Wegen Dauer-Problemen: Aufstand von Großkunden gegen Siemens

- München - Zuerst waren es Mitarbeiter und Gewerkschaften, jetzt rumort es auch bei Großkunden: Der Anwenderverein Justsave, dem nach eigenen Angaben 400 Firmenkunden von Siemens angehören, fordert in einer Mitteilung "eine schnelle Klarstellung der Unternehmensstrategie". Die Kunden sind verärgert, dass es seit Monaten keine Lösung für das teilweise kriselnde Informations- und Kommunikationsgeschäft des Elektrokonzerns gibt. Dabei geht es insbesondere um die Handy-Sparte und den Dienstleister SBS.

<P class=MsoNormal>"Die Handys müssen saniert werden", hatte der damalige Konzernchef Heinrich von Pierer schon im vergangenen November angekündigt. Seither warten Mitarbeiter und Kunden auf eine Lösung. Zuletzt erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld im April, die Sparte aus dem Konzern ausgliedern und mit einem oder mehreren Partnern weiterbetreiben zu wollen. Diese Partner sollten "in Kürze" präsentiert werden. Doch passiert ist nichts.</P><P class=MsoNormal>Die Unsicherheit bei den Handys verschreckt die Privatkunden. Der Absatz von Siemens-Mobiltelefonen ist im vergangenen Quartal verglichen mit dem Vorjahr um ein Viertel eingebrochen. Und sie belastet die Firmenkunden, wie die Kritik von Justsave belegt. Der Verein beklagt eine "destruktive Debatte um die ungewisse Zukunft wichtiger IT- und Telekommunikationsbereiche". Er fordert "Klarheit auch zum Schutz der bereits getätigten Investitionen in Siemens-Equipment", heißt es in einer Mitteilung. "Die ständig neu erzeugte Unsicherheit, ob wesentliche Teile der I & C-Bereiche noch weitergeführt werden oder nicht, führt letztlich zur Erosion der Kundenbasis."</P><P class=MsoNormal>"Jetzt sind mutige Innovationen gefragt."<BR>Horst Rolfs, Justsave</P><P class=MsoNormal>Neben dem Handy-Geschäft betrifft das den Dienstleister SBS, der ebenfalls zur Sparte Information und Kommunikation (I & C) zählt und für den seit mehreren Monaten "strategische Optionen" geprüft werden, wie Kleinfeld im April sagte. Justsave-Vorstandssprecher Horst Rolfs sprach gegenüber dieser Zeitung von einem "permanenten Hin und Her" bei Siemens. "Dass ein Konzern über diese Punkte nachdenkt, kritisiere ich nicht. Aber man kann einen so wichtigen Kundenstamm nicht so lange hinhalten", sagte er. Seinen Angaben zufolge hatte bereits im Februar ein Strategiegespräch mit Thomas Ganswindt, der im Siemensvorstand die Sparte I & C verantwortet, sowie den Bereichsvorständen und Justsave-Vertretern stattgefunden. Dabei wäre von der Siemens-Seite versprochen worden, "möglichst zeitnah" Lösungen zu finden. "Inzwischen haben wir Mai und immer noch keine klare Aussage von den Siemens-Verantwortlichen", kritisiert Rolfs. "Jetzt sind mutige Innovationen und zukunftsorientierte Investitionsentscheidungen gefragt und nicht eine Politik der schleichenden Selbstauflösung."</P><P class=MsoNormal>"Eine Lösung ist überfällig."<BR>Wigand Cramer, IG Metall</P><P class=MsoNormal>Damit stoßen die Großkunden ins selbe Horn wie die IG Metall. Die Gewerkschaft kritisiert ebenfalls die lange Hängepartie, die neben den Kunden auch die Mitarbeiter verunsichere. "Eine Lösung ist überfällig", sagte Wigand Cramer von der Siemens-Gruppe der IG Metall dieser Zeitung. Er kritisiert zudem, dass "Probleme in gewisser Weise auch herbeigeredet wurden vom Vorstand". So hätten öffentlich artikulierte Zweifel am Endverbraucher-Geschäft mit Mobiltelefonen der Sparte geschadet. Die Gewerkschaft fordere "einen klaren Technologieplan - einschließlich der Endgeräte". Ein Siemens-Sprecher verwies auf Aussagen Kleinfelds, dass die Lösung der Probleme "höchste Priorität" hätten. Es handle sich um ein "umfangreiches Unterfangen".</P>

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