Weltwirtschaft: Gefahr aus Deutschland?

- New York - Die Weltwirtschaft kommt langsam aus der Krise. Doch schon ziehen am Horizont erneut dunkle Wolken auf: Die hohen Haushaltsdefizite in den USA sind eine Gefahr für die Weltwirtschaft, kritisierte der internationale Währungsfonds (IWF). US-Finanzminister John Snow - mitten im Vorwahlkampf - schaute noch einmal hin und fand ganz andere Schuldige: Deutschland und Frankreich.

<P>Tatsächlich hat der IWF in seinem Weltwirtschafts-Ausblick 2004 auch die Langsamkeit und Unzulänglichkeit des Reformprozesses in den Industrieländern kritisiert, die den wirtschaftlichen Aufschwung belaste. Allerdings nennt der IWF keine einzelnen Länder. <BR><BR>John Snow nahm das Bällchen der Weltwährungshüter auf, setzte die Luftpumpe an und schleuderte das heiße Thema weiter in Richtung Europa. Es sei das schleppende Wachstum im "Alten Europa", das wirklich Anlass zu Sorgen biete, sagte er in Bloomberg TV. Eine Frage, die er beim nächsten G7 Gipfel Ende April behandelt wissen will: "Ich denke das Thema Wirtschaftswachstum wird ganz oben auf der Agenda stehen."<BR><BR>Tatsächlich haben sich die USA in dieser Disziplin zumindest unmittelbar nichts vorzuwerfen. Denn die Wachstumsraten in den USA knüpfen bereits wieder an die erfolgreichen 90er-Jahre an. Doch dieses Wachstum ist geborgt - und durch das üppige und in der Kritik stehende Haushaltsdefizit der USA erklärbar.<BR><BR>Dabei hatte der traditionell der US-Politik verbundene IWF dieses Thema bisher eher unter der Decke gehalten. Dass es nun ausgerechnet im Wahlkampf beim Namen genannt wird, ist doppelt schmerzhaft für die Regierung. <BR><BR>Denn der IWF stimmt nun in den Chor der Kritiker von Präsident George Bush ein. Zu diesen zählen bislang so renommierte Ökonomen wie Paul Krugman von der Princeton University oder der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.<BR>Auch an der Zinsfront könnte dem Wahlkampf von Bush unerfreuliches widerfahren. Die Inflation in den USA ist zum dritten Mal in Folge gestiegen. Sie erreicht zwar mit 1,7 % noch den gleichen Wert wie in der Eurozone. Doch in den USA werden die Preistreiber Energie und Lebensmittel herausgerechnet.<BR><BR>So mehren sich die Anzeichen, dass eine Leitzinserhöhung bevorstehen könnte. Selbst Analysten, die Stein und Bein geschworen hatten, dass Notenbank-Chef Alan Greenspan damit in jedem Fall bis zur Präsidentenwahl warten würde, rücken mittlerweile davon ab. Teures Geld gerade zu einem Zeitpunkt, wo sich die staatlich hochgetriebenen Wachstumsraten zaghaft am US-Arbeitsmarkt bemerkbar machen, wäre Sand im Getriebe der Wahlkampfmaschinerie von George Bush.</P>

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