Von wegen Krise: BMW stellt ein

- München - In der deutschen Automobilindustrie tobt der Kampf um Arbeitskosten und die Arbeitszeiten. Bei Mercedes stehen wegen der angedrohten Verlagerung von Arbeitsplätzen zeitweise die Bänder still, und Opel will die Lohnstückkosten in den deutschen Werken im zweistelligen Prozentbereich drücken. Beim Münchner Konkurrenten BMW hält man sich dagegen aus der öffentlichen Debatte heraus. Stattdessen schaffte BMW allein im 1. Halbjahr 1000 Arbeitsplätze - in Deutschland wohlgemerkt.

<P>Bei dem Münchner Autobauer gibt es derzeit etwa 300 verschiedene Arbeitszeitmodelle, die mit dem Betriebsrat ausgehandelt wurden. Auch mit Hilfe dieser Flexibilität stellt BMW in Deutschland weiter ein, statt über Verlagerung nachzudenken. <BR><BR>So hat auch die IG Metall derzeit nichts zu meckern. "Es gibt vom Unternehmen noch nicht einmal eine Nachfrage wegen längerer Arbeitszeiten", sagt Bayerns IG-Metall-Chef und BMW-Aufsichtsrat Werner Neugebauer. Seit 20 Jahren gebe es flexible Regelungen, die im offenen Dialog gefunden worden seien. Daher gebe es auch keinerlei Anlass für längere Arbeit bei gleichem Lohn. <BR><BR>Entscheidend aus BMW-Sicht sind nicht allein die reinen Arbeitskosten. Wichtig sei die Entkopplung der Maschinenlaufzeiten von den individuellen Arbeitszeiten, sagt BMW-Personalvorstand Ernst Baumann. Ziel sind möglichst lange Laufzeiten bei möglichst wenigen Mehrarbeitszuschlägen. Einen Durchbruch für flexible Arbeitszeitregelungen erzielte BMW schon Mitte der 80er-Jahre mit der Eröffnung des Regensburger Werks. Waren damals in der Branche Laufzeiten von wöchentlich 80 Stunden üblich, waren es in Regensburg bei BMW von Beginn an 99 Stunden. Im neuen Leipziger Werk werden es sogar bis zu 140 Stunden sein.</P><P>Mit Hilfe von Arbeitszeitkonten und ähnlichen Modellen kann BMW schnell auf Nachfrageveränderungen reagieren. Grundsätzlich sieht auch BMW das Problem zu hoher Arbeitskosten in Deutschland. "Alle Maßnahmen, den Produktionsstandort im internationalen Wettbewerb zu stärken, werden von uns unterstützt", sagt BMW-Chef Panke mit Blick auf die Diskussionen bei den Konkurrenten. "Wir brauchen weiterhin Produktion in Deutschland." Allerdings warnte er auch davor, von einer Krise der Autoindustrie zu sprechen. Davon könne nämlich keine Rede sein. Man müsse jedes Unternehmen einzeln betrachten. BMW erwartet schließlich in diesem Jahr neue Rekorde bei Absatz, Umsatz und Ergebnis. Im ersten Halbjahr hatte BMW den Absatz bereits um 8,5 Prozent auf 590 983 verkaufte Fahrzeuge gesteigert.<BR><BR>Um die florierende Nachfrage zu befriedigen, baut BMW derzeit das neue Werk in Leipzig. Etwa 100 000 Bewerbungen gingen bei PersonalVorstand Baumann ein, 1700 Beschäftigte sind mittlerweile eingestellt. "Wir haben gezielt Mitarbeiter über 50 Jahre eingestellt und 25 Prozent der Eingestellten aus der Arbeitslosigkeit geholt", sagt Baumann.</P>

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