Weniger Lohn für mehr Arbeit: Telekom und Verdi streiten weiter

- München - Im Konflikt zwischen der Deutschen Telekom und der Gewerkschaft Verdi wegen der Auslagerung von 50 000 Service-Mitarbeitern ist weiter keine Lösung in Sicht. Die Lager kamen sich auch bei den jüngsten stundenlangen Gesprächen über Gehalt und Arbeitszeit der betroffenen Beschäftigten kaum näher. Die Telekom fordert weiter Lohnverzicht und Mehrarbeit, Verdi hält mit Streikdrohungen dagegen.

Am Montagvormittag hatten sich die Delegationen des Telekom-Konzerns und von Verdi bereits zum vierten Mal in Bonn getroffen, um über die vor einigen Wochen beschlossene Auslagerung der T-Com-Mitarbeiter in Subunternehmen zu verhandeln. Schon vor der Sitzung hatte sich vor allem die Gewerkschaftsseite wenig optimistisch gezeigt, dass es zu einer Einigung kommt: "Wir haben kein Signal bekommen, dass sich etwas in positive Richtung bewegt", sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder, der auch im Bundesvorstand der Gewerkschaft sitzt.

Im Lauf des Tages bewegten sich die Tarifparteien offenbar nicht auf einander zu. Am Nachmittag hieß es von Seiten der Telekom, dass mit einem baldigen Durchbruch nicht zu rechnen ist. Ein Verdi-Vertreter erklärte gegenüber unserer Zeitung, er sei "sehr skeptisch". Als kleinen Fortschritt werteten Beobachter allerdings, dass Management und Arbeitnehmervertreter offenbar erstmals über inhaltliche Details der Auslagerung sprachen. In den Runden zuvor war es allein um Grundsatzfragen des angekündigten Umbaus der Unternehmenssparte gegangen.

Wenn die Telekom ihre Pläne wahrmacht, befürchten viele, dass der Service darunter leiden wird. Welche Erfahrungen haben Sie mit den Leistungen der Telekom schon gemacht?

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Die Verhandlungen, die ohne Zeitlimit geführt wurden, dauerten bis in die Abendstunden. Begleitet worden waren sie tagsüber von erneuten Warnstreiks. Bundesweit legten nach Verdi-Angaben 12 000 Mitarbeiter der von den Umbau-Plänen betroffenen Festnetzsparte T-Com die Arbeit zeitweise nieder. Auch in München trafen sich mehrere hundert Angestellte in der Nähe des Hauptbahnhofs, um gegen das Vorhaben zu protestieren. Durch die Aktionen soll es unter anderem zu Verzögerungen bei der Freischaltung von Festnetzanschlüssen gekommen sein.

Der Ärger der Arbeitnehmer entzündet sich an dem von Telekom-Vorstandschef René Obermann durchgeboxte Vorhaben, rund 50 000 der 109 000 T-Com-Beschäftigten ab 1. Juli in Service-Gesellschaften auszulagern. Betroffen sind die Bereiche Call Center, technischer Kundendienst und Infrastruktur. Obermann will durch diesen Schritt 900 Millionen Euro im Jahr einsparen, denn für die betroffenen Mitarbeiter soll ein neuer Tarifvertrag ausgehandelt werden, der längere Arbeitszeiten bei geringerer Bezahlung vorsieht.

So will das Unternehmen durchsetzen, dass sich die Mitarbeiter künftig 38,5 statt bisher 34 Stunden in den Dienst des Unternehmens stellen. Zugleich sollen die Gehälter teilweise deutlich sinken. Geplant ist etwa, Berufsanfängern in Call-Centern künftig 20 000 anstatt 34 000 Euro brutto im Jahr zu zahlen. Im Gegenzug bietet die Telekom an, die Beschäftigungsgarantie über 2008 zu verlängern.

"Wir haben einen immensen Produktivitätsnachteil und Rahmenbedingungen, die dem Wettbewerb nicht gerecht werden", begründet Obermann die vorgesehenen Einschnitte. Dennoch brachte die T-Com-Sparte dem Konzern auch im vergangenen Jahr erneut einen Milliardengewinn (Betriebsergebnis: 3,3 Mrd. Euro) ein. Allerdings verabschiedeten sich wegen zu hoher Preise und schlechtem Service zugleich hunderttausende Kunden.

Verdi stemmt sich gegen Kürzungen bei der Belegschaft. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie man Mitarbeiter motiviert, die weniger verdienen und mehr arbeiten müssen", sagte Bayerns Verdi-Chef Josef Falbisoner unserer Zeitung. "Wir wollen einen Ausgründungsvertrag." Sollte die Telekom sich darauf nicht einlassen, schließt Falbisoner eine Ausweitung der Streiks nicht aus.

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