+
Der Dieselskandal kommt Volkswagen teuer zu stehen.

Wegen Dieselrückruf in USA

Volkswagen gibt Gewinnwarnung für das dritte Quartal aus

Zwei Jahre „Dieselgate“ - und die Kosten steigen weiter: Die finanziellen Folgen der Affäre um Millionen manipulierte Motoren belasten VW noch stärker als gedacht. Die Börse reagiert prompt.

Wolfsburg - Die Diesel-Affäre kostet Volkswagen weitere Milliarden. Weil der Rückruf der von Abgas-Manipulationen betroffenen 2,0-Liter-Motoren nicht so läuft wie geplant, muss der Dax-Konzern noch mehr Geld zur Seite legen. Das Ergebnis im laufenden Geschäft werde im dritten Quartal mit rund 2,5 Milliarden Euro belastet, teilte das Unternehmen am Freitag in Wolfsburg mit. Damit steigt die Rechnung für die Bewältigung des Abgas-Skandals auf nunmehr 25,1 Milliarden Euro.

Vor knapp einem Jahr hatten sich Vertreter von VW mit Klägern, Händlern und Bundesstaaten in den USA auf einen Vergleich für Dieselwagen aus dem Konzern mit den 2,0-Liter-Antrieben verständigt. Ende Oktober stimmte ein Zivilrichter dem Kompromiss über entsprechende Entschädigungen zu.

Anfang 2017 konnten die Wolfsburger dann eine strafrechtliche Auseinandersetzung mit der Zahlung eines Milliardenbetrages ausräumen. Im vergangenen Mai gab es schließlich eine ähnliche Einigung für größere 3,0-Liter-Dieselmotoren, betroffen waren auch hier weitere Konzernmarken wie Porsche und Audi.

„Erheblich langwieriger und technisch anspruchsvoller“

Als Grund für die aktuelle Gewinnwarnung nannte Volkswagen, dass die Abwicklung der vereinbarten Nachrüstungen sowie der Rückkäufe von 2,0-Liter-Dieseln „erheblich langwieriger und technisch anspruchsvoller“ seien. Nähere Informationen hierzu teilte der Konzern zunächst nicht mit.

Die Aktionäre erwischte die Entwicklung auf dem falschen Fuß: Die Vorzugsaktien von VW rauschten am Morgen mit minus 2,9 Prozent ans Dax-Ende. Analysten hatten für das gerade zu Ende gehende dritte Quartal bei den Wolfsburgern ein operatives Ergebnis von rund 4,4 Milliarden Euro geschätzt. Seit längerem hatte der Konzern keine neuen Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten in Nordamerika mehr bilden müssen.

Ganz beendet sind die juristischen Streitigkeiten in den Vereinigten Staaten aber noch nicht. Einige US-Bundesstaaten klagen auf zusätzliche Strafen gegen den Konzern. Auch Einzelpersonen stehen nach wie vor im Visier der US-Behörden - in Deutschland wird ebenfalls weiter strafrechtlich ermittelt.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, mit einer speziellen Software in großem Stil bei Abgastests getäuscht zu haben. Weltweit waren etwa 11 Millionen Fahrzeuge betroffen, in Nordamerika rund 600 000. Dies stürzte den Konzern in eine tiefe Krise und führte zu Milliardenkosten.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Razzia bei Opel - Regierung will Rückruf von 100.000 Autos
Bloß nicht auffallen, lautete lange die Devise des Autobauers Opel im Diesel-Skandal. In der Sanierung haben die Rüsselsheimer eigentlich genug mit sich selbst zu tun. …
Razzia bei Opel - Regierung will Rückruf von 100.000 Autos
Dax erholt sich - Viele Hürden bleiben im Weg
Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Kurseinbruch in der Vorwoche hat sich der Dax am Montag vorwärts bewegt. Der Leitindex fiel mit 11.459 Punkten zunächst auf den tiefsten …
Dax erholt sich - Viele Hürden bleiben im Weg
Paketshop für mehrere Kurierdienste in Hamburg eröffnet
Die Fahrzeuge von Kurierdiensten verstopfen innerstädtische Straßen, belasten die Luftqualität und tragen zum Klimawandel bei. Mit dem Online-Boom im Handel sind die …
Paketshop für mehrere Kurierdienste in Hamburg eröffnet
RWE-Mitarbeiter protestieren gegen drohenden Jobverlust
Am Montag wurde der Tagebau im Rheinischen Braunkohlerevier einmal nicht durch Umwelt-Aktivisten behindert, sondern durch Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE. Sie …
RWE-Mitarbeiter protestieren gegen drohenden Jobverlust

Kommentare