Weniger Steuer, mehr Zuzahlung: Die wichtigsten Neuerungen 2004

- Den Bundesbürgern stehen zum Jahreswechsel zahlreiche Änderungen bevor: Steuerentlastungen auf der einen Seite, einschneidende Änderungen bei Gesundheit und am Arbeitsmarkt auf der anderen Seite. Und wie jedes Jahr ändern sich in den Sozialversicherungen die Beitragsbemessungsgrenzen. Die wichtigsten Neuerungen fassen wir heute und in den beiden folgenden Ausgaben zusammen.

<P>Medikamente<BR>Die Zuzahlung zu Medikamenten und Hilfsmitteln (z. B. Hörgeräte oder Rollstühle) beträgt künftig generell zehn Prozent, mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro. Kostet ein Präparat weniger als fünf Euro, muss es der Kassenpatient komplett selber bezahlen. Keine Erstattung gibt es für nicht-verschreibungspflichtige Präparate und solche, die überwiegend zur Verbesserung des Wohlbefindens dienen, etwa Appetit-Hemmer, Haarwuchsmittel oder das Potenzmittel Viagra.</P><P>Heilmittel und Pflege<BR>Auch bei Heilmitteln und bei häuslicher Krankenpflege müssen die Patienten in die eigene Tasche greifen: Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten zuzüglich zehn Euro je Verordnung. Wer sich sechs Massagen verschreiben lässt, der muss also 10 Prozent der Masseur-Rechnung plus zehn Euro für die Verschreibung berappen.</P><P>Belastungsgrenze<BR>Für Zuzahlungen zu medizinischen Leistungen gilt eine Grenze von zwei Prozent des Jahres-Bruttoeinkommens. Dabei werden auch Miet- und Kapitalerträge eingerechnet. Bei chronisch Kranken - die bisher keine Zuzahlung kannten - liegt die Belastungsgrenze bei einem Prozent und damit halb so hoch. Für Eltern verringern sich die Belastungsobergrenzen je Kind und Jahr um 3648 Euro, für den Ehepartner kommt noch ein Freibetrag von 4347 Euro hinzu. Bei Sozialhilfeempfängern orientiert sich die Belastungsgrenze am Regelsatz des Haushaltsvorstands. Ein chronisch kranker Sozialhilfebezieher muss danach jährlich rund 36 Euro zuzahlen. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sind von Zuzahlungen generell befreit.</P><P>Praxisgebühr<BR>Eine Praxisgebühr von zehn Euro wird fällig beim ersten Arzt- und Zahnarztbesuch im Quartal, auch wenn es dabei nur um die Ausstellung eines Rezepts geht. Gleiches gilt für eine ambulante Behandlung im Krankenhaus. Bei Überweisung an einen Facharzt wird keine weitere Praxisgebühr fällig. Ebenso bei Kontrollbesuchen beim Zahnarzt, bei Schwangerschaftsvorsorge oder Schutzimpfungen.<BR>Über Bonusmodelle vieler Krankenkassen können sich Versicherte die Praxisgebühr allerdings ganz oder teilweise wieder zurückholen: Belohnt wird gesundheitsbewusstes Verhalten, etwa die regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen oder Fitness-Programmen oder der Erwerb des Sportabzeichens.</P><P>Krankenhaus<BR>Die Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalt beträgt 10 (bisher: 9) Euro pro Tag, begrenzt auf maximal 28 (bisher: 14) Tage im Kalenderjahr. Dieselben Kosten können noch einmal fällig werden, wenn der Patient anschließend in stationäre Rehabilitation geht.</P><P>Fahrtkosten<BR>Fahrtkosten zum Arzt - etwa mit dem Taxi - werden grundsätzlich nicht mehr von der Kasse übernommen. Das Sterbegeld entfällt.</P><P>Brillengläser<BR>Brillengläser sind aus dem Zuschuss-Katalog der Kassen gestrichen, nur Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr und schwer sehbeeinträchtigte Menschen bekommen noch etwas dazu.</P><P>Zahnersatz<BR>Zahnersatz wird bis Ende 2004 noch von den Kassen bezuschusst. Von 2005 an müssen die Versicherten diese Leistung separat und aus eigener Tasche absichern.</P><P>Beitragsbemessung<BR>In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung erhöht sich die Einkommensgrenze, bis zu der Beiträge entrichtet werden müssen, von monatlich 3450 auf 3487,50 Euro (Ost und West). Wer als Rentner noch Betriebsrenten, Kapitalerträge oder Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit erhält, muss darauf unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze Kassen- und Pflegebeiträge bezahlen.</P><P>Versicherungspflicht<BR>Die Versicherungspflichtgrenze (sie stellt die Einkommensobergrenze dar, bis zu der Beschäftigte Pflichtmitglied in einer gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sind) steigt von 3825 auf 3862,50 Euro. Ein Großteil der Einschnitte gilt auch für die Beamten.</P>

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