Weniger Verlust, mehr Umsatz: Biotech-Branche kommt vorwärts

- München - In Deutschlands Biotech-Branche geht es wieder aufwärts. Nach einem Durchhänger sind die Umsätze der Unternehmen im vergangenen Jahr gestiegen, wie aus dem "Deutschen Biotechnologie-Report 2005" des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young hervorgeht. Knappe Kassen und zurückhaltende Investoren bleiben allerdings für die Branche ein Problem.

<P>"Die gute Nachricht ist, dass die deutsche Biotechnologie-Branche die Talsohle fast durchschritten hat", erklärte Alfred Müller, Vorstandsmitglied von Ernst & Young. Die knapp 350 Unternehmen setzten im vergangenen Jahr 1,03 Milliarden Euro um. Das waren etwa sieben Prozent mehr als 2003 und es entspricht einer leichten Steigerung gegenüber dem Wert von 2002. Die meisten deutschen Biotech-Unternehmen befinden sich in einer frühen Entwicklungsphase. Sie geben Geld für die Erforschung von Technologien und Wirkstoffen aus, die sie - wenn es gut läuft - in der Zukunft vermarkten werden. Bis es so weit ist, fallen Verluste an. Diese sind zwar zuletzt von 549 auf 486 Millionen Euro gesunken, ein gutes Viertel der Betriebe erzielte sogar Gewinne. Doch in der Mehrzahl benötigen die Unternehmen finanzielle Unterstützung von Investoren. Und die ist seit dem Börsencrash schwer zu bekommen.<BR><BR>"Nach wie vor besteht in der deutschen Biotechnologie-Industrie ein erheblicher Kapitalbedarf", stellen die Experten von Ernst & Young fest. Die Börse steht gerade jungen Unternehmen kaum zur Verfügung. Nur drei Prozent der deutschen Biotechs sind börsennotiert. Und auch Risikokapitalgeber zeigen sich "sehr selektiv", heißt es in der Studie. Vor allem reifere Unternehmen würden finanziert. Das führt dazu, dass Firmen vom Markt verschwinden - im vergangenen Jahr meldeten 31 Biotechs in Deutschland Insolvenz an oder wurden aufgelöst.<BR><BR>"In schwierigen Zeiten hat die Biotech-Region München ihre Spitzenposition weiter ausgebaut", erklärt Horst Domdey vom Standort-Förderer Bio-M in Martinsried (Landkreis München). In die Region seien 170 Millionen Euro an Kapital geflossen. 30 Prozent aller Produkte, die die Branche deutschlandweit in der Entwicklung hat, stammten von hier. "Gerade Unternehmen, die schon eine gewisse Reifezeit durchgemacht haben, sind auf gutem Weg." So konnte die Medigene AG im vergangenen Jahr als erste der Branche in Deutschland mit Eligard ein Medikament auf den Markt bringen. GPC Biotech hofft, 2007 für sein erstes Präparat die Zulassung zu erhalten. Und Morphosys erreichte im vergangenen Jahr die Gewinnschwelle. Die drei Tec-Dax-Unternehmen zählen zu den Martinsrieder Hoffnungsträgern und spielen eine aktive Rolle bei der Konsolidierung in der Branche. Medigene etwa übernahm die Vermögenswerte der insolventen Munich Biotech und GPC Biotech schluckte kürzlich die Axxima Pharmaceuticals AG.<BR><BR>Zwar haben 26 Neugründungen - sieben davon im Raum München - die Zahl der vom Markt verschwundenen Unternehmen beinahe ausgeglichen, doch das Arbeitsplatzangebot in der Branche ist deutlich gesunken. Fast 1500 Stellen fielen weg. 80 Prozent der Firmen beschäftigen weniger als 30 Mitarbeiter. Insgesamt sind noch gut 10 000 Menschen in Deutschland bei Biotech-Betrieben tätig. Immerhin könnte sich auch hier eine Trendwende anbahnen. Von den für die Studie befragten Unternehmen gaben 84 Prozent an, heuer neue Mitarbeiter einstellen zu wollen.<BR></P>

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