Weitere Razzien in Steueraffäre - Durchsuchungen im Großraum München

München/Düsseldorf - In der Liechtensteiner Steueraffäre sind am Montag Razzien auch im Großraum München angelaufen.

"Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Bochum und der Steuerfahndung waren bei mir und haben mitgeteilt, dass sie tätig werden", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Details über den betroffenen Personenkreis oder die Größenordnung der Aktion könne er nicht nennen. "Die Durchsuchungen macht die Staatsanwaltschaft Bochum in Kooperation mit der Steuerfahndung", sagte Schmidt-Sommerfeld.

Neben München war nach einem Bericht der Online-Ausgabe des "Handelsblatts" am Montag auch der Großraum Frankfurt betroffen. Dort würden Privatwohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Es handele sich um vermögende Personen, aber nicht um in der Öffentlichkeit bekannte Namen. Von den Durchsuchungen im Großraum München hatte zuvor die "Rheinische Post" berichtet. Medienberichten zufolge sind für diese Woche 125 Razzien geplant.

Die Steueraffäre war mit der Razzia beim bisherigen Post-Chef Klaus Zumwinkel am vergangenen Donnerstag bekanntgeworden. Wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe erklärte der Topmanager am Freitag seinen Rücktritt.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte aus Ermittlerkreisen berichtet, die Fahnder wollten pro Tag 20 bis 25 Wohnungen und Büros durchsuchen. Die Bochumer Staatsanwaltschaft wollte sich am Montag nicht zu den angelaufenen Durchsuchungen äußern. "Wir bestätigen und dementieren nichts", sagte Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek am Montag in Bochum. "Wir können und dürfen nichts sagen", erklärte er mit Verweis auf das Steuergeheimnis. Auskünfte gebe es weder über Orte noch Namen. Die Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen will möglicherweise Ende dieser Woche oder Anfang der kommenden Woche Einzelheiten in einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Auch beim bayerischen Finanz- und beim Justizministerium waren zunächst keine Informationen über die Aktionen zu erhalten. Die Ermittlungen würden in Bochum geführt, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. "Wir wissen nichts."

Die Bundesregierung erhofft sich Einnahmen von mehreren hundert Millionen Euro aus Steuernachforderungen. Für die Daten, die jetzt die Razzien wegen vermuteter Steuerhinterziehung in Gang brachten, wurden laut Finanzministerium an einen Informanten etwas mehr als vier Millionen Euro gezahlt. Es lägen Daten zu rund 1000 mutmaßlichen Steuerhinterziehern vor.

Die "Welt" (Montag) berichtete, Zumwinkel sei der prominenteste Verdächtige in der Steueraffäre. Allerdings gebe es mehrere mutmaßliche Steuersünder, die weit mehr Geld am deutschen Fiskus vorbeigeschleust hätten, hieß es unter Berufung auf Ermittlerkreise.

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