Weiter Umsatzrückgang bei KarstadtQuelle

- Düsseldorf - Trotz anhaltender Umsatzrückgänge sieht KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff den "freien Fall" des Handelsriesen gestoppt. Im dritten Quartal kehrte der Konzern in die schwarzen Zahlen zurück und schrieb einen Gewinn von 18,2 Millionen Euro gegenüber einem Minus von gut 1,2 Milliarden vor einem Jahr. Das Unternehmen hat allerdings weiter mit deutlichen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Nach Abschluss der ersten Verkaufswelle sollen weitere Unternehmensteile im Wert von 1,3 Milliarden Euro abgestoßen werden. Die Aktie setzte sich am Donnerstag mit einem Plus von 10,3 Prozent auf 10,70 Euro an die Spitze im MDAX.

"Wesentliche Meilensteine der Sanierung sind erreicht", zeigte sich der seit rund fünf Monaten amtierende Middelhoff bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Düsseldorf überzeugt. Noch vor einem Jahr sei die Lage des damals ums Überleben kämpfenden Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzerns "dramatisch" schlechter gewesen. Nach einer Stabilisierung im laufenden Jahr werde 2006 zum Jahr der Neuausrichtung, kündigte der Konzernchef an.

Der Quartalsumsatz sank allerdings auch unter Ausklammerung der verkauften 74 kleineren Warenhäuser und der ausgelagerten Feinkostabteilungen um 7,6 Prozent auf 2,57 Milliarden Euro. Beim "Sorgenkind" Versandhandel betrug der Rückgang sogar 8,6 Prozent auf 1,52 Milliarden Euro. In den Waren- und Sporthäusern sanken die Erlöse um 3,4 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.

In den ersten neun Monaten ging der Konzernumsatz damit - wiederum ohne die kleinen Warenhäuser und Feinkostabteilungen - um 7,8 Prozent auf knapp 8,1 Milliarden Euro zurück. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 25,5 Prozent auf 158 Millionen Euro. Der Konzernchef zeigte sich überzeugt, dass es gelingen werde, das angekündigte bereinigte Ergebnis von über 350 Millionen Euro in diesem Jahr zu erreichen. Dafür setzt KarstadtQuelle unter anderem auf das Weihnachtsgeschäft. Unterm Strich lag der Konzernverlust nach drei Quartalen bei 243,4 Millionen Euro gegenüber einem Minus von 1,5 Milliarden vor einem Jahr.

Im dritten Quartal sei das laufende Sanierungsprogramm weiter beschleunigt worden, sagte Middelhoff. Durch weitere Verkäufe unter anderem der Hypothekenbank und des Ratenkreditgeschäfts im Umfang von 1,3 Milliarden Euro sei geplant, die Verschuldung bis zum Jahresende auf 3,3 Milliarden Euro zu senken. Gleichzeitig werde jedoch über die Aufnahme eines weiteren Darlehens verhandelt, sagte Finanzchef Harald Pinger. Eine Kapitalerhöhung bleibe in diesem und im kommenden Jahr ausgeschlossen. Bisher trennte sich KarstadtQuelle von Unternehmensteilen im Wert von 1,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten sank binnen eines Jahres um mehr als 19 000 auf knapp 54 000.

Im Stammgeschäft des Konzerns mit 90 Warenhäusern legte Middelhoff ein Bekenntnis zur Zukunft des klassischen Warenhausgeschäfts ab. "Wir haben eindeutig eine Rückbesinnung zur Belebung der Innenstadt", sagte er. Der Konzern hatte 74 kleine Warenhäuser an eine Investorengruppe abgegeben. Die verbliebenen Karstadt-Warenhäuser hätten sich besser als der Markt entwickelt, sagte Middelhoff. Deutliche Verbesserungen seien insbesondere in den bereits umgebauten Häusern zu beobachten.

Bei der Sanierung des Versandhandels seien mit den Betriebsräten bereits Lösungen verabredet worden, zu deren Einzelheiten Finanzchef Pinger zunächst jedoch keine Stellung nehmen wollte. Geplant sei unter anderem eine stärkere Konzentration auf den Internethandel und eine Expansion im Ausland, vor allem in Osteuropa.

Bei der Reisetochter Thomas Cook, an der KarstadtQuelle zu 50 Prozent beteiligt ist, meldete Middelhoff erneut Interesse an einer Übernahme der Mehrheit an. Gespräche mit dem Miteigentümer Lufthansa würden derzeit jedoch nicht geführt. Einem möglichen Börsengang erteilte er dagegen eine Absage.

Im Streit mit den Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim um mehrere Grundstücke in Berlin bezifferte Middelhoff die von dem Unternehmen für einen Einzelfall gebildeten Rückstellungen auf rund 24 Millionen Euro. Im Fall des so genannten Lenn-Dreiecks, der sich deutlich von den anderen Fällen unterscheide, seien bislang jedoch keine Rückstellungen gebildet worden. In diesem Fall seien bislang auch noch keine Ansprüche angemeldet worden.

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