Wer weit links fährt, hat beim Unfall Teilschuld

Urteile zum Motorradfahren: - Es knattert und röhrt angesichts des schönen Wetters wieder: Die Biker geben "Gummi". Motorräder verschaffen sich auf Land- und Bundesstraßen sowie in der Stadt Platz und Gehör. Immer wieder enden die Spritztouren aber auch vor Gericht. Urteile zum Thema:

Rettungshandlung

Vermeidet ein Motorradfahrer durch eine Vollbremsung (hier aus einer Geschwindigkeit von 80 bis 90 km/h) den Zusammenprall mit einem plötzlich auf die Straße gelaufenen Reh und stürzt er dabei, so kann seine Teilkaskoversicherung leistungspflichtig sein, wenn er glaubhaft macht, beim Bremsvorgang nicht nur an sein eigenes Leben gedacht zu haben, sondern auch sein Fahrzeug möglichst nicht beschädigen zu wollen. Dabei handelt es sich um eine "Rettungshandlung" (OLG Koblenz 10 U 1415/05).

Langer Nutzungsausfall

Ist der Fahrer eines Quads (ein vierrädriges Motorrad beziehungsweise Moped) mit seinem Fahrzeug unschuldig in einen Unfall verwickelt und wird das Vierrad beschädigt, so muss die gegnerische Haftpflichtversicherung auch dann den vollen Nutzungsausfall für die Zeit der Reparatur tragen, wenn sie wegen der kritischen Ersatzteilversorgung extrem lange dauert (AG Dortmund, 134 C 8536/06).

Gebraucht, aber wie neu

Wird ein Motorradfahrer unschuldig in einen Verkehrsunfall verwickelt und wird seine - nur wenige (hier: 5) Monate getragene - Schutzkleidung dabei beschädigt, so darf die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bei der Schadenregulierung keinen Abzug neu für alt vornehmen, weil Motorradbekleidung eine sehr hohe "Lebensdauer" hat und somit einige Monate nach dem Kauf noch keine messbare Wertminderung vorliegt (AG Essen, 24 C 436/04).

Familienfalle

Stürzt ein Motorradfahrer über das - von seiner Frau vor ihm "fehlgesteuerte" - Krad (wofür er als Zweit-Motorrad beim selben Versicherer eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat), so muss die Versicherung nicht für die Schäden an seinem Bike aufkommen. Eine Haftpflichtversicherung deckt keine Schäden, die vom Versicherten selbst oder einem Mitversicherten verursacht wurden (LG Coburg, 33 S 82/04).

Wirt haftet nicht

Für ein an einem Hotel abgestelltes Motorrad haftet ein Gastwirt auch dann nicht, wenn er dem Gast einen bestimmten Platz am Haus dafür zugewiesen, ihm versichert hat, es sei "noch nie etwas weggekommen" und er sein Haus im Prospekt als für Biker "besonders geeignet" anpreist (OLG Naumburg, 4 U 103/02).

Gefährliche Mitte

Fährt ein Motorrad auf einer überbreiten Fahrbahn nahe an der Straßenmitte, weil dort die Bepflasterung besser ist, und wird er deshalb von einer entgegenkommenden Linksabbiegerin übersehen, so muss er sich bei einer Kollision eine Teilschuld anrechnen lassen (LG Dresden, 9 O 2879/05).

Raser-Fahndung illegal

Rasen ist keine Straftat: Wird jemand bei erlaubten Geschwindigkeit von 50 km/h mit Tempo 130 geblitzt, so darf nach ihm dennoch nicht - mit Hilfe der Radarfotos - öffentlich gefahndet werden, da es sich bei dem Vergehen nicht um eine "erhebliche Straftat", sondern lediglich um eine Ordnungswidrigkeit handelt (LG Bonn, 32 Qs 5/05).

Auch der Staat haftet

Stürzt ein Motorradfahrer mit 40 km/h auf einer Autobahn, weil er in eine sechs Meter lange und bis zu sieben Zentimeter tiefe Spurrille gerät, so muss der Staat wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht Schadenersatz (hier in Höhe von 10 700 Euro) zahlen, wenn der betreffende Streckenabschnitt vier Tage zuvor durch die Straßenwacht ergebnislos überprüft wurde (OLG Hamm, 9 U 38/03).

Fatale Fehldeutung

Wird ein Motorradfahrer auf der Autobahn mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h geblitzt (hier waren 130 km/h erlaubt), so kann er sich nicht mit der Begründung auf ein Augenblicksversagen berufen und damit einem Fahrverbot entgehen, er habe ein Verkehrsschild zur Aufhebung eines Überholverbots falsch gedeutet und sei von der Aufhebung aller Beschränkungen ausgegangen (OLG Koblenz, 1 Ss 235/05).

Mitschuld für Überholer

Überholt ein Motorradfahrer innerorts auf einer zweispurigen Straße zwei Autofahrer, die erkennbar ihre Geschwindigkeit gedrosselt und sich zur Fahrbahnmitte orientiert haben, um nach links abzubiegen, so trägt der Kradfahrer zwei Drittel des Schadens, wenn es während des Abbiegevorgangs zu einer Kollision kommt. Hier wurde dem in den Unfall verwickelten Autofahrer ein Drittel der Schuld zugesprochen, weil er seine Rückschaupflichten verletzt hatte (OLG Koblenz, 12 U 1439/02) .

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