Wenig Hoffnung für die karibischen Träume in Hof

Flughafen-Ausbau: - Das Bangen um Hofs defizitären Flughafen geht weiter. Die letzte Hoffnung ruht nun auf einem kaum bekannten Investor, einer Firma mit Briefkasten-Adresse in der Karibik. Die Skepsis wächst.

Hof/München - Es klingt wie im Märchen. Als die Not am größten ist, kommt plötzlich ein reicher Mann von einer fernen Insel, reißt seinen Geldbeutel auf und lässt Millionen über die glückliche Region regnen. Es ist das Märchen, das Oberfranken träumt. Ein Investor von den britischen Jungferninseln will angeblich den defizitären Mini-Flughafen Hof-Plauen retten. Es bleibt wohl ein Traum.

Seit elf Jahren ist der Airport "HOQ" ein Trauerspiel. Ein Abflug morgens, einer mittags, einer abends, sonntags Ruhe - das ist der vollständige Flugplan. 4000 Euro Defizit haben Kommunalpolitiker errechnet - pro Tag. Ein Ausbau mit einer 2,5-Kilometer-Piste könnte viele Ferienflüge anziehen, hofft das Rathaus in Hof und schwärmt von Nordafrika und Mallorca. Gut 50 Millionen Euro würde der Ausbau kosten.

Wer soll das zahlen? Vor drei Jahren tauchte mal ein US-Investor auf, versprach 100 Millionen Euro. Dann war er plötzlich wieder weg. Als Nächstes sagte Stoiber 31,8 Millionen Euro zu. Daraufhin forderte der Oberste Rechnungshof den Ministerpräsidenten öffentlich auf, mit Steuergeldern bitte gewissenhafter umzugehen.

Nun will das Logistikunternehmen Medov mit dem steuersparenden Sitz in Road Town, PO Box 146, Britische Jungferninseln, 72,5 Millionen Euro investieren. Es gibt eine schriftliche Absichtserklärung und sogar eine eigene Gesellschaft. Eine Münchner Vermögensverwaltungs-Firma wurde Ende März zur "Egrensis Aviation AG" umbenannt. Ziel laut Handelsregister: "Entwicklung des Luftverkehrs" in der Region Hof. Sogar der frühere Flughafen-Geschäftsführer arbeitet mit.

Dahinter steckt Medov. Als Luftfahrtspezialisten fielen die Herren aus der Karibik bisher nicht auf. In Road Town (9000 Einwohner) ähnelt der Flughafen eher Hofer Dimensionen. Medov transportiert Waren per Schiff und Lkw und bietet, mit Schwerpunkt in Italien, Kreuzfahrten an. Angeblich plant die Firma eine Flugverbindung Hof-Italien, ohne Staatszuschuss.

"Das ist die letzte Chance für den Ausbau des Flughafens", sagt Landrat Bernd Hering (SPD). "Wir harren der Dinge und hoffen." Seine persönliche Hoffnung liege noch bei 70 Prozent. Nun ja: Ein Gespräch mit den Investoren in München ließ Medov gestern kurzfristig platzen. Ein Nachholtermin ist nicht bekannt. Auch die versprochene Finanzierungszusage ging bis zum Abend nicht in München bei einem Notar ein.

Verkehrsminister Erwin Huber traf sich am Nachmittag mit Hofs Oberbürgermeister Harald Fichtner. Die Parteifreunde schwiegen anschließend dezent über das Gesprächsergebnis. Huber hatte neulich schon düster resümiert: "Über Hof wurden ja schon öfter irgendwelche Phänomene gesichtet."

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