Nur wenig hitzefrei am Bau: Unternehmen bangen um Aufträge

- München - Die Arbeiter auf Deutschlands Baustellen leiden unter der Hitzewelle. Während Angestellte im Büro die Klimaanlage hochdrehen und sich Schüler im Freibad erfrischen, schuften Maurer oder Betonmischer teils ungeschützt in der Glutsonne. Nach der Hitzefrei-Forderung der Gewerkschaft IG-Bau hat nun auch der Branchenverband ZDB die Baufirmen aufgerufen, auf die Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen - nicht alle halten sich daran.

ZDB-Vizepräsident Frank Dupré forderte die Mitgliedsunternehmen am Freitag auf, "verantwortungsvoll" auf die "tropischen Temperaturen" zu reagieren. Er wies darauf hin, dass der Tarifvertrag einen flexiblen Umgang mit den Arbeitszeiten erlaube und diese je nach der Situation auf den Baustellen und den betrieblichen Erfordernissen angepasst werden könnten. "Hitzefrei ist schon heute möglich, sofern die betrieblichen Belange dies erfordern", ließ Dupré mitteilen.

IG-Bau fordert Schutzvorschriften

Nach seinen Angaben hat ein Teil der Branche die Arbeitszeiten in den vergangenen Tagen ohnehin bereits an die Temperaturen angepasst. Im Einvernehmen mit den Beschäftigten werde die Arbeit

früher begonnen und zum Teil in die Abendstunden verlegt, um der Mittagshitze auszuweichen, erklärte der Verbands-Mann. Zudem würden die Pausen verlängert.

Tatsächlich machen in der Praxis aber viele Baufirmen nicht von diesen Möglichkeiten Gebrauch. Grund dafür ist, dass sich die Auftragsbücher dank der auflebenden Konjunktur erstmals seit Jahren wieder stärker füllen (siehe Kasten). "Die Unternehmen haben Verträge und stehen deswegen teilweise unter Zeitdruck", sagte ZDB-Sprecherin Ilona Klein unserer Zeitung. "Da will natürlich keiner die Arbeit einstellen." Der viertgrößte deutsche Baukonzern Zueblin bestätigte auf Nachfrage, dass es deswegen keine einheitliche Anweisung für alle Baustellen gebe, auf die Hitze zu reagieren. Dies werde vor Ort vom Bauleiter entschieden, hieß es. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher der Nummer zwei, Bilfinger Berger.

Die Gewerkschaft IG-Bau kritisierte erneut, dass der Betrieb auf manchen Baustellen trotz kritischer Temperaturen und Ozonwerte unverändert weitergeht. Sprecherin Sigrun Heil forderte die Arbeitgeber zudem auf, ihre Angestellten mit Sonnencreme und Wasser zu versorgen und die Arbeiten frühmorgens oder abends durchzuführen. Am Vortag hatte Gewerkschaftsboss Klaus Wiesenhügel gefordert, das Leben von Menschen über den Profit zu stellen. "Wir müssen darüber nachdenken, ob extrem heiße Tage nicht unter ,Schlechtwetter’ fallen sollten wie klirrende Kälte im Winter", hatte Wiesenhügel gesagt (wir berichteten).

Die IG-Bau forderte zudem arbeitsrechtliche Schutzvorschriften bei heißem Wetter, die es bislang nicht gibt. Sprecherin Heil bedauerte, dass die sogenannte EU-Sonnenschutz-Richtlinie im Herbst 2005 nicht verabschiedet wurde. Diese sah unter anderem vor, dass Arbeitgeber ihre Beschäftigten von den Risiken übermäßiger Sonnenbestrahlung informieren müssen. Heil räumte aber auch ein, dass viele Bauarbeiter nachlässig seien, wenn sie trotz Warnungen von Hautärzten ohne Oberbekleidung ihrer Tätigkeit nachgehen und sich somit ungeschützt der UV-Strahlung aussetzen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Microsoft startet Vorverkauf seiner neuen Konsole Xbox One X
Microsofts neues Konsolen-Modell Xbox One X können nun auch Nutzer in Deutschland vorbestellen.
Microsoft startet Vorverkauf seiner neuen Konsole Xbox One X
Katar verhindert angeblich saudische Flüge nach Mekka
Katar verweigert der staatlichen saudischen Fluggesellschaft nach deren Angaben bislang die Landeerlaubnis, um Pilger aus dem Emirat zur Hadsch-Wallfahrt nach Mekka zu …
Katar verhindert angeblich saudische Flüge nach Mekka
Apfelbauern rechnen mit deutlich geringerer Ernte
Kalte Nächte im April - Apfelbauern in den wichtigen Anbaugebieten am Bodensee und im Alten Land erwarten deswegen nun massive Schäden. Die Landwirte rechnen mit einer …
Apfelbauern rechnen mit deutlich geringerer Ernte
Siemens verliert Streit um Turbinen vor Moskauer Gericht
Siemens hat im Streit um sanktionswidrig auf die Halbinsel Krim gebrachte Gasturbinen eine Niederlage erlitten.
Siemens verliert Streit um Turbinen vor Moskauer Gericht

Kommentare