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Hochwasser

Die wenigsten Opfer sind versichert

München - Das Wasser weicht. Das richtet sich der Blick auf die finanziellen Schäden. Oft treffen sie die Eigentümer allein. Die meisten Haushalte sind gegen Elementarschäden nicht abgesichert.

In vielen Orten gehen die Pegelstände zurück. Doch tagelang überflutete Häuser werden noch lange die Spuren der Hochwasserkatastrophe zeigen. Bis Wände und Böden abgetrocknet sind, dauert es – auch bei Einsatz von Trocknungsgeräten – Wochen, wenn nicht Monate. Viele Häuser sind gar nicht zu retten. Doch die Versicherungswirtschaft bleibt gelassen. Nur ein Bruchteil der Betroffenen ist wirksam versichert.

Experten wollen keine Summe nennen. „Bis die Schäden verlässlich bezifferbar sind, wird es sicher noch Wochen dauern“, sagt Ernst Rauch, Leiter des Corporate Climate Center von Munich Re. Zwar sei das derzeitige Ereignis bislang nicht so weiträumig wie die Elbe-Flut im August 2002. Daraus lassen sich aber keine verlässlichen Schlüsse über Schadenssummen ziehen.

Die schlechte Nachricht für Opfer: Die meisten müssen selber zahlen. In den üblichen Gebäudeversicherungen sind Elementarschäden gar nicht abgedeckt. Dazu braucht man eine ergänzende Police für Elementarschäden. Doch eine solche Zusatzversicherung haben nach Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft nur 28 Prozent aller Haushalte. Fast drei Viertel haben also nicht gegen Hochwasser vorgesorgt. Bei den Betroffenen dürfte die Versichertenquote noch geringer sein. Denn in Gebieten, in denen Hochwasser immer wieder auftritt, ist eine Absicherung gar nicht oder nur zu horrenden Prämien möglich.

Beim Elbe-Hochwasser entstanden nach Zahlen der Munich Re volkswirtschaftliche Schäden von 16,8 Milliarden. Davon waren 3,5 Milliarden Euro versichert. Weil damals in den betroffenen Gebieten noch viele Altverträge aus DDR-Zeiten galten, bei denen Elementarschäden in der Gebäudeversicherung eingeschlossen waren, dürfte die Quote diesmal noch niedriger ausfallen.

Für viele ist der erste Hochwasser-Versicherungsfall auch der einzige im Leben. Denn es ist möglich, dass die Versicherung zunächst anstandslos zahlt und kurz darauf den Vertrag kündigt. Eine entsprechende Vereinbarung ist in praktisch allen Verträgen eingebaut. Spätestens einen Monat nach der Zahlung droht die Kündigung. Der Bund der Versicherten rechnet damit, dass die Gesellschaften von diesem Recht auch reichlich Gebrauch machen.

Denn Experten rechnen künftig mit häufigeren Hochwassern. Die Vb-Wetterlage, bei der ein starkes Tiefdruckgebiet über dem Osten Europas feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum oder Osteuropa anzieht, die zu starken Niederschlägen im Nordstau der Mittelgebirge und der Alpen führt, sei in den letzten Jahren häufiger geworden, sagt Munich-Re-Experte Rauch. In der Wissenschaft gibt es Studien, die diese Entwicklung in Zusammenhang mit dem Klimawandel stellen.

Es liegt im Interesse der Assekuranzen, die Risiken neu zu kalkulieren. Wer damit rechnen muss, dass sein Eigenheim künftig alle fünf Jahre von den Fluten weitgehend zerstört wird, wird dafür kaum mehr einen Schutz erhalten – es sei denn, er zahlt unter dem Strich die Prämie als Renovierungskosten auf Raten plus Gewinnspanne für den Versicherer.

Von Martin Prem

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