Welche Versicherungen Kinder brauchen

Das Wohl der Kinder genießt bei Eltern oberste Bedeutung. Leider ist es nicht garantiert. Wenigstens finanziell kann man sich absichern.

Jungen Familien fehlt es oft an Geld. Dennoch sollten sie daran denken, sich und ihre Kinder finanziell gegen existenzbedrohende Risiken abzusichern. Vielleicht kann man die Großeltern zum Abschluss bewegen? „Vieles wäre sinnvoller als die beliebte, aber unrentable Ausbildungsversicherung“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Gegen Unfallfolgen vorsorgen

Eine Kinderunfallpolice zum Beispiel hat man nach Ansicht von Bianca Boss am besten ab dem ersten Lebenstag. Meist denken die Eltern erst darüber nach, wenn die Kinder anfangen, sich im Straßenverkehr zu bewegen. Doch Gefahren lauern schon früher: Stürze vom Wickeltisch oder Verschlucken von Putzmitteln. Die Gefahr, dass ein Kind verunglückt, ist statistisch gesehen gering. Aber wenn es geschieht, kann es an die finanzielle Existenz der Eltern gehen, die möglicherweise lebenslange Unterstützung leisten müssen.

Die Police sichert den Eltern eine Kapitalsumme oder eine Rente. Versichert sind Unfälle im Verkehr, im Haushalt und Garten sowie bei Sport und Spiel. Sie springt dann ein, wenn die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit des Kindes aufgrund eines Unfalls dauerhaft beeinträchtigt ist.

Geleistet wird bereits ab einem Prozent Invalidität. Je nach Grad der Beeinträchtigung wird ein Anteil der Versicherungssumme ausbezahlt. „Eine Versicherungssumme von 200 000 Euro ist zu empfehlen“, sagt Boss. Dazu sollte man eine Progression wählen: Die Versicherungsleistung steigt dann mit zunehmender Invalidität überproportional. Mindestens 225 Prozent Progression sind zu empfehlen.

Policen gibt es für 80 bis 270 Euro im Jahr bei 200 000 Euro Versicherungssumme und 225 Prozent Progression für ein einjähriges Kind. Die Details machen den Unterschied: Tauchunfälle, Vergiftungen, Infektionen oder epileptische Anfälle sind nicht überall mitversichert. Achtung: Hoher Beitrag heißt nicht automatisch viel Leistung! Für denselben Preis gibt es unterschiedliche Leistungsumfänge.

Invaliditäts-Schutz ist teuer

Eine Kinderinvaliditätsversicherung sichert zusätzlich dauerhafte Beeinträchtigungen wegen Krankheit ab. Das reale Risiko ist gering – die Beiträge mit 300 bis 500 Euro für eine lebenslange monatliche Rente von 1000 Euro dagegen sehr hoch. Gespickt sind die Policen zudem mit vielen Fällen, in denen es keine Versicherungsleistung gibt.

Auch Schüler können berufsunfähig werden

Policen gegen Berufsunfähigkeit kann man ab dem 16. Lebensjahr abschließen. „Man sollte so früh wie möglich einsteigen, dann profitiert man langfristig von günstigen Beiträgen“, sagt Boss. Ein Schüler bekäme seine Rente bereits, wenn er wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr die Schulbank drücken kann. In der Regel werden die Schüler-Policen bis ins Rentenalter weitergeführt. Wer eine solche Versicherung für seine Kinder hat, kann die Prämie einer Unfallversicherung reduzieren oder ganz auf sie verzichten.

Auch hier kann die Rentenhöhe während der Laufzeit angepasst werden – das sollte ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich sein. Policen kosten zwischen knapp über 40 bis 70 Euro im Monat. Eine Erwerbsunfähigkeitspolice sollte man nicht abschließen. Diese sichert nur den schlimmsten Fall ab. Es kommt auf den Begriff Berufsunfähigkeit an.

Zusatzschutz für unter zehn Euro im Monat

Eine private Zusatzpolice zur Krankenversicherung für den stationären Bereich sichert dem Sprössling die freie Krankenhauswahl, die Chefarztbehandlung und das Ein- bzw. Zweibettzimmer. Wenn das Kind ernstlich krank wird, kann es für Eltern wichtig sein, in eine weit entfernte Spezialklinik zu reisen. Die Zusatzpolice garantiert dies. Kostenpunkt: Für kleine Kinder unter zehn Euro im Monat. Sinnvoll ist auch eine Auslandskrankenversicherung, wenn man mit Kindern im Ausland unterwegs ist.

Zahnzusatzpolicen für Kinder sind nur zu empfehlen, wenn sie kieferorthopädische Behandlungen mit einschließen. Kosmetische Korrekturen sind auch dann oft ausgeschlossen, weil nur das medizinisch Notwendige bezahlt wird.

Annette Jäger

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