Weiter Warnstreiks in Kliniken - 3200 Mitarbeiter im Ausstand

München/Nürnberg - Mit Aktionen in mehr als 20 bayerischen Kliniken hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Freitag ihre Warnstreiks im öffentlichen Dienst fortgesetzt. An den Arbeitsniederlegungen beteiligten sich mehr als 3200 Pfleger, Krankenschwestern, Kliniktechniker und Küchenkräfte, berichtete der Leiter des ver.di-Bereichs Gesundheitswesens Dominik Schirmer.

"Das sind deutlich mehr Teilnehmer als wir erwartet hatten", fügte der Funktionär hinzu. Der Streikschwerpunkt lag am zweiten Tag der Aktionen in Mittelfranken, wo nach ver.di-Angaben rund 2000 Beschäftigte in einen befristeten Ausstand traten. Bei einer Kundgebung vor dem Nürnberger Nord-Klinikum warnte das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke davor, die Krise der Krankenhäuser durch einen weiteren Einkommensverzicht der Klinikbeschäftigten zu lösen. "Gespart wird seit Jahren bei den Beschäftigten, die die Mangelfinanzierung mit Leistungsverdichtung, schlechten Arbeitsbedingungen und sinkenden Reallöhnen bezahlen müssen", sagte sie.

Nach Angaben von ver.di-Vertreter Schirmer sind die mehrstündigen Warnstreiks, von denen auch einige Krankenhäuser in der Region München und Teilen Oberbayerns betroffen waren, nicht ohne Folgen für die Patienten geblieben. "In einigen Fällen mussten planbare Operationen verschoben werden", berichtete Schirmer. Dagegen sei mit Notdiensten sicher gestellt worden, dass dringende Eingriffe möglich gewesen und auch Notaufnahmen und Intensivstationen arbeitsfähig geblieben seien.

Verständnis für die Aktionen zeigte unterdessen die Leitung des Nürnberger Klinikums. Dennoch sehe sich das Krankenhaus für steigende Personalkosten nicht gewappnet, gab Klinikumsvorstand Alfred Estelmann zu bedenken. "Da die Politik Einnahmen der Krankenhäuser gedeckelt hat, sind Ausgabensteigerungen nicht durch höhere Einnahmen zu finanzieren", sagte der Klinik-Chef. Schon jetzt kämpfe die Klinik, die zu den größten kommunalen Krankenhäusern Europas gehört, mit steigenden Kosten in vielen Bereichen.

Ver.di-Landesbezirksleiter Josef Falbisoner kündigte unterdessen eine Fortsetzung der Aktionen in der kommenden Woche an. Dabei sollen andere Bereiche des öffentlichen Dienstes, unter anderem Kindertagesstätten, einbezogen werden. Die Gewerkschaft werde bereits am Wochenende Elternbriefe an die betroffenen Einrichtungen verschicken, um den Eltern eine frühzeitige Planung für die Unterbringung ihrer Kinder zu ermöglichen.

Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde acht Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Außerdem will ver.di einen gesetzlichen Rahmen zur ausreichenden Finanzierung von Krankenhäusern durchsetzen. Dagegen bieten die Arbeitgeber für die nächsten beiden Jahre fünf Prozent bei gleichzeitiger Verlängerung der Arbeitszeit. Die Gewerkschaft hat diesen Vorschlag als Mogelpackung zurückgewiesen.

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