Auszubildende sind zum Teil durch den Arbeitgeber versichert – bei einem Arbeitsunfall zum Beispiel. Berufsunfähigkeits- oder Haftpflichtversicherung müssen Lehrlinge und Studenten bei Bedarf selbst abschließen. foto: fotolia

Ausbildung: Welche Versicherungen wichtig sind

München - Der September bringt für viele junge Menschen den Start in Lehre und Studium. Hier erfahren Sie,  welche Versicherungen Lehrlinge und Studenten brauchen.

Das Ausbildungsjahr hat begonnen, in einigen Wochen starten auch die Universitäten ins neue Semester – und mit ihnen tausende Studienanfänger. Wir erklären, was die jungen Leute beim Start in den neuen Lebensabschnitt beachten müssen. Heute, welche Versicherungen Lehrlinge und Studenten brauchen.

Für knapp eine halbe Million Schulabgänger beginnt das Berufsleben. Offizieller Start des Ausbildungsjahres war am Samstag. Auch tausende Studienanfänger stehen kurz vor einem neuen Lebensabschnitt. Das Wintersemester an den Universitäten beginnt am 1. Oktober. Spannung, Freude, Tatendrang. Die wenigsten Lehrlinge und Studenten denken da an das Thema Versicherungen. Es gibt viele überflüssige Policen, aber auch Versicherungen, die sinnvoll sind. Wer zum Beispiel in jungen Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, kommt günstiger weg.

Krankenversicherung

Lehrlinge müssen sich um eine eigene Krankenversicherung kümmern. „Sie scheiden mit dem Beginn der Ausbildung aus der Familienversicherung aus“, erklärt Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BDV). Die neue Krankenkasse können die Auszubildenden frei wählen. Wer sich darum nicht kümmert, für den sucht der Arbeitgeber eine Versicherung aus. Meistens fällt die Wahl dann auf eine Betriebskrankenkasse oder die Kasse, in der der Lehrling zuvor familienversichert war. Studenten sind dagegen bis zum 27. Lebensjahr bei ihren Eltern mitversichert. „Danach müssen sie sich selbst versichern“, so Köster. Der Studententarif kostet bei Krankenversicherungen rund 85 Euro – Pflegeversicherung inklusive.

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Haftpflicht

Eine Privathaftpflichtversicherung ist laut Köster unverzichtbar. Sie schützt, wenn man Schäden bei anderen verursacht. Solange Lehrlinge und Studenten bei ihren Eltern wohnen, springt die Haftpflichtversicherung der Eltern ein. Wer einen eigenen Hausstand gründet oder heiratet, muss dagegen eine eigene Versicherung abschließen. „Wenn man Schäden verursacht, zahlt man daran sonst oft sein Leben lang“, warnt Köster. Kulant sind Haftpflichtversicherungen oft im Fall von Studenten, die immer noch ein Zimmer bei ihren Eltern haben. Für alle anderen gilt: Singles zahlen für die Police rund 50 Euro pro Jahr. Überflüssig ist hingegen eine Hausratversicherung, solange Lehrlinge und Studenten bei den Eltern wohnen. Aber auch in der ersten – oft sparsam möblierten Wohnung – ist die Hausrat-Police meistens verzichtbar.

Berufsunfähigkeit

Besonders wichtig ist für Auszubildende eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie springt ein, wenn der Versicherte nach einem Unfall oder wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kann. Auch für Studenten lohne sich eine Police, sagt Köster. „Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt: Je jünger, desto günstiger“, erklärt er. Versicherungen wollen sich möglichst wenig Risiken anlasten. Mit dem Alter steigt das Krankheitsrisiko, irgendwann wird es schwierig, noch eine Versicherung zu finden, die bei Berufsunfähigkeit einspringt.

„Es gibt fünf Risikoklassen“, erklärt Köster. Wer eine Police abschließen möchte, wird von der Versicherung unter die Lupe genommen. Dabei spielen vor allem das Alter und der Beruf eine Rolle. Fällt die Risikoprüfung negativ aus, wird der Antrag abgelehnt. Bei einer positiven Bewertung ist die Risikogruppe entscheidend für die Höhe der Beitragssätze.

Ein Beispiel: Drei junge Männer (25 Jahre alt), ein Bürokaufmann, ein Dachdecker und ein Lehramtsstudent, wollen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Die Versicherung soll 40 Jahre lang mit einer Versicherungssumme von 1000 Euro laufen. Das heißt: Kommt es zur Berufsunfähigkeit, zahlt die Versicherung monatlich 1000 Euro. Das Ergebnis: Bürokaufmann und Lehramtsstudent zahlen beim günstigsten Angebot jeweils 28,60 Euro pro Monat, der Dachdecker muss dagegen monatlich 97,11 Euro aufbringen. Das ist der Unterschied zwischen Risikoklasse eins und fünf.

Unfallversicherung

Nicht jeder Unfall hat eine Berufsunfähigkeit zur Folge. Wer zum Beispiel bei einem Motorradunfall stürzt und ein Bein verliert, kann weiterhin als Lehrer arbeiten – hat allerdings unter Umständen hohe Kosten in Folge des Unfalls. Deshalb rät Köster zusätzlich zu einer Unfallversicherung – besonders Studenten. „Auszubildende sind bei Arbeitsunfällen gesetzlich versichert, Studenten haben gar keine Unfallversicherung.“ Grundsätzlich sollte die Versicherungssumme sechs Jahresgehälter umfassen. Auch hier unterscheiden sich die Versicherungsbeiträge laut Köster je nach Berufsrisiko. Wer körperlich arbeitet, muss mit rund 150 Euro Versicherungsbeitrag pro Jahr rechnen. Versicherte mit Bürojob zahlen dagegen rund 100 Euro im Jahr.

Von Manuela Dollinger

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