Weil der Druck 2005 wächst: Bahn plant weitere Preiserhöhungen

- München - Bahnfahren wird wohl noch teurer. Die Deutsche Bahn kalkuliert in ihrer Mittelfristplanung mit anhaltend steigenden Preisen beim Personen- und beim Güterverkehr. Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen sehen bahninterne Szenarien bis 2009 jährliche Steigerungsraten im Fernverkehr von mehr als drei Prozent und beim Güterverkehr von 1,5 Prozent vor.

<P>Erst Mitte Dezember hatte die Bahn die Personenverkehrspreise um mehr als drei Prozent angehoben. Zuvor hatte Finanzvorstand Diethelm Sack erklärt, die Güterverkehrssparte leide unter starkem Wettbewerbsdruck durch heftigen Preiskampf bei den Frachtraten. Beide Geschäftsfelder betreibt das Unternehmen zurzeit mit Defiziten, die ihr fast das Bilanzziel einer schwarzen Zahl für 2004 verhagelt hätten. Nach den letzten Prognosen des Bahnvorstandes wird es nur dank des scharfen Sparkurses seit Jahresmitte möglich sein, einen für die Milliardenumsätze verhältnismäßig geringen Gewinn von 200 Millionen Euro auszuweisen.<BR><BR>Die Preissteigerungen für den Güterverkehr am Markt durchzusetzen, wird von Experten für unrealistisch gehalten. Auch die Preise im Personenverkehr werden vielfach schon als zu hoch angesehen. So steht die Führung der Bahn im Jahr 2005 vor einer Bewährungsprobe.<BR><BR>Neubauprojekte liegen auf Eis<BR><BR>Vor wenigen Tagen hatte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe die Bahn aufgefordert, alle Kräfte auf die Optimierung der Schieneninfrastruktur zu konzentrieren. Dazu gehöre, "dass die notwendigen Investitionen vorgenommen werden". Vorwürfe, die Bundesregierung unterstütze die Bahn nicht ausreichend, wies er zurück.<BR><BR>Die Bahn AG hatte erklärt, sie lege alle über die im Sommer vereinbarten 66 Neubauprojekte hinausgehenden Vorhaben bis 2009 auf Eis. Auf Grund der angespannten Haushaltslage des Bundes könnten bis dahin nur noch diese Projekte fortgesetzt werden, teils in zeitlich gestreckter Form. Offenbar im Streit um Sparpläne beim Güterverkehr wird sich das Unternehmen Mitte 2005 vom Güterverkehrs-Vorstand Bernd Malmström trennen.<BR><BR>Zugleich gelte es aber, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Vorgabe des Eigentümers Bund zu erfüllen, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Erschwerend kommt für den Bahnvorstand hinzu, dass im zu Ende gehenden Jahr die parlamentarische Basis für das Ziel ins Wanken geraten ist, die Bahn als integrierten Konzern, also ohne Trennung von Netz und Betrieb, an die Börse zu bringen.<BR><BR>Zwar fordert kein Koalitionspartner offen diese Trennung, in Regierungskreisen wird aber kritisch auf den fraktionsübergreifenden Beschluss von Mitte des Jahres verwiesen, weitere Gutachten abzuwarten. Weite Teile von CDU/CSU und die gesamte FDP seien für eine solche Trennung vor dem Börsengang, der ohne Beteiligung des Bundesrates nicht zu schaffen sei.</P>

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