Wende durch Stahlboom: Kommt jetzt die Renaissance der Kohle?

- Berlin/Essen - Die Forderung des RAG-Konzerns nach staatlichen Beihilfen für eine neue Kokszeche ist bei Parteien und Kohleimporteuren auf harsche Kritik gestoßen. Für Subventionen oder großzügige Anschubfinanzierungen gebe es wegen der knappen Kassen keinen Spielraum. RAG-Chef Werner Müller regte mit Blick auf die rasant gestiegenen Kohlepreise den Bau einer neuen Zeche im Ruhrgebiet an.

<P>Voraussetzung sei aber eine Finanzierung durch die Politik. Mache das Unternehmen bei langfristig hohen Kohlepreisen Gewinn, fließe das Geld an den Staat zurück.<BR><BR>Die Preise für Koks zur Stahlherstellung waren im Frühjahr zeitweise auf bis zu 450 Dollar pro Tonne gestiegen und liegen momentan zwischen 250 und 300 Dollar. "Zu diesen Preisen kann deutsche Kohle für die Koksherstellung ohne Subventionen gefördert werden", sagte Müller. Eine mit der Stahlindustrie vereinbarte Erweiterung der Bottroper RAG-Kokerei Prosper solle bereits Ende 2006 oder Anfang 2007 in Betrieb gehen. Die dafür veranschlagten Kosten von rund 300 Millionen Euro würden von den Stahlunternehmen Arcelor und Voest Alpin getragen. Die derzeitige Kapazität von rund zwei Millionen Tonnen Koks werde dadurch um bis zu 1,5 Millionen Tonnen gesteigert.<BR><BR>Die Einfuhrhändler lehnen den Ausbau deutscher Kohleförderung ab: "Deutsche Kohle ist ohne Subventionen auch mittel- und langfristig auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähig", sagte Wolfgang Ritschel, Geschäftsführer des Verbandes der Kohlenimporteure, der dpa. Die Idee, neue Kohlebergwerke zu bauen und die Förderung auszuweiten, sei "völliger Blödsinn". Die Forderung nach einer Risikobeteiligung des Staates zeige die Subventionsmentalität der Branche.<BR><BR>Müller begründete seinen Vorstoß mit den Weltmarktpreisen, die vor allem für Kokskohle und Koks explodiert seien. Deutschland besitze rund 900 Millionen Tonnen der für die Stahlherstellung dringend benötigten Kokskohle. Die RAG liefere mit längerfristigen Verträgen Koks und Kohle deutlich unter den aktuellen Spotmarktpreisen. Insofern profitiere die RAG nur in sehr geringem Umfang von den aktuell hohen Preisen. "Richtig ist: Bleiben die Preise langfristig hoch, sinken die staatlichen Kohlehilfen unter Plan und entlasten die Haushalte", sagte Müller.<BR><BR>Die Grünen-Energiepolitikerin Michaele Hustedt wies den Vorstoß des Ex-Bundeswirtschaftsministers klar zurück. Ob Automobil- oder Chemieindustrie - in jedem Wirtschaftszweig gebe es ein unternehmerisches Risiko, das nicht vom Staat abgefedert werde. "Entweder es rechnet sich, in Deutschland Kokskohle zu fördern, oder man vermutet, dass es sich doch nicht rechnet und der Staat das Risiko tragen soll."<BR><BR>Auch SPD-Vizefraktionschef Michael Müller äußerte sich zurückhaltend. Schließlich habe die RAG vor einigen Jahren den schnellen Ausstieg aus der Förderung forciert, weil Importkoks so billig gewesen sei. Die Union begrüßte, dass die Energiewirtschaft eine neue Kohlezeche bauen wolle. "Aber Subventionen für den Neubau einer Zeche wird es nicht geben", sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Dagmar Wöhrl.<BR></P><P><BR> </P>

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