Weil es immer mehr Alte gibt: In Pflegeheimen wird es bald eng

- München - Die Deutschen werden immer älter. Im Jahr 2030 wird die Zahl der über 80-Jährigen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes auf rund sechs Millionen ansteigen. Viele dieser Menschen werden pflegebedürftig sein und die Zahl von 8500 Pflegeheimen, die es zur Zeit in Deutschland gibt, wird dann bei weitem nicht mehr für alle pflegebedürftigen Senioren ausreichen.

Das ist ein Ausgangspunkt für Professor Rainer Jurowsky. Der Wirtschaftswissenschaftler der Fachhochschule Düsseldorf spricht sich für massive private Investitionen in "Seniorenimmobilien" aus. In einem Forschungsprojekt hat Jurowsky Fakten zusammengetragen und Lösungen aufgezeigt.

"Allein bis 2020 müssen jährlich rund 240 Seniorenresidenzen gebaut werden. Die insgesamt dann 3600 neuen Einrichtungen erfordern Immobilieninvestitionen in Höhe von 15 bis 17 Milliarden Euro", so Jurowskys Berechnungen. Dabei sei der notwendige Ersatz bestehender Kapazitäten aufgrund des Fortschritts der Medizin und der Pflegewissenschaft noch gar nicht berücksichtigt. Auch dafür müssten größere Summen investiert werden. Jurowskys Ansicht nach ist das notwendige Investitionskapital durchaus vorhanden.

Denn konkurrierende Immobilienfelder, sowohl der Wohnungs- als auch der Büroimmobilienmarkt, würden seit längerem stagnieren. Renditeerwartungen der Investoren seien dort sehr oft nicht erfüllt worden. Im Bereich der "Seniorenimmobilien" sei hingegen eine höhere Kapitalrendite durchaus möglich. Jurowsky sieht hier eine Spanne von sieben bis acht Prozent als realistisch. Denn die Nachfrage und daher der Markt sei aufgrund der unabwendbaren demographischen Entwicklung ohne Zweifel da. Allerdings sieht Jurowsky noch ein Problem: Investoren gingen ein nicht unerhebliches Risiko ein.

Denn die meisten Pflegeheime würden zur Zeit "betriebswirtschaftlich nicht optimal" geführt. So gehörten die 8500 deutschen Seniorenheime 6500 unterschiedlichen Eigentümern und Betreibern, die betriebswirtschaftliche Erfordernisse oft nicht konsequent umsetzen würden. Investoren würden daher zögern, in den Markt einzusteigen. Denn wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Hauses könnten die Rendite schmälern. Doch dafür hat der Ökonom Lösungen parat: "Wir müssen Immobilieninvestoren und Heimbetreiber zusammenführen und deren gegenseitige Berührungsängste beseitigen."

Heimbetreiber müssten dabei akzeptieren, dass die Häuser hochprofessionell betrieben werden müssten. Dazu gehörten unter anderem eine Standortanalyse, passende Finanzierungsmodelle, moderne Personalführung und auch zielgruppenorientiertes Marketing. Viele Betreiber könnten sich mit diesen Kriterien noch nicht recht anfreunden. Jurowsky schlägt vor, diese Mentalitätsunterschiede zwischen Investoren und Heimbetreibern durch Experten zu überbrücken, die die Bedürfnisse beider Seiten verstünSchwierigden.

Könnten solche "Investoren/ Betreibermodelle" einmal in großer Zahl realisiert werden, würden Geldgeber zunehmend Vertrauen in den Markt mit Seniorenimmobilien entwickeln, ist sich Jurowsky sicher. Die Versorgung alter Menschen wäre dann gesichert.

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