Weiter Hängepartie an Börsen-Spitze

- Frankfurt/Main - Ein Ende der Hängepartie an der Spitze der Deutschen Börse ist trotz eines Einlenkens der Hauptkritiker nicht in Sicht. "Die Suche nach potenziellen Kandidaten ist in Marsch gesetzt, aber noch zu keinem Ergebnis gekommen", sagte der scheidende Aufsichtsratschef Rolf Breuer auf der Hauptversammlung der Deutschen Börse AG am Mittwoch in Frankfurt.

Großaktionäre um den britischen Hedge-Fonds TCI hatten Anfang März die angestrebte Übernahme der Londoner Börse verhindert und in der Folge den Vorstandsvorsitzenden des Frankfurter Börsenbetreibers, Werner Seifert, zum Rücktritt gezwungen. Auch der Aufsichtsrat soll neu aufgestellt werden. TCI-Chef Christopher Hohn kam nicht wie angekündigt nach Frankfurt.<BR><BR>Breuer betonte vor knapp 1000 Aktionären, es habe noch keine Gespräche mit möglichen Seifert-Nachfolgern gegeben. "Zunächst galt es, diese Hauptversammlung abzuwarten." Es gebe aber schon "eine beachtliche Zahl von Kandidaten", die sich von sich aus um das Amt beworben hätten. Namen nannte Breuer nicht. Kandidatenlisten, die in den vergangenen Wochen kursierten, spielten "keine besondere Rolle" weder bei der Seifert-Nachfolge noch beim Umbau des Aufsichtsrates. Breuer bekräftigte, er werde sein Amt nach erfolgreicher Nachfolgeregelung spätestens Ende 2005 aufgeben: "Je eher ich erfolgreich bin, desto eher sind Sie mich los."<BR><BR>Im Dauerstreit mit TCI stehen die Zeichen nach Einschätzung des amtierenden Börsen-Managements auf Entspannung. Der als spekulativ geltende Fonds hatte einen Antrag zur Abwahl Breuers bei der Hauptversammlung kurz vor dem Aktionärstreffen überraschend zurückgezogen. "Wir begrüßen die konstruktive Haltung, die TCI mit seiner Mitteilung vom 23. Mai zum Ausdruck gebracht hat", sagte der Interimschef der Börse, Mathias Hlubek.<BR><BR>Breuer zeigte sich überzeugt, dass TCI-Gründer Hohn mit seinem Engagement bei dem DAX-Unternehmen langfristige Ziele verfolgt: "Ich habe Kontakt zu ihm und wir führen durchaus konstruktive Diskussionen, er kümmert sich um die Deutsche Börse." TCI hält nach eigenen Angaben rund 8 Prozent an dem Börsenbetreiber, hatte aber angegeben, bei seiner Strategie bis zu 35 Prozent des Kapitals hinter sich zu wissen. Zur Hauptversammlung waren knapp 60 (2004: 35) Prozent des Aktienkapitals vertreten. Ungeachtet teils harscher Kritik am Vorgehen von TCI betonte Breuer: "Hedge-Fonds sind für die Deutsche Börse eine ganz besonders wichtige Kundengruppe."<BR><BR>Unterdessen forderten Aktionärsvertreter die aufständischen Anleger auf, ihre Strategie offen zu legen. "Wir müssen zusehen, dass die Hängepartie nicht zu lange dauert", mahnte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Nach dem Abgang Seiferts, müsse der Scherbenhaufen rasch zusammengekehrt werden. "Wir brauchen einen starken Mann an der Spitze dieses Unternehmens, um an der Konsolidierung der Branche in Europa weiterhin aktiv mitwirken zu können und nicht selber unter die Räder zu kommen." Von Breuer verlangten sowohl die DSW als auch die Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK), auch die Vertreter der Kleinanleger in die Personalsuche einzubinden.<BR><BR>Die versuchte Übernahme der Londoner Börse (London Stock Exchange/ LSE), die den Streit mit Großaktionären ausgelöst hatte, verteidigte Finanzvorstand Hlubek erneut. "Die Mehrheit der Aktionäre hat die Bestrebungen der Gesellschaft zu einer abgestimmten Transaktion mit der LSE im Grundsatz unterstützt." Hlubek versicherte, das Management habe "in stetigem Kontakt mit den Anteilseignern" gestanden. Auch nach dem Scheitern der Übernahmepläne habe es Gespräche mit den Kritikern gegeben, um angesichts der geforderten Neubesetzung von Vorstand und Aufsichtsrat deutlich zu machen, "dass man Veränderungen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehe". TCI hatte jedoch seine Forderung nach einem radikalen personellen Neuanfang durchgesetzt.<BR><BR>Hlubek, der die Geschäfte bis zur Bestellung eines SeifertNachfolgers führt, zeigte sich überzeugt, dass die Deutsche Börse trotz der Turbulenzen weiterhin organisch wachsen wird. Das erste Quartal 2005 war mit Rekorden bei Umsatz und operativem Ergebnis abgeschlossen worden. Bis Ende 2007 ist eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent angestrebt nach 11 Prozent 2004. Auch durch neue Partnerschaften und Zukäufe will die Börse Kurs halten. Die Dividende soll kontinuierlich erhöht werden, für 2004 sollen je Aktie 70 Cent ausgeschüttet werden (2003: 55 Cent). 

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