"Wein auf Bier": Große Irrtümer und echte Tipps für die Ernährung

- "Wein auf Bier, das rat ich dir" - was ist dran an vermeintlichen Ernährungsweisheiten? Von Generation zu Generation weitergegeben, halten sich gut gemeinte Ratschläge hartnäckig. Selbst wenn sie falsch sind. Die Verbraucherzentrale Bayern klärt auf, was von den Ernährungstipps zu halten ist.

"Wein auf Bier, das rat ich dir"

Der Spruch hatte möglicherweise Mitte des 19. Jahrhunderts ökonomische Hintergründe. Die Bauern sollten mehr vom billigen Bier trinken und teuren Wein den Wohlhabenden überlassen. Wer dennoch in den Genuss des Weines kam, sollte diesen nicht mit dem billigen Bier verwässern. Doch: Allein die "Dosis macht das Gift". Die Reihenfolge spielt keine Rolle.

"Spinat enthält viel Eisen"

Die Sekretärin eines Wissenschaftlers hatte sich bei der Übertragung des Eisengehaltes von Spinat um eine Kommastelle vertan. Die Angabe galt Spinatpulver und nicht frischem Spinat, der bei weitem nicht so viel Eisen hat, wie oft unterstellt wird. Gesund ist Spinat aber allemal.

"Bier macht Bauch"

Auch wenn der zugesetzte Hopfen hormonähnliche Stoffe enthält, sind diese nicht für den menschlichen "Airbag" verantwortlich. Bauch machen die Biermenge und seine appetitanregende Wirkung.

"Kirschen gegessen, Wasser getrunken . . ."

Auf Steinobstkernen sitzen meist Hefekeime, die durch die Magensäure unschädlich gemacht werden. Wird die Säure durch Wasser verdünnt, klappt das nicht mehr. Die Kirschen gären im Bauch und Schmerzen entstehen.

"Braune Eier sind gesünder als weiße"

Ob braun, ob weiß, der Inhalt ist der Gleiche. Hühner, die braune Eier legen, sind nur etwas weniger produktiv.

"Brauner Zucker ist gesünder als weißer"

Der Vitamin- und Mineralstoffgehalt ist im Vergleich zum weißen Zucker nicht nennenswert höher. Durch die vorhandene Melasse schmeckt der Zucker etwas aromatischer. Kaloriengehalt und Kariesgefahr sind gleich hoch.

"Käse schließt den Magen"

Das vermutete schon Plinius im ersten Jahrhundert nach Christus. Wissenschaftlich belegt ist es bis heute nicht. Fettsäuren und Eiweißbausteine sollen angeblich zu einem andauernden Sättigungsempfinden führen. Wissenschaftlich gesichert ist dagegen der Schutz vor Karies. Das Kalzium im Käse stärkt den Zahnschmelz. Die Zahnbürste ersetzt der Käse aber nicht.

"Nach dem Essen nicht schwimmen"

Für Herz-Kreislauf-Patienten kann das tatsächlich problematisch sein. Denn das Blut wandert in den Verdauungstrakt, der Körper wird schlechter durchblutet. Grundsätzlich kommt es auf die Schwere des Essens an.

"Light macht schlank"

Wer wirklich leicht wird, ist der Geldbeutel. "Light" hat seinen Preis. Wer in dieser Form kalorienreduziert lebt, isst im Endeffekt oft mehr. Die Psyche kann nämlich eine Rolle spielen: "Da ist ja weniger drin, also kann ich mehr davon essen." Süßstoffe können zudem appetitanregend wirken.

"Pilzgerichte darf man nicht aufwärmen"

Diese Empfehlung stammt aus der Zeit, als man in erster Linie Wildpilze verwendete. Für die heutigen Zuchtpilze gilt das nicht, denn Wildpilze weisen häufig eine höhere Schimmel- und Keimbelastung auf. Zucht- und Dosenpilze können am nächsten Tag nocheinmal aufgewärmt werden, wenn sie in der Zwischenzeit im Kühlschrank gelagert wurden. Die Mahlzeit sollte dann kurz aufgekocht werden.

"Kartoffeln machen dick"

Pommes frites oder Bratkartoffeln können Dickmacher sein. Als Pell- oder Salzkartoffeln sind sie aber kalorienarm, gesund und auch im Rahmen einer Reduktionsdiät bestens geeignet.

"Je dunkler das Brot, desto vollkorniger"

Vollkornbrot ist per Gesetz definiert und muss aus mindestens 90 % Roggen- oder Weizenvollkornmehlerzeugnissen hergestellt sein. Dem Teig dürfen dunkel färbende Zucker, Karamelsirupe oder Malzmehl zugesetzt werden. Die Farbe allein ist also kein zuverlässiger Hinweis, dass es sich um Vollkornbrot handelt.

"Zucker ist Nervennahrung"

Tatsache ist, dass der Körper Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln, Reis und Obst abbaut, um daraus Energie zu gewinnen. Reiner Zucker dagegen gelangt überfallartig ins Blut. Der Körper setzt große Mengen des Hormons Insulin frei. Der Zuckerspiegel fällt rapide ab und der Heißhunger auf Süßes entsteht. Ein Teufelskreis!

"Schnaps fördert die Verdauung"

Kräuter- und Obstbrände regen zwar die Produktion der Verdauungssäfte an, der Alkohol kann aber zu einer überstarken Reizung führen. Cognac oder Whisky werden übrigens mit Zuckerkulör oder Karamel gefärbt. Beides hemmt die Verdauung. Besser sind verdauungsanregende Kräuter und Gewürze wie Anis, Kümmel, Senf oder Fenchel im Essen.

"Schokolade macht Pickel"

Bislang konnte kein Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Schokoladengenuss und Pickelentstehung ausfindig machen. Eine einseitige Ernährung kann aber einen negativen Einfluss auf das Hautbild haben.

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