Weihnachtsgeschäft: Käufer achten auf Qualität

- München ­ Das Weihnachtsgeschäft entscheidet darüber, ob 2006 für den Einzelhandel ein gutes oder schlechtes Jahr wird. Rund 20 Prozent des Jahresgeschäfts wird in dieser Zeit gemacht. Das ist traditionell so. Doch wenn es zu gut läuft, könnte das ein schlechtes Indiz sein. So fürchtet der Handel einen Einbruch zum Jahresanfang wegen der Mehrwertsteuererhöhung. So war auf der Weihnachtspressekonferenz des Handels eines der Signale: Es wird mit der Mehrwertsteuererhöhung nicht so schlimm kommen.

"Wenn überhaupt, wird dies gleitend geschehen", sagt Erich Vorwohlt, Präsident des Landesverbands des bayerischen Einzelhandels (LBE), zur Frage, wann sich die höhere Mehrwertsteuer in den Preisen wiederfindet. Doch haben Lieferanten bereits signalisiert, durch Senkung der Einkaufspreise die Verkaufspreise stabil zu halten. Doch Vorwohlt schränkt ein: "Es wird immer schwarze Schafe geben". Dies seien "dumme Kaufleute", die Quittung für Preiserhöhungen werde kommen.

Unabhängig davon rechnen Bayerns Händler mit einem guten Geschäft und berufen sich dabei auf den Konjunkturzyklus: Nach dem Export springt demnach die Binnenwirtschaft an. "Das haben wir durchbrochen", sagt Vorwohlt, der damit rechnet, dass der private Konsum nun folgt. Dabei muss das Weihnachtsgeschäft kräftig aufholen, damit am Ende des Jahres die Kasse stimmt. Denn in den ersten acht Monaten hat der Einzelhandel real 1,1 Prozent eingebüßt. "Wir sind guter Dinge, dass wir einen versöhnlichen Jahresabschluss feiern können", sagt Vorwohlt. Klaus Peter Kempf, Geschäftsführer bei Kaufhof am Stachus, steckt die Messlatte nicht allzu hoch: "Wir sind zufrieden, wenn wir plus/minus null oder plus ein Prozent haben." Renner im Weihnachtsgeschäft werden laut Kempf LCD-Fernseher, I-Pods und Carving-Skier sein. Auch Haushaltsgeräte und Heimtextilien gehen seiner Erwartung nach gut.

Von einer besseren Basis als der Durchschnitt geht Lindner von Juwelier Fridrich aus. Einen Einbruch im Juni von 30 Prozent (durch die Fußball-WM) hat sein Unternehmen bereits wieder hereingeholt. Er spricht von einer "positiven Grundstimmung" und "hoher Qualitätsorientierung".

Auch der Buchhandel verzeichnet schon im Vorfeld ein leichtes Plus von 1,3 Prozent im Oktober, wie der Landsberger Buchhändler Hubert Wild sagt. Dabei sind Hörbücher stark im Kommen. Einen Einbruch von 50 Prozent gab‘s im Oktober bei den Kinderbüchern. Vor Jahresfrist war der jüngste Harry-Potter-Band herausgekommen. "Potter hat uns nun den Umsatz weggezaubert", sagt Wild. Ein Einmaleffekt. Denn für viele Kinder waren die Bücher über den jungen Zauberer die Initialzündung fürs Lesen. "Fantasy ist bei Kindern nach wie vor stark gefragt", sagt Wild.

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