Wegen hoher Spritpreise: Benzindiebe auf Beutezug

- München - Der Spritklau geht um. Die hohen Kraftstoffpreise in Deutschland verleiten immer mehr Menschen zum Diebstahl an der Zapfsäule - und nicht nur da. Die Polizei hat in Oberbayern "auffallende Werte" bei der Zahl der Fälle festgestellt.

<P>Auf frischer Tat ertappte die Polizei vor kurzem einen Dieseldieb auf einer Autobahnbaustelle der A 71 nahe Schweinfurt. Der 32-Jährige habe versucht, von dort geparkten Lastwagen Treibstoff abzuzapfen, erklärte ein Sprecher der Polizeidirektion Schweinfurt. Der Mann hatte zwölf leere 30-Liter-Kanister und eine Elektropumpe samt Absaugschlauch bei sich, der Tankdeckel eines der Lkw war noch geöffnet.</P><P>In Oberbayern stellte die Polizei seit Anfang September rund 130 Fälle von Benzin-Diebstahl fest, wie Sprecher Hans-Dieter Kammerer in München erklärte. Darunter seien 98 Fälle von Tankbetrug. Aus 21 Lastwagen und Autos hätten Diebe Dieselkraftstoff abgezapft, meist in Verbindung mit einem Aufbruch des Fahrzeugs. "Das sind auf jeden Fall auffallende Werte", sagte Kammerer. Oftmals sind auch Privatleute vom Sprit-Diebstahl betroffen. Ein Sprecher des Auto Club Europa empfahl auf jeden Fall einen abschließbaren Tankdeckel, um es den Langfingern nicht allzu leicht zu machen.</P><P>Eine andere Variante, billig an Kraftstoff zu kommen, sind die Betrügereien an der Zapfsäule: einfach tanken und dann wegfahren, ohne zu bezahlen. Manche Tankstellenbesitzer sind bereits dazu übergegangen, schlecht einsehbare Zapfsäulen wegen der Diebstähle kurzerhand stillzulegen. Die meisten Tankstellen werden heute freilich per Video überwacht. </P><P>Der Mineralölkonzern Esso stellte in den letzten Jahren deswegen einen leichten Rückgang beim Sprit-Klau fest. Benzin-Diebstähle würden kompromisslos verfolgt, betonte Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann. Die Konzerne kommen die Diebstähle teuer zu stehen: Nicht nur die Ware verschwindet, der enorm hohe Steueranteil wird trotzdem fällig. "Wir müssen dann nochmal das Dreifache an Geld oben drauflegen", betonte Schult-Bornemann.</P><P>Bis zu 40 000 Euro müssen Tankstellenbesitzer nach Verbandsangaben für eine Videoüberwachungsanlage investieren. Jürgen Ziegner vom Verband des Tankstellengewerbes sagte, durch die Kameraüberwachung sei die Aufklärungsquote gestiegen. Von den Benzin-Dieben wird oft das Auto-Kennzeichen manipuliert, um nicht aufzufallen. Bei der Aral/BP AG sind Benzindiebstähle "nach wie vor ein Thema, wogegen wir natürlich auch Maßnahmen ergreifen", sagte ein Sprecher. </P><P>Der Zoll ist auch in Sachen Sprit aktiv: Er kontrolliert vor allem, ob das billigere leichte Heizöl anstatt des teureren Dieselkraftstoffs im Tank der Autofahrer landet. Hans-Jürgen Günther, Leiter der Mobilen Kontrollgruppe in Tübingen, berichtete, dass die Behörden seit Jahren Kontrollen durchführen. "Es werden Firmen mit eigenem Tanklager geprüft und auch landwirtschaftliche Betriebe." </P><P>Das Heizöl sei rot eingefärbt, um es vom Diesel unterscheiden zu können. Oftmals werde aber das Heizöl mit dem Sprit gemischt, deshalb würden alle Proben in ein Labor eingeschickt. "Wenn das richtig gestreckt ist, kann man das optisch nicht erkennen", sagte Günther. Wenn der Zoll einen Panscher erwischt, kann das ganz schön teuer werden - es folgt meistens ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.</P>

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