"Wenigstens behalten wir unsere Arbeitsplätze"

- München - Obwohl es keine Kündigungen geben soll, treffen die Beschlüsse zur Karstadt-Sanierung die Mitarbeiter hart. Kernpunkt der Einigung ist nach Angaben der Verdi-Verhandlungsführerin Franziska Wiethold "eine Art Stundung" der kommenden drei Tariferhöhungen. Diese Gelder sollen erst ausgezahlt werden, wenn es dem Konzern besser geht. Die Rückzahlung sei an die Dividendenausschüttung gekoppelt, sagte Wiethold. Außerdem werden übertarifliche Leistungen abgebaut. So müssen die Beschäftigten Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinnehmen. Doch gebe es keine generelle Arbeitszeitverlängerung und nur geringe Einschnitte in tarifliche Leistungen, sagte Wiethold.

<P>In den großen Münchner Karstadt-Filialen waren die meisten Beschäftigten nach der Einigung trotzdem erleichtert. "Es war ein harter Kampf, aber es hat sich gelohnt", sagte eine Verkäuferin bei Karstadt Oberpollinger in der Münchner Fußgängerzone. Sie ist zufrieden mit der Einigung: "So wie es ausgegangen ist, kommen wir Mitarbeiter besser weg als gedacht. Wir müssen zwar für weniger Geld arbeiten, aber wenigstens behalten wir unsere Jobs."</P><P>Viele Mitarbeiter der Münchner Häuser sind froh, dass es überhaupt zu einer Einigung gekommen ist. "Die Insolvenz wäre ein Schlag für uns alle gewesen", sagt ein 38-jähriger Verkäufer, der schon zehn Jahre für das Unternehmen arbeitet.</P><P>Noch größer als in den Filialen in der Innenstadt, dürfte die Erleichterung in vielen kleinen Häusern von Karstadt gewesen sein. Diese sollen ausgegliedert und verkauft werden. Deshalb fürchteten die Mitarbeiter besonders um ihre Arbeitplätze. Doch auch in diesen Häusern sind die Jobs für die nächsten drei Jahre gesichert - wenngleich zehn der 77 betroffenen Häuser keine Standortgarantie erhalten haben.</P><P>Trotz aller Erleichterung fanden besonders die Einsparungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld in München viel Kritik. "Die Kürzungen sind eine Unverschämtheit" sagte ein Mitarbeiter von Karstadt Oberpollinger. Besonders für Familien mit Kindern sei es schlimm, dass es weniger Weihnachtsgeld gebe, stimmte ein Kollege zu.</P><P>Etliche Karstadt-Mitarbeiter vertraten die Auffassung, das Management habe schon seit vielen Jahren die Entwicklung verschlafen. "Wir müssen nun ausbaden, was die uns eingebrockt haben", meinte ein älterer Angestellter. Er sei unzufrieden und nehme die Entscheidungen nur zwangsläufig in Kauf, denn als über 50-Jähriger bekomme man heutzutage keinen Job mehr. "Das Management nutzt aus, dass man keine Alternativen hat", klagt er. "Entweder man macht das mit, oder man kann schauen, wo man bleibt."</P><P>Auch in anderen deutschen Städten wurde die Einigung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Als die Entscheidung gefallen war, drang die Nachricht über den Abschluss der Verhandlungen zunächst gar nicht zu allen Mitarbeitern vor: "Ich habe nicht gedacht, dass das so schnell geht", sagte eine Verkäuferin. Die an der Einigung Beteiligten werden das nach den 29-stündigen Verhandlungen anders gesehen haben.</P>

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