+
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, während einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Foto: Arne Dedert

EZB verschärft Kurs trotz Mini-Inflation vorerst nicht

Frankfurt/Main (dpa) - Europas Währungshüter legen vorerst nicht nach - obwohl das viele billige Geld die Teuerung nicht wie gewünscht anschiebt.

Das Anleihenkaufprogramm wird entgegen der Erwartung vieler Volkswirte zunächst nicht über März 2017 hinaus verlängert. Auch an der Zinsschraube drehte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt nicht.

Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Die seit März 2015 laufenden Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren will die EZB zunächst unverändert fortsetzen. 80 Milliarden Euro fließen derzeit monatlich, insgesamt sollen es 1,74 Billionen Euro werden. Gut eine Billion ist bereits investiert. Seit Juni stehen auch Unternehmensanleihen auf dem Einkaufszettel.

Das billige Geld soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern. Denn langfristig niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird.

Im August lag die jährliche Teuerungsrate im Euroraum gerade einmal bei 0,2 Prozent. Daher hatten viele Volkswirte damit gerechnet, dass die Notenbank das Anleihenkaufprogramm nochmals verlängern wird. Allerdings erklärt sich die Mini-Inflation zum Großteil mit dem niedrigen Ölpreis. Dazu kommt: Die Wirtschaft verdaute den Brexit-Schock besser als erwartet. Am 23. Juni hatten sich die Briten mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass ihr Land die Europäische Union verlässt. Der genaue Austrittsprozess ist noch offen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

London schmeißt Uber raus - Widerspruch angekündigt
Uber schien die heftigen Konflikte mit Behörden und Taxi-Branche in Europa beigelegt zu haben, doch nun sorgt London für einen Eklat. Die britische Hauptstadt will den …
London schmeißt Uber raus - Widerspruch angekündigt
London wirft Fahrdienst Uber raus
Uber wollte dem Taxi Konkurrenz machen. Zumindest in London ist das vorerst schiefgegangen: Die Stadt will den Fahrdienst von ihren Straßen verbannen.
London wirft Fahrdienst Uber raus
Adidas-Chef: Atempause für schwächelnde Tochter Reebok
Nürnberg (dpa) - Adidas-Chef Kasper Rorsted will die schwächelnde US-Tochter Reebok bis mindestens Ende 2018 behalten. Auf die Frage, ob Reebok zu diesem Zeitpunkt noch …
Adidas-Chef: Atempause für schwächelnde Tochter Reebok
Widerstand gegen Stahlfusion wächst
Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Die Kritik entzündet sich auch an …
Widerstand gegen Stahlfusion wächst

Kommentare