Weniger Geld, dafür mehr Arbeit

- München - Siemens verlangt vom Personal des Krisenbereichs SBS zwei Stunden unbezahlte Mehrarbeit und zugleich zehn Prozent Lohnkürzung. Dafür soll der Konzern für fünf Jahre Beschäftigungsgarantien geben. Die bundesweit 12 000 Beschäftigten der Siemens-Krisensparte Siemens Business Services (SBS) - in München sind es 4300 - sollen pro Woche zwei Stunden länger arbeiten und zugleich auf etwa ein Zehntel ihres Gehalts verzichten.

Mit dieser Forderung hat das Management das SBS-Personal bei den laufenden Sanierungsgesprächen konfrontiert, erklärten daran Beteiligte. Falls Siemens auf mindestens fünf Jahre Garantien für Standorte und Beschäftigung gebe, sei die Gewerkschaft grundsätzlich kompromissbereit, sagte ein Sprecher der IG Metall. Siemens selbst macht zu den Verhandlungen keine Angaben. Die Positionen des Konzerns liegen aber auf dem Tisch.

Statt 35 Wochenstunden verlangt SBS demnach eine unbezahlte Aufstockung auf 37 Stunden. Ferner sollen Urlaubsgeld und dreizehntes Monatsgehalt durch eine ergebnisbezogene Erfolgsbeteiligung ersetzt werden, die derzeit allerdings bei null läge. Denn SBS schreibt chronisch Verluste. 690 Millionen Euro Rekorddefizit verbuchte der Siemens-interne IT-Dienstleister voriges Geschäftsjahr. In dieser Periode ist bislang gut eine weitere halbe Milliarde Euro Verlust aufgelaufen.

Um endlich wettbewerbsfähig zu werden, will Siemens das SBS-Personal auch komplett neu eingruppieren, wobei es zu einer zusätzlichen Absenkung der Monatsgehälter kommen könne, erklärt die IG Metall. Rechnerisch fordert Siemens vom betroffenen Personal damit gut ein Zehntel Lohnverzicht und zwei Stunden unbezahlte Mehrarbeit. Trotz dieser harten Einschnitte zeigen sich Betriebsräte und Gewerkschafter gesprächsbereit, weil sich SBS in einer "sehr prekären und heiklen" Situation befinde. Unter der Belegschaft kursieren Gerüchte, Siemens wolle SBS bei einem Scheitern der Sanierung auf eine rein interne IT-Abteilung verkleinern und den Rest der Sparte unter Verlust Tausender Stellen schließen, weil sich dafür im jetzigen Zustand kein Käufer finde.

Im Unternehmen wird dem heftig widersprochen. SBS solle saniert werden und zumindest vorerst unter dem Dach des Konzerns bleiben. Den Beschäftigten und Gewerkschaftern ist indes das Risiko bewusst, dass SBS mit möglichen Zusagen der Belegschaft lediglich in einen verkaufsfähigen Zustand gebracht und dann veräußert werden könnte. Deshalb sollen in einem Sanierungsabkommen Klauseln vereinbart werden, die Mitspracherechte der Arbeitnehmer bei einem völligen oder teilweisen Verkauf von SBS zusichern.

"Ein Sanierungsbeitrag der Belegschaft ist unvermeidlich", räumte ein an den Verhandlungen beteiligter Personalvertreter ein. Das darauf entfallende Sparziel beträgt laut Siemens rund 100 Millionen Euro. Insgesamt hat das SBS-Sparpaket ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Im Rahmen dessen wurde bereits ein Abbau von global 5400 Arbeitsplätzen bei SBS beschlossen sowie ein Verkauf von Teilen der Krisensparte.

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