Weihnachten im Einzelhandel: Geldbeutel sitzen wieder lockerer

- München - Der Einzelhandel sieht die Einkaufslust der Deutschen wieder aufblühen. Die gebeutelte Branche rechnet im diesjährigen Weihnachtsgeschäft wieder mit deutlich steigenden Umsätzen. Trotzdem bleibt die Lage gespannt: Die Zahl der Pleiten steigt, der Stellenabbau geht weiter. "Wir erwarten im Weihnachtsgeschäft klingelnde Kassen", sagt Erich Vorwohlt.

<P>Der Präsident des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE) schätzt, dass bundesweit Warenhäuser und Fachgeschäfte ihren Umsatz im November und Dezember gegenüber dem Vorjahr um eine Milliarde Euro steigern werden. Das entspräche einem Zuwachs von 1,5 Prozent, wobei Vorwohlt in Bayern sogar zwei Prozent für möglich hält. </P><P>Mehrere Argumente stützen seinen Optimismus: Zum einen gibt es in den letzten beiden Monaten dieses Jahres zwei Verkaufstage mehr als im Vorjahr, weil die Feiertage auf ein Wochenende fallen. Zum anderen herrscht Ruhe an der Rabattfront, was sich positiv auf Erträge und Erlöse auswirkt. "Das Karstadt-Syndrom kann lehrreich sein", meint Vorwohlt. Der Essener Handelsriese, der 2003 noch ruinöse Preisschlachten mit den Wettbewerbern schlug, rutschte nicht zuletzt deswegen in eine tiefe Krise. </P><P>Den entscheidenden Impuls für das Weihnachtsgeschäft sieht die Einzelhandelsbranche jedoch in einem Sinneswandel bei den Verbrauchern. "Wir glauben, dass die Deutschen nach Hartz IV, steigenden Ölpreisen und Praxisgebühr genug vom Jammern haben", sagt Erich Vorwohlt. Auch Gerald Funk, Chef des Haushaltswarengeschäfts Kustermann in München, sieht die Kaufzurückhaltung schwinden: "Die Leute haben gespart und fangen jetzt an, das Geld auszugeben." </P><P>In den Läden macht sich die neue Spendabilität bereits bemerkbar. "Wir sind gut gestartet", sagte Barbara Gruber, Sprecherin von Ludwig Beck, und äußerte sich gegenüber unserer Zeitung zuversichtlich über den weiteren Verlauf des Weihnachtsgeschäfts - ebenso wie die Konkurrenz. "Es gibt Anzeichen, dass wir mit einem leichten Plus abschneiden werden", sagte Wolfram Struth, Geschäftsführer von Kaufhof am Münchner Marienplatz. Die Einzelhändler machen 20 Prozent, in Sparten wie Parfümerien und Spielwarengeschäften sogar bis zu 40 Prozent ihres Jahresumsatzes in den Monaten November und Dezember. </P><P>Ein gutes Weihnachtsgeschäft ist für die Branche deshalb von großer Bedeutung, zumal in diesem Jahr die Umsätze von Januar bis Oktober erneut geschrumpft sind. In Bayern gingen sie im Vorjahresvergleich um 0,8 Prozent zurück, bundesweit um 1,1 Prozent. LBE-Präsident Vorwohlt rechnet jedoch damit, dass der Jahreserlös im Freistaat dank des Weihnachtsgeschäfts das Vorjahresniveau erreichen. </P><P>"Dies wäre nach zwei Jahren mit Umsatzverlusten ein Erfolg, vielleicht sogar eine Trendwende", sagt er. Bundesweit sieht es für den Einzelhandel schlechter aus. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband BAG ein Umsatzminus von 0,4 Prozent. BAG-Präsident Walter Deuss schätzt, dass infolgedessen die Zahl der Insolvenzen auf 4500 (2003: 4305) steigen werde. Zudem seien zwischen März 2003 und 2004 56 600 Stellen weggefallen. Ein Ende des Jobabbaus ist nicht in Sicht: Unter anderem bei Karstadt-Quelle stehen weitere Streichungen an.</P>

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