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Gebühren

Wege aus der Dispozins-Falle

München - Die Große Koalition wählt nur die kleine Lösung: Statt die Dispozinsen nach oben zu begrenzen, sollen die Banken nur besser aufklären. Es bleibt für Verbraucher also teuer – wenn sie nicht handeln.

Es hat nichts genützt: Seit Jahren kämpfen Verbraucherschützer gegen Dispozinsen am Rande des Wuchers – und für eine Beschränkung zu hoher Raten. Doch auch im neuen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD steht nur lapidar: Banken sollen „verpflichtet werden, beim Übertritt in den Dispositionskredit einen Warnhinweis zu geben“. Und nur, falls der Kunde ständig erheblich sein Konto überzieht, sollen sie ihn beraten, wann und wie es auch billiger gehe. Unverbindlich, aber beileibe nicht kostenlos.

Dispozins im Schnitt bei 10,95 Prozent

Wer einen Dispositionskredit in Anspruch nimmt, der soll nicht „übermäßig“ belastet werden, steht nun im Koalitionsvertrag. Ein frommer Wunsch – denn bei den meisten Banken ist das Gegenteil der Fall, wie Deutschlands umfangreichster Konditionenvergleich belegt: Der durchschnittliche Zinssatz für Dispokredite liegt demnach bei horrenden 10,95 Prozent. Damit ist er in den zurückliegenden zwölf Monaten um weniger als einen halben Prozentpunkt gesunken – und zuletzt sogar gestiegen. Das zeigt der Biallo-Index Dispozinsen, eine Auswertung von mehr als 300 Angeboten in der Langzeitbetrachtung. Wer sein Konto darüber hinaus überzieht, muss hierfür Zinsen von durchschnittlich 15,48 Prozent Überziehungszinsen an die Bank oder Sparkasse zahlen.

Studie: 10 Prozent Zins ausreichend

Eine Studie des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ist auf dieser Datenbasis dagegen zu dem Ergebnis gekommen: Auch mit Zinssätzen von zehn Prozent könnten Banken durchaus „profitabel arbeiten“. Denn die Refinanzierungskosten der Banken sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Zudem ist weder der Bearbeitungs- und Verwaltungsaufwand gestiegen. Auch die Ausfallquote – also die Nichtbegleichung der Schuld durch den Kunden – rechtfertigt die hohen Preise nicht. Die Quote der Kreditausfälle in diesem Bereich liege bei 0,3 Prozent – im Vergleich zu 2,5 Prozent bei Ratenkrediten.

Verbraucher sollten sich also nicht darauf verlassen, dass der Staat auf absehbare Zeit die Dispozinsen drückt, wie das die SPD ursprünglich wollte – sondern selbst handeln. Wer vergleicht, kann Konten finden, bei denen der Dispo wesentlich niedriger ist, oder gleich eine günstige alternative Finanzierung wählen. Vier Möglichkeiten im Überblick:

1. Passendes Girokonto wählen

Wer dazu neigt, immer wieder zu überziehen, sollte mit Bedacht sein Girokonto wählen: Der Girokonto-Vergleich zeigt: Während bei teuren Konten der Dispozins bis zu 14 Prozent betragen kann, verlangen günstige Anbieter acht Prozent und weniger. So fallen bei der Deutschen Skatbank 5,00 Prozent an, bei der DAB Bank 7,50 und bei der DKB 7,90 Prozent. Sind beim alten Konto noch dazu häufig Gebühren fürs Geldabheben fällig, kann sich der Umzug zu einem anderen Anbieter bezahlt machen.

2. Dispokredit in Ratenkredit umschulden

Eigentlich überziehen Sie Ihr Konto nicht, aber die teure Autoreparatur hat ordentlich ins Kontor geschlagen und nun wird das Minus nur langsam weniger? Dann kann ein Ratenkredit die bessere Alternative zum Dispo sein. Der Biallo-Index für Ratenkredite weist im Moment für zwölf Monate Laufzeit einen Durchschnittszins von 5,95 Prozent aus – erheblich weniger als bei den allermeisten Dispokrediten. Der Index stellt die Berechnung aller an das Verbraucherportal Biallo gemeldeten Angebote dar. Beispielsweise die Santander bietet einen Kredit über 2500 Euro bei einem Jahr Laufzeit für 2,99 Prozent effektiv an. Beim Onlinekredit von Targobank und Bank 11 sind 4,99 beziehungsweise 4,44 Prozent fällig.

3. Abrufkredit statt Dispokredit

Rutscht das Girokonto immer mal wieder in die roten Zahlen, lässt sich durch einen Abrufkredit viel Geld sparen. Dahinter steckt ein zusätzliches Kreditkonto, das dauerhaft eine gewisse Kreditlinie bereitstellt. Der Abrufkredit – manchmal wird er auch Rahmenkredit genannt – kann auch bei einer anderen Bank abgeschlossen werden als bei der, bei der man sein Girokonto hat. Die Kreditlinie kann man beliebig oft in Anspruch nehmen und die Tilgung ist bei vielen Banken frei wählbar. Einige Banken verlangen aber auch eine monatliche Mindesttilgung. Zinsen werden nur für das tatsächlich abgehobene Geld fällig. Einen Kreditrahmen von 5000 Euro gibt es bereits ab 4,85 Prozent (Bank 11). Aber aufgepasst: Man sollte den Abrufkredit nicht zusätzlich zum Dispo in Anspruch nehmen. Rasch werden die Schulden sonst unüberschaubar.

4. Hilfe der Schuldnerberatung annehmen

Millionen Deutsche sind bereits hoffnungslos überschuldet. Man sollte ehrlich zu sich selbst sein: Klettert der Kontostand immer weiter in die Miesen? Besteht tatsächlich Aussicht auf schwarze Zahlen? Sollte dies nicht der Fall sein, leisten die rund 950 kostenlosen Schuldenberatungsstellen der Verbraucher- und Wohlfahrtverbände in Deutschland Hilfe. Informationen dazu gibt es unter www.meine-schulden.de

Von Sabina Hoerder, Marcus Preu und Peter WeiSSenberg

Rubriklistenbild: © dpa

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