Weniger Wohnungen, höhere Mieten

Wiesbaden/München - Die Zahl der Baugenehmigungen in Deutschland ist drastisch gesunken. Wie das statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, wurde von Januar bis September 2007 der Bau von 136 000 Wohnungen genehmigt. Das sind 31,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der Rückgang von Baugenehmigungen für Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern (minus 39,8 und minus 42,6 Prozent) fiel dabei deutlich höher aus als die Abnahme der Genehmigungen für Mehrfamilienhaus-Wohnungen (minus 14,3 Prozent). "Die Ursache für die drastischen Rückgänge dürfte insbesondere in der Abschaffung der Eigenheimzulage liegen", hieß es in der Mitteilung.

Für Bauanträge, die vor dem Stichtag 1. Januar 2006 eingereicht wurden, konnte noch der Anspruch auf die Förderung für einen Zeitraum von acht Jahren geltend gemacht werden. Dies hatte zu Vorzieheffekten mit hohen Genehmigungszahlen bis ins erste Quartal 2006 geführt. Umso deutlicher wirkt sich jetzt der Einbruch aus - auch in Bayern. Laut Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung wurden im Freistaat in den ersten neun Monaten 29 036 Wohnungen genehmigt, das sind 34,6 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dies bekamen in den vergangenen Monaten vor allem Bauwirtschaft und Immobilienbranche zu spüren. "Der Wohnungsbau liegt am Boden", sagt Holger Seit, Pressesprecher der Landesvereinigung Bauwirtschaft Bayern. Noch nie habe es solch einen eklatanten Einbruch auf dem Wohnungsbausektor gegeben. Negative Folgen sieht er vor allem für Ballungsräume wie München voraus: "Extreme Mietpreissteigerungen werden die Folge sein." Nach dem Wegfall der Eigenheimzulage benötige seine Branche dringend neue Investitionsanreize. Als Lösung nennt er eine Einbeziehung des Wohneigentums in die Riester-Förderung.

Ähnlich beurteilt auch Stephan Kippes, Geschäftsführer des Immobilienverbands Deutschland Süd (IVD Süd) die Lage. "Die Abschaffung der Eigenheimzulage hat dem Markt wehgetan", so Kippes. Derzeit prallten die Folgen des Aufschwungs - steigende Einkommen und größere Nachfrage nach Mietimmobilien - auf einen nur begrenzten Wohnungsmarkt, erklärt Kippes. Klar, dass die Mietpreise in die Höhe schnellten. Der IVD Süd habe schon seit Jahren vor einer Abschaffung der Förderung gewarnt, nun müsse sich die Regierung Alternativen zur regionalen Wohnbauförderung überlegen.

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