Weniger Lehrstellen, mehr Bewerber

- München - Die Situation am Lehrstellenmarkt spitzt sich weiter zu. Im Mai suchten rund 44 000 Jugendliche in Bayern eine Lehrstelle - etwa 2000 mehr als im selben Vorjahresmonat. Im Schnitt kamen auf 100 Bewerber gerade mal 47 Ausbildungsplätze. Bayern hat daher das Förderprogramm "Fit for Work" ausgeweitet. Mit insgesamt neun Millionen Euro wird die Schaffung neuer Lehrstellen gefördert. Der DGB Bayern begrüßt das Programm, bezeichnet es aber zugleich als "Zeichen der Ratlosigkeit".

<P>"Immer mehr Unternehmen ziehen sich aus der Ausbildung zurück", sagt DGB-Arbeitsmarktexperte Robert Günthner. Inzwischen biete nur noch jeder dritte Betrieb in Bayern Lehrstellen an. Der Arbeitsmarktexperte forderte daher erneut, Betriebe ohne Lehrlinge an den Ausbildungskosten zu beteiligen. "Später profitieren alle von gut ausgebildeten Fachkräften."<BR><BR>Günthner erwartet, dass es in diesem Jahr noch schwieriger wird, neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen. "Wer im letzten Jahr eine zusätzliche Lehrstelle geschaffen hat, wird heuer vermutlich keine weiteren anbieten." Schließlich seien die neu eingestellten Jugendlichen erst im zweiten Lehrjahr. "Außerdem geht es vielen Betrieben, zum Beispiel im Einzelhandel, noch schlechter als im Vorjahr."<BR><BR>Insgesamt 20 825 freie Ausbildungsplätze sind derzeit in Bayern registriert - ein leichter Anstieg im Vergleich zum Mai 2004. Für Bayerns Sozialministerium dennoch kein Grund zur Entwarnung. Um vor allem kleinere Betriebe zu bewegen, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen, hat das Ministerium das Förderprogramm "Fit for Work" ausgeweitet. So wird jede neue Lehrstelle einmalig mit 2500 Euro gefördert. Voraussetzung ist, dass es sich entweder bei dem Jugendlichen um einen so genannten Altbewerber aus den früheren Jahren handelt oder der Ausbildungsplatz in einem Betrieben mit maximal 20 Beschäftigten entsteht.<BR><BR>"Bei den kleinen Betrieben sehen wir noch großes Ausbildungspotenzial", begründet Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) die Förderung. Außerdem unterstützt der Freistaat die Verbundausbildung - bei der mehrere Betriebe gemeinsam eine Lehrstelle schaffen. Schließlich zahlt der Freistaat Jugendlichen, die für ihre Lehrstelle in eine teurere Stadt umziehen, einen Wohnzuschuss von bis zu 150 Euro im Monat.<BR><BR>Trotz schwieriger Wirtschaftslage zeigt sich die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) optimistisch, die Vorgaben des Ausbildungspaktes auch in diesem Jahr zu erfüllen. "Ende Mai hatten wir bereits 1750 zusätzliche Ausbildungsplätze und rund 400 Praktikumsplätze", so Sprecherin Sibylle Bauer. Nach den Vorgaben den Paktes müsste die IHK 2800 neue Lehrstellen akquirieren. Mehr als 100 Ausbildungslotsen - die meisten ehrenamtlich - sind derzeit im Freistaat unterwegs, um das ehrgeizige Lehrstellen-Ziel zu erreichen. Ihnen sei es zu verdanken, dass bereits so viele neue Stellen gemeldet wurden, betont Bauer. Eine einheitliche Ausbildungsabgabe, wie sie die Gewerkschaften fordern, lehnt die IHK dagegen vehement ab.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Problemflieger A400M lässt Airbus-Gewinn einbrechen
Schon wieder neue Milliardenkosten: Das Transportflugzeug A400M bereitet Airbus Sorgen ohne Ende. Nun setzt der Chef des Flugzeugbauers die Käuferstaaten unter Druck - …
Problemflieger A400M lässt Airbus-Gewinn einbrechen
Bayer für Milliardendeal gewappnet
Bayer-Chef Baumann hält an seinem Zeitplan fest: Bis zum Jahresende soll der Erwerb des US-Saatgutriesen Monsanto abgeschlossen sein - und das laufende Geschäft mit …
Bayer für Milliardendeal gewappnet
„Capri-Sonne“ verschwindet vom Markt - und Harry G grantelt in neuem Video
München - Ab sofort heißt die Capri-Sonne nicht mehr Capri-Sonne, sondern Capri-Sun. Fans des Kultgetränks finden das gar nicht gut, und auch Harry G ist empört und …
„Capri-Sonne“ verschwindet vom Markt - und Harry G grantelt in neuem Video
Fresenius erreicht wieder Rekordjahr
Der Gesundheitskonzern Fresenius legt 2016 das 13. Rekordjahr in Folge hin. Nun peilt er auch mit Übernahmen weitere Höchststände an - trotz Unsicherheiten über Trump in …
Fresenius erreicht wieder Rekordjahr

Kommentare