkassenkreisen wird eine Boykott-Drohung als "kompletter Unsinn" bezeichnet. "Damit würden wir uns ins eigene Bein schießen", hieß es.

Dominik Müller und Florian Ernst

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