Weihnachten: Was heuer alles teurer wird

Frankfurt/ München - "Alles wird teurer" - diese Einschätzung ist derzeit allgegenwärtig. Die Preissprünge der vergangenen Wochen und Tage sprechen für sich. Die bevorstehende Weihnachtszeit wird daher tiefe Löcher in die Geldbeutel reißen. Aber im kommenden Jahr könnte alles noch viel schlimmer werden.

 Die Angst vor der Inflation ist zurück. In den vergangenen Wochen haben Preissprünge bei Milch, Butter, Brot, Semmeln und Benzin das Thema wieder ins Gespräch gebracht. Selbst Bundesbank-Präsident Axel Weber zeigt sich besorgt über einen Inflationsschub. Tatsächlich war die Teuerungsrate in Deutschland mit 2,4 Prozent im September und Oktober so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr und könnte bis Jahresende weiter klettern.

Während Statistiker von einem Anstieg "im Rahmen" sprechen, sind Verbraucher verunsichert ob der Beträge auf den Kassenzetteln. Schon ist die Rede vom "teuersten Weihnachten aller Zeiten". Und tatsächlich: Viele Produkte, die vor allem in der Weihnachtszeit gekauft werden, sind schon jetzt teurer. Festtagsmenü und Plätzchenbacken schlagen durch gestiegene Lebensmittelpreise ordentlich zu Buche.

Wer sich sein Zuhause weihnachtlich gestalten möchte, muss ebenfalls tiefer in die Taschen greifen. Elektrische Lichterketten beispielsweise haben sich "deutlich verteuert", sagte ein Praktiker-Sprecher und Christbäume könnten einer Umfrage zufolge bis zu 30 Prozent teurer werden. Naschkatzen kommen mit einem Plus von maximal fünf Prozent bei Stollen dabei vergleichsweise glimpflich davon.

Schoko-Nikoläuse und Konsorten werden von der Preiswelle in diesem Jahr weitestgehend verschont - noch. "Schokoladen werden erst im nächsten Jahr teurer", sagt Hans Strohmaier, Geschäftsführer des Internationalen Verbands der Süßwarenwirtschaft in München. Wenn ab 2008 die neuen Verträge gelten, schlagen sich die gestiegenen Rohstoff- und Herstellungskosten im Verkaufspreis nieder.

Das Gleiche gilt für Weihnachtsschmuck. Kugeln, Anhänger und Girlanden aus dem Baumarkt - meist "Made in China" ­, kosten in diesem Jahr in etwa so viel wie 2006. Der Praktiker-Sprecher rechnet aber auch hier mit einer steigenden Tendenz für 2008. Der Grund: Ein geändertes Steuergesetz in China, wonach exportierende Firmen sehr viel mehr Steuern abgeben müssen. Das schlage sich auf den Einkaufspreis durch und damit auf den Endpreis der einst chinesischen Billigware.

Diesen wenig konsumentenfreundlichen Aussichten stellen die meisten Ökonomen entgegen, dass die Inflation 2008 wieder unter die kritische Marke von zwei Prozent sinkt und warnen vor Panik.

"Wie bei der Euro-Teuro-Diskussion ist die Debatte sehr emotional und vor allem in der Psyche der Konsumenten begründet", sagt Timm Behrmann vom Statistischen Bundesamt. Der Sondereffekt der Mehrwertsteuererhöhung vom Jahresanfang 2007 habe die Entwicklung verstärkt. Ohne diese Anhebung läge die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt derzeit 1,4 Prozentpunkte niedriger.

Vieles ist eine Frage der Psyche. "Die Menschen haben Verlustangst und gewichten Verluste oder Preiserhöhungen etwa doppelt so stark wie Gewinne oder Preissenkungen", sagt der Statistik-Experte Hans Wolfgang Brachinger von der Universität Freiburg. 

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