Wegen Hartz IV: Kündigungswelle bei Lebensversicherungen

- München - Aus Angst vor Leistungs-Kürzungen durch das Hartz-IV-Gesetz kündigen tausende Arbeitslose ihre Lebensversicherungen. Sie wollen damit einer Anrechnung der Altersvorsorge-Beträge auf ihre Arbeitslosengeld-Bezüge zuvorkommen. "Bei uns stapeln sich die Kündigungen und Anfragen für Kündigungen wegen Hartz IV", zitierte die "Financial Times Deutschland" einen Sprecher der Volksfürsorge. Experten warnen aber vor übereilten Kündigungen.

<P>Wer das neue Arbeitslosengeld II ab 1. Januar 2005 in voller Höhe erhalten will, darf nur über ein begrenztes Vermögen verfügen. Pro Lebensjahr dürfen 200 Euro als Rücklagen fürs Alter und weitere 200 Euro als Vermögen behalten werden. Außerdem werden Riester-Verträge nicht angerechnet. Um Einbußen beim Arbeitslosengeld zu vermeiden kündigen derzeit viele Lebensversicherte ihre Verträge. Bei der Aachener und Münchener Lebensversicherung stieg die Stornoquote im ersten Halbjahr von 7,0 auf 7,8 Prozent. Für die Axa-Versicherung berichtete Ulrich Brock, der zugleich Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute ist: "Drei Viertel aller Beratungsgespräche im Bereich der Vorsorge drehen sich nur noch um Hartz IV - und enden erfolglos." Brock schätzt, dass 50 000 bis 70 000 Verträge in diesem Jahr gekündigt werden. Bei der Allianz Leben erklärte eine Sprecherin: "Wir stellen fest, dass Kunden sehr verunsichert sind. Es gibt jede Menge Anfragen."<BR><BR>Der Volksfürsorge-Vertreter berichtete, dass die Kündigungen vor allem von Kunden kämen, "die direkt nichts mit Hartz IV zu tun haben, aber die Möglichkeit fürchten, darunter zu fallen". An Vorschlägen für die Neuanlage der frei gewordenen Gelder seien die wenigsten interessiert. "Die legen das Geld zu Hause unter die Matratze."<BR><BR>Die Verunsicherung bei den Kunden wegen der mit dem Hartz-IV-Gesetz verbundenen Pflicht zur Offenlegung des Vermögens bei Langzeitarbeitslosen ist groß, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bestätigte. Verlässliche Zahlen über eine Kündigungswelle bei den Lebensversicherungen aus diesem Grund lägen aber noch nicht vor, sagte Verbandssprecher Stephan Gellhausen. Erste Schätzungen der Stornoquoten gebe es lediglich aus dem ersten Halbjahr, und diese zeigten keinen signifikanten Anstieg.<BR><BR>Experten warnen davor, Lebensversicherungen übereilt zu kündigen. "Betroffene sollten ab 1. Januar den Paragraphen zur Anrechnungsfreiheit nutzen und ihrer Versicherung mitteilen, dass 200 Euro pro Lebensjahr vor einem Abzug zu schützen sind", empfiehlt Wolfgang Scholl vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Wer es dabei nicht belassen wolle, sollte sich aber eingehend beraten lassen. "Wenn man vorzeitig kündigt, hat man meist hohe Verluste." Auch eine Umstellung auf die Riester-Rente sei nicht einfach. Zum einen würden Riester-Rente und Lebensversicherung unterschiedlich besteuert. Zum anderen sei die Riester-Rente auch nur mit den Beträgen von der Anrechnung befreit, die gefördert werden. Und das sind derzeit 1050 Euro pro Jahr sowie ab 2006 und 2008 jeweils 525 Euro zusätzlich. Auch eine Beitragsfreistellung oder ein Verkauf des Vertrags sei nicht in jedem Fall zu empfehlen.<BR></P><P> </P><P> </P>

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