Weihnachtliche Wohnungsbrände: Welche Versicherung hilft?

München - Adventszeit ist Kerzenzeit – mehrere tausend Zusatzeinsätze fährt die Feuerwehr pro Jahr in diesen Wochen, wenn trockenes Nadelgehölz in Flammen steht. Doch nicht nur Wohnungsbrände nehmen in der Weihnachtszeit zu – auch Einbrecher haben Hochsaison. Wir erklären, welche Versicherung geschädigten Verbrauchern hilft.

Drei Policen sind notwendig, um durch die Weihnachtszeit zu kommen: Haftpflicht-, Wohngebäude- und Hausratversicherung. Dieses Trio hält Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) für unverzichtbar. „Haftpflicht, weil ich als Verursacher geradestehe für Schäden anderer – und zwar in unbegrenzter Höhe.“ Wohngebäude, weil sie Schäden am eigenen Haus abdeckt. Die Hausratpolice springt für die auf dem Weihnachtsmarkt geraubte Geldbörse ein oder ersetzt Geschenke, die Einbrecher haben mitgehen lassen.

Alte Verträge mit Fahrlässigkeitsklausel

Adventskränze und Christbäume, die binnen weniger Minuten die Wohnung lichterloh in Flammen setzen, fallen unter die private Haftpflicht. Ihre Leistung hängt vom Vertrag ab. „Bei Altverträgen greift die Klausel der groben Fahrlässigkeit“, erläutert Thorsten Rudnik. Als grob fahrlässig wird zum Beispiel gewertet, wenn brennende Kerzen länger unbeaufsichtigt bleiben. Teure Konsequenz: Der Versicherte bleibt auf dem Schaden sitzen.

Mit einem neueren Vertrag besteht die Chance auf Erstattung. Anstelle grober Fahrlässigkeit zählt das eigene Verschulden. „Je nach Grad des Verschuldens kann der Versicherer aber die Leistung kürzen“, sagt Rudnik. Mal schnell in der Küche den Festtagsbraten wenden, während im Wohnzimmer die Tanne im Lichterglanz erstrahlt, dürfte weniger schwer wiegen als Adventskerzen anzuzünden und sich ins Bett zu legen. Letzteres könnte mindestens 50 Prozent Abzug bringen, schätzt der Experte. Juristisch umstritten sei, ob die Assekuranz die Zahlung ganz auf null setzen kann.

Mietsachschäden bei der Haftpflicht

Mietern empfiehlt Katharine Lawrence von der Verbraucherzentrale Hessen bei der Haftpflicht auf die Extraklausel „Mietsachschäden“ zu achten. Sie deckt Schäden an der Wohnung ab. In der Regel wird der Vermieter diese zunächst mit Hilfe seiner Wohngebäudeversicherung beseitigen. Aber die nimmt den Verursacher in Regress. Die private Haftpflicht hilft Lawrence zufolge auch, wenn in einer für den Weihnachtsurlaub gebuchten Ferienwohnung etwas schiefgeht. Die Versicherungssumme sollte mindestens 300 000 Euro betragen.

Hausbesitzer sind mit der Wohngebäudeversicherung gegen Feuerfolgen gewappnet. Sie ist keine Pflicht. Trotzdem besitzen laut BdV mehr als 95 Prozent der Eigentümer einen solchen Vertrag. Ersetzt wird alle nicht bewegliche Habe. Etwa Waschbecken, Türen, Fenster, Toiletten, das Gebäude an sich. Gegen einen höheren Beitrag kann grob fahrlässiges Verhalten mit eingebaut werden in die Police. Gut investiertes Geld, meint der BdV.

Feuerwehrkosten im Kleingedruckten

Die Feuerwehr rückt meist umsonst an. Selbst bei Fehlalarm muss der Einsatz aber selten bezahlt werden. Zugunsten der Bürger werde fast immer guter Glaube angenommen, sagt die Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbands, Silvia Darmstädter. Details legen die Kommunen in ihren jeweiligen Satzungen fest. Auch bei der Münchner Feuerwehr hieß es auf Nachfrage, dass Einsatzkosten bei einem Brand nicht in Rechnung gestellt werden. Sollte dies – aus welchen Gründen auch immer – doch einmal geschehen, lohnt ein Blick ins Kleingedruckte der Wohngebäudepolice. Dort regeln Versicherer ihre Leistungen bei Feuerwehreinsätzen.

Für entflammte Gardinen und Möbel kommt die Hausratversicherung auf. Sie leistet Wiedergutmachung bei Schäden durch „Feuer, das sich aus eigener Kraft ausbreitet“, sagt Katharina Lawrence. Ein defektes Elektrokabel kann ebenso Auslöser sein wie ein umstürzender Weihnachtsbaum. Unter Umständen kürzt die Assekuranz ihre Leistung wegen grober Fahrlässigkeit.

Schadenminderung ohne Risiko

Versicherungsnehmer sind bei Bränden zur Schadenverhütung und -minderung verpflichtet, ohne sich jedoch selbst in Gefahr zu bringen. Sicherheitshalber sollten Feuerlöscher, ein Eimer Wasser oder Sand griffbereit neben dem Tannenbaum stehen. Für mögliche Löschschäden kommt die Assekuranz auf. Nichts tun nach dem Motto „Ich lasse es brennen, ich bin ja versichert“ sei die schlechteste Variante, so der Bund der Versicherten.

Gestohlenes Geschenk gehört zum Hausrat

Die Weihnachtszeit ist aber auch Hochzeit für Taschendiebe. Zum Schreck kommt dann meist noch ein saftiger finanzieller Schaden. Den ersetzt die Hausratversicherung. „Zumindest wenn die Tasche mit Gewalt weggerissen, geraubt wurde“, erläutert Verbraucherberaterin Lawrence. Denn viele Verträge haben eine sogenannte Außenklausel, die bei einem Taschenraub etwa auf dem Christkindlmarkt zum Einsatz kommt.

Von Einbrechern gestohlene oder zerstörte Präsente fallen ebenfalls unter Hausrat. Sofern Einbruchspuren sichtbar sind und der Bestohlene beweist, dass „die Geschenke da waren“. Da lohnt es, die Rechnungen aufzubewahren. Beim Fehlen von Spuren der Gewalt hat der Verbraucher in der Regel das Nachsehen. Ansonsten wird der Neuwert der weihnachtlichen Gaben vergütet.

Kaputtes Geschenk nicht versichert

Gehen Geschenke jedoch beim allzu stürmischen Auspacken kaputt, sprechen Versicherungen von Eigenschaden und zahlen nicht. Dies gilt für alle Personen, die die Police umfasst. Meist sind es Ehepartner, Partner in eheähnlicher Gemeinschaft und Kinder. Fällt der neue Fotoapparat einem Dritten aus der Hand, greift nach Auskunft des BdV die Haftpflicht.

Monika Hillemacher

Rubriklistenbild: © dpa

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