Zusatzversicherung Zahnersatz

Nur wenige Policen überzeugen

Die Deutschen sorgen sich um ihre Zähne. Doch die gefragten Zusatzversicherungen bieten oft nur geringe Leistungen, sind kompliziert und teuer. Wer sorgfältig auswählt, findet trotzdem gute Policen, die sich lohnen.

Das Geschäft mit Zahnzusatzversicherungen ist seit Jahren der Renner für die Assekuranzen. Etwa elf Millionen deutsche Kassenpatienten haben bereits eine private Police abgeschlossen, die sich an den horrenden Kosten für Zahnersatz beteiligen soll. Vor allem Frauen legen sich einen solchen Schutz zu, damit sie nicht irgendwann allein Kronen, Implantate oder Inlays finanzieren müssen. Die braucht früher oder später jeder: Statistiken zufolge fehlen jedem Bundesbürger im Alter von 35 bis 44 Jahren 2,7 Zähne.
Fachleute nennen vor allem zwei Gründe für den Versicherungs-Boom: Einerseits zahlen die gesetzlichen Krankenkassen seit der Gesundheitsreform im Jahr 2005 nur noch feste Zuschüsse je nach Befund. Die decken die Kosten im Schnitt aber nur zur Hälfte. Andererseits legen die Menschen mehr Wert auf Äußerlichkeiten. „Zahnärzte berichten von immer mehr Patienten, die im erwachsenen Alter ihr Gebiss richten und verschönern lassen wollen“, sagt Hermann-Josef Tenhagen.
Der Chefredakteur des Magazins „Finanztest“ stellte gestern in Berlin die Ergebnisse eines Vergleichs von Zahn-Policen vor, die im Dezember-Heft erscheinen. Für viele Anbieter fallen sie wenig schmeichelhaft aus: Das Gros der 140 getesteten Angebote bietet nur „befriedigende“ oder „ausreichende“ Leistungen, wie es heißt. Zudem seien die Verträge kompliziert und undurchsichtig. Nur die Tarife „central.prodent“ des Versicherers Central, „ZG“ von der Barmenia und „Flexib ZE Top + ZB“ der Schweizer CSS schnitten „sehr gut“ ab.
„Die Unterschiede bei den Leistungen der Zahnzusatzversicherungen sind enorm“, sagt Stephan Kühnlenz, Versicherungsspezialist bei der von der Stiftung Warentest herausgegebenen Zeitschrift. So habe bei dem zugrunde gelegten Modellbeispiel der beste Anbieter für ein 2300 Euro teures Zahnimplantat mehr als 1700 Euro zugegeben, während sich der schlechteste gar nicht beteiligte. Auch bei weniger aufwändigen Behandlungen mit Kronen oder Inlays sind die Unterschiede bei der Zuzahlung den Angaben zufolge teilweise enorm. Alle Ausgaben erstattet jedoch selbst der beste Tarif nicht. Kühnlenz: „Meist muss zumindest ein Teil der Kosten selbst übernommen werden.“ Das sollten alle Versicherten beachten, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Die Warentester bewerteten neben dem Umfang der Zuschüsse auch mögliche Obergrenzen. Fast alle Versicherer deckeln die Kostenübernahme in den ersten Jahren. Einige hätten auch nach drei oder mehr Jahren sehr niedrige Maximalbeträge, kritisiert Kühnlenz. Je niedriger diese Grenzen seien, desto negativer hätte es sich in der Bewertung niedergeschlagen.
Die Stiftung hatte Zahnzusatztarife verschiedener Spielart unter die Lupe genommen. 80 davon sind allen Kassenpatienten zugänglich, da sie von privaten Versicherern angeboten werden. 60 weitere Produkte werden nur Mitgliedern bestimmter Kassen angedient, wobei diese Tarife nicht gut ankamen: Sie böten oft nicht die beste Leistung am Markt, bemängeln die Experten.
Auch rechtlich unterscheiden sich die getesteten Offerten. Einige sind nach Art einer Lebensversicherung kalkuliert, sodass der Einstandspreis auf Dauer stabil bleibt. Er hängt vom Eintrittsalter des Kunden bei Vertragsabschluss ab. Andere sind eine „Schadenversicherung“, bei der die Prämie in Abhängigkeit vom Alter steigen kann.
Die Stiftung Warentest urteilt, dass sich Zusatzversicherungen für alle lohnen, die Zahnersatz haben wollen, den die Kasse nicht zahlt. Allerdings sollten die Verbraucher genau ihren Bedarf prüfen, bevor sie Verträge unterzeichnen. Wem an einer Rundum-Versorgung und edlen Materialien gelegen ist, der sollte auf eine umfangreiche Leistungspalette achten. Andernfalls tun es auch günstigere Angebote. Zudem sollten die Patienten früh aktiv werden, wie Tenhagen sagt. „Wer schon schlechte Zähne hat, bekommt später nur schwer einen guten Schutz.“

fe/ap

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